1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Biologe kritisiert Pläne für Klettersteig im Biotop in Manderscheid

Naturschutz : Biologe kritisiert Pläne für Klettersteig im Biotop in Manderscheid

Naturschutz im Biotop und ein Klettersteig lassen sich nicht vereinbaren, meint Birger Führ aus Heckenmünster. Der Biologe hofft, dass die Untere Naturschutzbehörde das Tourismusprojekt für knapp 404 000 Euro nicht genehmigt.

An einem der größten Tourismusprojekte der Verbandsgemeinde Wittlich hagelt es Kritik: Ein mit Eisenstiften, Trittbrettern und Seilen gesicherter Kletterweg soll Touristen bald durch die Felswände entlang der Manderscheider Burgen führen. Was Umweltschützer daran stört: Der geplante Klettersteig soll durch geschützte Biotope und ein Schutzgebiet für Flora und Fauna (FFH-Gebiet) führen. Auf den Felsen wachsen Flechten, Moose sowie andere geschützte Pflanzen. In den Felsspalten leben Federmauskolonien. Ziel der Naturschutzgebiete ist es daher, Pflanzen-, Pilz- und Tierarten sowie deren Lebensraum zu erhalten und an folgende Generationen zu übergeben. „Aber mit dem Tourismusprojekt Klettersteig setzt man sich über die Belange des Naturschutzes hinweg“, sagt der Diplom-Biologe Birger Führ aus Heckenmünster. Die Felswände rund um die Turnierwiese, durch welche der Klettersteig führen soll, seien sowohl nach europäischem sowie nach deutschem Naturschutzrecht ein „schutzwürdiges Biotop“. Und wenn man den Naturschutz ernst nehme, sagt der Biologe, hätte man die naturschutzrechtliche Genehmigung an den Beginn der Planung und nicht an deren Ende gestellt. Führ: „Man setzt einfach voraus, dass es eine Genehmigung gibt. Man macht etwas und lässt es sich im Nachhinein genehmigen.“ Damit nehme man den Naturschutz jedoch nicht wirklich ernst, meint Führ. „Aber diese Denkweise ist heutzutage nicht mehr zulässig.“

Nachhaltigkeit bedeute Ausgewogenheit zwischen Ökonomie und Ökologie, sagt der Biologe, „aber hier geht es eindeutig um Fördergeld, das man haben will, Tourismus und Ökonomie.“ Seiner Meinung nach sei der zu erwartende Schaden an der Natur jedoch größer als der wirtschaftliche Nutzen, meint der Biologe. „Wir haben ja in und um Manderscheid bereits viel touristische Infrastruktur.“

Aber wie bewertet und rechtfertigt die Verbandsgemeinde Wittlich-Land diesen geplanten Eingriff ins Biotop und wie ist es um die naturschutzrechtliche Genehmigung bestellt?

Die Planung für den Klettersteig liege der Unteren Naturschutzbehörde derzeit zur Genehmigung vor, erklärt Günter Weins von der Verbandsgemeindeverwaltung. Das beauftragte Planungsbüro sei zu der Ersteinschätzung gekommen, dass sich der „sanfte Tourismus eines Klettersteigs und der Naturschutz vereinbaren lassen“. Der Besucher werde über die Drahtseile geführt und an sensible Stellen gar nicht erst gelangen. „Die Felsköpfe mit Flechten und Moosen werden nicht angetastet.“ Aus Sicht des Naturschutzes seien gewisse Dinge zu erfüllen, sagt Weins, „aber die bekommen wir in den Griff.“