Birnen, Äpfel und Reben

Hinter meinem Heimatort Pünderich befindet sich, nicht wie in vielen anderen Moselorten ein steiler Berg, sondern ein ganz sanft ansteigender Hang, der bis zum Wald führt. In meiner Kindheit standen dort fast ausschließlich Obstbäume, die ab Ende der 60er Jahre dem Weinbau weichen mussten.

Heute weichen die Weinberge langsam aber stetig wieder Wiesen und Parzellen mit Obstbäumen. Ich bedaure das nicht. Denn für die Erzeugung von klassischen Moselweinen waren und sind diese Flächen nur bedingt geeignet. Nicht nur in Pünderich, überall an der Mosel wurden Wiesen und Äcker in den 60er und 70er Jahren umgepflügt und mit Reben bestockt - mit der Folge, dass sich die Menge an Moselwein vervielfachte und die Erzeuger-Fassweinpreise in den 80er Jahren ins Bodenlose stürzten. Zur gleichen Zeit wurden immer mehr qualitativ hochwertige Steillagen aufgegeben, weil die Bewirtschaftung dieser Weinberge ungleich teurer und arbeitsaufwendiger ist als in den flachen Lagen. Wenn ich heute durch die Weinberge hinterm Dorf spaziere und dort wieder mehr Apfel-, Kirsch- oder Pfirsichbäume sehe, finde ich das keinesfalls schade. Besonders freut mich aber, dass auf der anderen Moselseite in einem steilen Südsüdwest-Steilhang aus rotem Schiefer ein Winzer eine große Fläche, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts als "besonders wertvolle Lage" registriert war, wieder mit Reben bepflanzt. joa/bre