1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Betreiber der Mosel-Campingplätze erleben einen Ansturm

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Endlich wieder raus zum Campen – Mosel-Campingplätze fast ausgebucht

Nachdem die Campingplätze wegen der Corona-Pandemie bisher geschlossen waren, erleben die Betreiber kurz nach der Eröffnung einen wahren Run. Über Himmelfahrt und Pfingsten sind die Plätze an der Mosel nahezu ausgebucht.

Am Mittwochmorgen sind noch zahlreiche Plätze auf dem Erdener Campingplatz frei. Doch bis zum Abend wird sich das geändert haben. „Wir sind restlos ausgebucht – wie alle Campingplätze an der Mosel“, sagt Betreiberin Sabine Schmitz. Das betreffe das lange Wochenende über Christi Himmelfahrt, aber auch die Pfingstfeiertage. „Die Leute wollen nur noch raus“, sagt sie.

Normalerweise ist ihr Platz wegen der Verkehrsverbindung zur Hälfte von Belgiern besucht. Doch die dürfen wegen der Corona-Krise noch nicht kommen. Das gelte auch für die belgischen Dauercamper. Und auch Gäste aus anderen Ländern wie Briten, Holländer und Skandinavier fehlten. Doch werde dies von deutschen Gästen komplett aufgefangen. Seit dem 13. Mai darf Schmitz autarke Wohnmobile, also Fahrzeuge mit eigener Toilette und Waschgelegenheit, wieder aufnehmen, seit dem 18. Mai auch autarke Wohnwagen. Inzwischen darf sie die Toilettenanlagen wieder öffnen, während Duschen und Waschräume noch geschlossen bleiben müssen. Ab dem 10. Juni soll Zelten wieder erlaubt sein, dann werden wohl alle Sanitäranlagen wieder geöffnet werden dürfen, vermutet sie. „Sonst macht das keinen Sinn“, sagt Schmitz.

Auch der Campingplatz am Hafen von Bernkastel-Kues ist komplett ausgebucht, so wie alle derzeit geöffneten Anlagen, die die Helmut Knaus Campingparks KG in Deutschland betreibt, sagt Prokurist Oliver Krämer. Überall habe ein Run auf die Plätze eingesetzt. Dabei habe auch das vorhergesagte gute Wetter eine Rolle gespielt. „Man merkt deutlich das Verlangen der Leute raus zu dürfen und nicht mehr eingesperrt zu sein“, sagt er.

 Wie stark der Wunsch der Camper ist, wieder unterwegs zu sein, hat Christiane Schenk vom Wehlener Campingplatz Schenk erlebt. „Es ging sofort los. Als klar war, dass die Plätze wieder geöffnet werden dürfen, haben wir täglich bis zu 100 Mail-Anfragen und 70 Anrufe gehabt“, sagt sie. Allerdings kritisiert Schenk, die auch im Verein Campingplatzbetreiber Rheinland-Pfalz-Saarland aktiv ist, die oft „chaotisch“ wirkenden Äußerungen der Landesregierung. „Nachmittags gab es andere Anweisungen als vormittags“, beschreibt sie das „Heckmeck“, das nicht schön gewesen sei.

Dass Camper in autarken Wohnmobilen fünf Tage vor den Urlaubern in autarken Wohnwagen auf die Plätze durften, sei nicht logisch gewesen. Campingplätze mit Gastronomie durften ihre Toilettenanlagen öffnen, Platzbetreibern ohne Gastronomie war dies zuerst verboten. Das habe keinen Sinn ergeben. Dass bei den Duschen aufgrund der Aerosolproblematik noch Klärungsbedarf bestanden habe, habe sie nachvollziehen können. Doch wäre hier ein Föderalismus im Kleinen förderlich, sagt sie. Darunter versteht sie keine pauschalen Entscheidungen, sondern einzelne Bewertungen für die Plätze. Beispielsweise, ob die Waschräume großzügig oder eng gebaut oder mit Lüftungsanlage versehen sind oder nicht. Wie es nach Pfingsten mit dem Betrieb weitergeht, kann sie noch nicht sagen. Die Holländer, die während des Sommers einen großen Anteil ihrer Gäste stellen, buchten noch sehr zögerlich, sagt sie.

Und wie gefällt den Gästen ihre wiedergewonnene Freiheit? „Für mich ist das schön. Hier fühle ich mich gesund“, freut sich Hannelore Schmitz aus Jüchen auf dem Campingplatz in Erden. Ihre Bekannte Anita Thissen aus Mönchengladbach vermisst zwar die Duschen, die noch geschlossen sind. Die Nasszellen im Wohnmobil seien doch sehr beengt. „Doch was ein echter Camper ist, dem macht das nichts“, sagt sie.

Das Ehepaar Weyers aus Xanten freut sich auf dem Wehlener Campingplatz Schenk, dass ihre Reservierung von Beginn des Jahres noch gültig ist. „Wir können autark sein. Die Regeln einzuhalten wie das Aufsetzen der Masken ist kein Problem“, sagt Petra Weyers.

Auf dem Wehlener Platz lassen sich die Gelegenheitscamper Martin Reiter und Anian Reifenstahl aus Bad Tölz in der Sonne ihr Weißbier schmecken. Sie sind die ersten einer ganzen Gruppe Mountainbiker, die erstmals an die Mosel gekommen sind. „Sonst fahren wir immer an den Gardasee, aber das fällt dieses Jahr aus wegen Corona“, sagen sie. Auf der Suche nach Alternativen in Deutschland sind sie auf die Mosel gestoßen. „Hier gibt es Hügel und Berge, das muss doch gut gehen.“