Biberspuren im Tal der Dhron

Nagetiere im Hunsrück: Hat sich beim Naturspielplatz unterhalb der Burg Dhronecken ein Biber niedergelassen? Fast täglich finden sich derzeit dort junge Gehölze, die offensichtlich von Tieren gefällt worden sind, und frische Nagespuren an größeren Bäumen.

Dhronecken. Bis vor kurzem habe das Birkenstämmchen noch aufrecht gestanden, nun liege es im Wasser, sagt Karl-Heinz Jochem und zeigt auf die Überreste eines jungen Baumes beim Naturspielplatz Dhronecken. Der Rentner erledigt für die Gemeinde die Pflege des Geländes. Auf einer Länge von mehreren Hundert Metern sind am Rande des Thalfangerbachs, der durch den Naturspielplatz fließt, an Bäumen und Sträuchern zahlreiche Fraß- und Nagespuren zu sehen.
Erste Sichtung am Naturspielplatz


Jochem weist auf mehrere junge Trauerweiden hin, deren Stämme durchgebissen sind und die am Boden liegen. "Das ist ganz frisch", sagt er. Bei zwei großen Laubbäumen hat ein Tier dicke Kerben in die 25 Zentimeter dicken Stämme genagt. Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, hat Jochem auf die Fraßspuren aufmerksam gemacht.
Für den Anwohner ist klar: Das kann nur ein Biber gewesen sein. "Ich habe den Biber sogar gesehen", sagt der Dhronecker. Bei einem Spaziergang am Naturspielplatz habe er auf einmal ein großes Tier schnell ins Wasser huschen und wegschwimmen sehen. Insgesamt hätte der Biber schon fünf seiner frisch gepflanzten Bäume angenagt oder sogar umgelegt. Um die großen Bäume auf dem Naturspielplatz zu schützen, hat der Mann die Stämme mit einem Zaungeflecht geschützt. Offenbar nicht hoch genug: Einen Tag später waren Fraßspuren oberhalb des Zaunes zu sehen.
Seit 1840 galten Biber in Rheinland-Pfalz als ausgerottet. Ab 1994 wurden im Saarland 70 Biber, die aus Sachsen-Anhalt stammen, ausgesetzt. So sollten sie im Saarland wieder heimisch werden. Der Naturschutzbund Saarland schätzt, dass dort etwa 500 Biber leben.
Biberdamm ist Attraktion


Die Biber haben sich inzwischen entlang der Wadrill bis nach Reinsfeld verbreitet. Dort ist ein Biberdamm mit einem Bibersee für Wanderer sogar eine der Attraktionen der dortigen Traumschleife. Von dort könnten sie entlang der Bachläufe weitergezogen sein. Weitere Bibervorkommen gibt es in der Eifel.
Stefanie Venske, Leiterin des Biberzentrums Rheinland-Pfalz in Fischbach, weiß bis jetzt nichts von einer Biberpopulation bei Dhronecken. Sie will diesen Monat in die Hunsrückgemeinde kommen und sich vor Ort ein Bild machen, ob es sich tatsächlich um einen oder mehrere Biber handelt.
Um eine Biberpopulation festzustellen, könnte man entlang der Laufwege des Tieres einen Stacheldraht spannen, an dem Haare hängen bleiben, schlägt sie vor. Diese könnten dann zur genauen Untersuchung an ein Institut geschickt werden.
Um die Bäume auf dem Naturspielplatz gegen weiteren Verbiss der Nagetiere zu sichern, müsse man die Bäume bis zu einer Höhe von 1,20 Metern mit Hasendraht sichern, sagt Venske. Schon das relativ dünne Drahtgeflecht wäre für einen Biber unangenehm, so dass er den Baum in Ruhe lässt. Allerdings müsse man den Draht am Boden fixieren.
"Sonst schiebt er die Ummantelung einfach hoch und nagt weiter", sagt Venske. Sind die Bäume bereits zu stark in Mitleidenschaft gezogen, müsse man sie fällen. Aber dann heißt es, diese liegen zu lassen, damit die Biber weiter daran fressen können. "Räumt man die gefällten Bäume weg, dann nagen die Biber den nächsten Baum an."
Sollte sich die Vermutung bestätigen, wäre es das erste Bibervorkommen in der Verbandsgemeinde Thalfang. 2007 hatte man in der Einheitsgemeinde Morbach an der Dhron bei Rapperath einen Biber beobachtet, sagt Manuel Follmann von der Kreisverwaltung. Allerdings ist dieser in den darauffolgenden Jahren nicht mehr gesichtet worden.Extra

Biber sind nach dem südamerikanischen Wasserschwein die größten Nagetiere auf der Erde. Sie können bis zu 1,30 Meter lang und 30 Kilogramm schwer werden. Im Sommer fressen Biber krautartige Pflanzen. Im Winter ernähren sie sich von selbst geschälter Baumrinde. Biber leben entlang von Bach- oder Flussläufen in selbst gebauten unterirdischen Kammern. Der Zugang erfolgt unterhalb der Wasseroberfläche. Biber sind vom Aussterben bedroht und deshalb naturschutzrechtlich geschützt. Quelle und weitere Informationen im Internet unter Biberzentrum-rlp.deExtra: Kindernachricht

Wusstet ihr, dass Biber ganz scharfe Zähne haben? Mit ihren großen Schneidezähnen können sie ganz mühelos Bäume und Äste zerkauen. Die sind sogar so groß, dass sie vorne aus dem Maul herausgucken. Je nachdem, wie hart das Holz ist, schaffen Biber einen 50 Zentimeter dicken Holzstamm in einer Nacht. Dabei nagen die Tiere einmal rund um den Baum, bis er an einer Stelle ganz dünn ist und wie eine Sanduhr aussieht. Von den Bäumen essen die Biber dann am liebsten die Zweige, die Rinde und die Blätter. Sie mögen aber auch Sträucher und andere Pflanzen. Fleisch fressen sie gar nicht. Aus den Stämmen und Ästen bauen die Biber auch ihre Höhlen ins Wasser. Die werden Biberburgen genannt, wenn sie ganz von Wasser umgeben sind. hsc