Bewährungsstrafe für Waffennarr

Das Amtsgericht Bernkastel-Kues hat einen 59-jährigen Mann aus der VG Traben-Trarbach wegen illegalen Waffenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Der ehemalige Waffentechniker hatte in seinem Haus über tausend Schuss Munition, Schalldämpfer sowie mehrere Gewehre und Pistolen aufbewahrt.

Bernkastel-Kues. "Die Sache erinnert an Pulver-Kurt, nur ist sie ein paar Nummern kleiner", kommentierte Richter Oliver Emmer den Fall, der gestern vor dem Amtsgericht Bernkastel-Kues verhandelt wurde. Der als Pulver-Kurt bekannt gewordene Rentner aus Beckenbach (Kreis Bad Kreuznach) war im August 2012 zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der 64-Jährige besaß eine der größten illegalen Waffen- und Sprengstoffsammlungen Deutschlands: Panzerfäuste, Handgranaten, Maschinengewehre und Kisten mit Sprengstoff. Das Waffenarsenal, das die Polizei im Oktober 2011 im Haus des Moselaners nach einem anonymen Hinweis fand, ist weitaus kleiner, aber dennoch beeindruckend. Exakt 1432 Schuss Munition verschiedener Kaliber, mehrere Pistolen, zwei Schalldämpfer, ein Selbstladegewehr, eine Schrotflinte, zwei Jagdgewehre und ein Mündungsfeuerdämpfer hatte er aufbewahrt.
In seiner Werkstatt bastelte der gelernte Maschinenschlosser, der keinen Waffenschein besitzt, an den Pistolen und Gewehren. Sein Spezialgebiet war der Bau von Schalldämpfern. "Ich habe in der Fernsehsendung Galileo gesehen, wie man eine Waffe mit einem Schalldämpfer leiser machen kann. Das wollte ich auch testen, einfach aus Interesse."
Sein Faible für Waffen stammt aus seiner Bundeswehrzeit. Zwölf Jahre arbeitete er als ziviler Waffentechniker beim Militär. Inzwischen ist der geschiedene und kinderlose Mann arbeitslos, gesundheitlich schwer angeschlagen und bezieht Hartz IV.
"Wo haben Sie die Waffen denn her?", wollte Richter Emmer wissen. "Sie stammen aus dem Erbe meines Vaters. Der war Jäger, und nach seinem Tod habe ich die Waffen, die er im Keller und in der Scheune seines Bauernhofes aufbewahrt hatte, an mich genommen." Gehandelt habe er mit den Waffen nicht, sagte der Angeklagte, räumte aber ein, dass er bei einem Antiquitätenhändler zwei Vorderlader gegen eine funktionstüchtige Pistole der Marke Sig Sauer eingetauscht hatte.
Der Mann ist einschlägig vorbestraft. Bereits 1998 wurde er wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt. Damals hatte er sogar eine Gaspistole zu einer scharfen Waffe umgebaut und für 500 Mark verkauft.
Sowohl die Staatsanwältin als auch der Verteidiger plädierten für eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Mann hat inzwischen seine komplette Werkstatt verkauft. Er besitzt keine Waffen mehr. Eine Pistole, die die Polizei bei ihm nicht entdeckt hatte, hat er auf der Wache abgegeben.
Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung von zwei Jahren. Die Bewährungszeit ist auf vier Jahre festgesetzt. In dieser Zeit muss er monatlich 20 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

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