Bis dass der Strom euch scheidet

BERNKASTEL-WITTLICH. Seit Beginn des Jahres gelten für öffentliche Einrichtungen der Kommunen neue Stromverträge. Während Städte und Gemeinden zum Teil über einen neuen Anbieter versorgt werden, ist der Landkreis Bernkastel-Wittlich dem RWE treu geblieben. Treue hin oder her: teurer wird es für alle.

Wenn Menschen in öffentlichen Verwaltungen über vertragliche Beziehungen zum RWE sprechen, dann hat das schon fast zwischenmenschlichen Charakter - so ungefähr wie: "Tut mir Leid. Es ist aus. Lass uns Freunde bleiben, schließlich hatten wir doch eine gute Zeit." Ja, eine gute Zeit hatten die Städte und Verbandsgemeinden im Landkreis Bernkastel-Wittlich - wie auch im übrigen nördlichen Rheinland-Pfalz - schon. Um sie in Zeiten des freien Strommarktes bei der Stange zu halten, hatte das RWE die Kommunen mit Energie zu besonders günstigen Konditionen besorgt. Bis Ende 2004 galt dieses Angebot, und von allem, was in den vergangenen Jahren an Strompreiserhöhungen, Zuschlägen und Sonderabgaben auf den privaten Verbraucher und andere Kommunen in Deutschland abgewälzt wurde, blieben Städte und Verbandsgemeinden an der Mosel weitestgehend verschont."Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert"

"Wir hatten schon außerordentlich gute Vertragsbedingungen", sagt Manfred Junk von der Verbandsgemeindeverwaltung Wittlich-Land. Doch damit ist jetzt Schluss. "20 bis 30 Prozent teurer ist es jetzt geworden", erklärt der Sachbearbeiter und betont es noch einmal: "Wir hatten mit dem RWE wirklich sehr, sehr gute Konditionen." "Dass der Strom teurer wird, war klar", sagt Alfons Gorges von der Einheitsgemeinde Morbach, "doch mit einer Erhöhung in diesem Umfang haben wir nicht gerechnet." Zum einen, weil die neuen Stromlieferverträge im vergangenen Jahr europaweit ausgeschrieben wurden, und zum anderen, weil der Gemeinde- und Städtebund (GStB) Rheinland-Pfalz diese Ausschreibung gebündelt für alle Kommunen übernommen hatte. Durch eine gemeinsame Ausschreibung könnten bessere Ergebnisse erzielt werden, hatte der GStB geworben - was die Gemeinden jetzt bezahlen müssten, wenn sie selbst ausgeschrieben hätten, weiß keiner. "Doch einen günstigeren Preis hätten wir mit Sicherheit auch nicht erreicht", sagt Gorges. Während die Kosten um fast ein Drittel gestiegen sind, hat sich auch die Anzahl der Stromversorger verdoppelt: Außer dem RWE beliefert jetzt auch noch das Unternehmen Lichtblick aus Hamburg öffentliche Einrichtungen im Landkreis. Stromfresser wie Kläranlagen, Schwimmbäder oder Pumpenwerke werden auch weiterhin über Sonderverträge vom RWE versorgt, wohingegen kleinere Einrichtungen wie beispielsweise Friedhofshallen den Strom von Lichtblick beziehen. Das gilt für Orte in Bernkastel-Wittlich ebenso wie in Daun oder Bitburg-Prüm. "Wir waren der ganzen Sache auf Gedeih und Verderb ausgeliefert", sagt Heiner Nilles von der Verbandsgemeindeverwaltung Bernkastel-Kues. Auch in seiner VG rechnet man mit 30 Prozent mehr Kosten. "Wir sind nicht besonders glücklich mit dem Ergebnis", sagt er, und auch wenn der Städte- und Gemeindebund der Auffassung sei, das beste Ergebnis erreicht zu haben: "Wie kann man mit etwas zufrieden sein, wenn es teuerer wird?" - In dem man zum Beispiel den Verbrauch etwas drosselt.Höhe des Strompreises ist Ansichtssache

Das zumindest soll der Landkreis und RWE-Aktionär Bernkastel-Wittlich getan haben, der ebenfalls an einem Ausschreibungsverfahren beteiligt war. Auch hier galten bis Jahresende die gleichen Sonderkonditionen wie bei Städten und Verbandsgemeinden, nur dass die Landkreise bis auf wenige Ausnahmen beim RWE geblieben sind. Obwohl der Landkreistag, die Dachorganisation der Landkreise, von Mehrkosten in Höhe von über 25 Prozent ausgeht, rechnet Bernkastel-Wittlich nur mit einer Steigerung von 11 Prozent. Von "Überprüfung und Anpassung der Leistungsanschlusswerte" ist in einer schriftlichen Mitteilung die Rede - im Klartext bedeutet das, dass insgesamt Strom gespart werden soll - und dass der Strom, der verbraucht wird, genauso teurer geworden ist wie bei anderen Kommunen.