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Bewährungsstrafen für Schlägerquartett

Bewährungsstrafen für Schlägerquartett

Eine Diskothek in Bernkastel- Kues, mehrere Schlägereien: Daran beteiligt waren einmal drei und einmal zwei junge Männer einer vierköpfigen Clique aus Wittlich. Besonders brutal gingen sie gegen einen Taxifahrer vor.

Wittlich/Bernkastel-Kues. Rechtsanwalt Winfried Schabio ist kein Jungspund mehr. Aber auch er erlebt immer noch Neues vor den juristischen Schranken. "Eine Verhandlung, wie man sie nicht immer erlebt", sagt er bei seinem Plädoyer für einen der vier Angeklagten, die sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Wittlich verantworten müssen.
Kaum hat Staatsanwältin Anne Wildfang die Anklage verlesen, da unterbricht Richter Josef Thul die Verhandlung. Richter, Staatsanwältin, Schöffen, der Vertreter der Nebenklage, die Vertreterin der Jugendhilfe und die Anwälte stecken lange die Köpfe zusammen. "Um die Positionen darzustellen", sagt Thul hinterher.
Vorher hatten nur zwei der vier Beklagten ihre Bereitschaft erklärt, sich über die Vorkommnisse in und vor einer Diskothek in Bernkastel-Kues zu äußern. Nach dem Gespräch wollen alle vier aussagen. Das erspart einigen Zeugen die Aussage. Trotzdem dauert die Verhandlung mehr als fünf Stunden.
Zwei Tage im Krankenhaus


Schwerster Vorwurf: Drei der vier Männer sollen in den frühen Morgenstunden eines Apriltages im Jahr 2012 einen Taxifahrer geschlagen und getreten haben. Die Folge: Der Mann lag zwei Tage im Krankenhaus und war mehrere Wochen krankgeschrieben.
Einer aus dem Trio hat, das ist unstrittig, den Fahrer provoziert. Nach einer ersten Schlägerei kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung, als der Taxifahrer die Männer als "Scheißtürken" betitelte. Die Vorkommnisse sind per Überwachungskamera aufgezeichnet worden und im Gerichtssaal zu sehen.
Der Vierte im Bunde, 19 Jahre alt, und einer aus dem Trio sollen vorher bereits in der Toilette der Disco mit zwei Männern aneinandergeraten sein. Der junge Mann ist der schwerste Fall, hat schon einiges auf dem Kerbholz und steht noch unter Bewährung.
Die übrigen Angeklagten (21, 23 und 25 Jahre alt) geben die ihnen zur Last gelegten Delikte schnell zu. Der 19-Jährige windet sich etwas und gesteht erst nach einem Gespräch mit seinem Verteidiger, in der Toilette nicht nur geschlichtet, sondern auch mit Vorsatz geschlagen zu haben.
Der Taxifahrer habe seinen Teil zur Eskalation beigetragen, heißt es. Trotzdem rechtfertige seine Äußerung nicht das brutale Vorgehen der alkoholisierten Männer. "Es ist Glück, dass er keine bleibenden Schäden davongetragen hat", sagt Staatsanwältin Wildfang.
Das Schöffengericht bleibt bei den Urteilen unter den Forderungen der Staatsanwältin. Zwei der Taxifahrer-Angreifer bekommen neun Monate auf Bewährung. Bei einem von ihnen beinhaltet die Strafe auch den Diebstahl einer Geldbörse und eines Handys im Wittlicher Krankenhaus. Das Urteil für den Mann, der sowohl bei der Attacke auf den Taxifahrer als auch bei der Schlägerei in der Toilette dabei war: ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung.
Der 19-Jährige, der nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wird (ein Jahr und neun Monate unter Einbeziehung der noch bestehenden Strafe), erhält vom Gericht eine letzte Chance. Lässt er sich in den kommenden sechs Monaten nichts zuschulden kommen, gibt es Bewährung. Wenn nicht, sehe er die Justizvollzugsanstalt in Wittlich für längere Zeit von innen, sagt Richter Thul. Zugute kommt vor allem ihm, aber auch dem Rest der Clique, dass sie beruflich halbwegs Fuß gefasst haben.