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THALFANG. Ein trotz des emotionsbeladenen Themas ruhiger Meinungsaustausch entspann sich am Freitag beim TV-Stammtisch zur Zukunft der Doppelgräber auf dem Thalfanger Friedhof.

Der Beschluss fiel schon 2005, aber er bewegt die Menschen in Thalfang und den umliegenden Orten heute mehr denn je. Das zeigte der TV-Stammtisch im Haus der Begegnung in Thalfang, zu dem knapp 30 Menschen kamen. Darunter allerdings mit Erich Thösen aus Talling und Gustav Pfeifer aus Gielert nur zwei der zehn Ortsbürgermeister, die sich am Mittwoch in einer Zweckverbandsversammlung nochmals damit befassen werden, ob es auch künftig auf dem gemeinsamen Friedhof in Thalfang Doppelgräber geben wird oder ob es bei dem Beschluss aus dem Jahr 2005 bleibt, nachdem nur noch Einzelgräber eingerichtet werden. Bedauerlich war dabei, dass der Thalfanger Ortsbürgermeister, Franz-Josef Gasper, dessen Ort im "Zweckverband der zwölf Gemeinden", das bei weitem größte Gewicht hat, zwar den Raum unbürokratisch zur Verfügung gestellt hatte, sich vor der Sitzung am Mittwoch jedoch nicht der Diskussion mit den Bürgern stellen wollte. Neben Gasper, der auch stellvertretender Zweckverbandsvorsitzender ist, fehlte krankheitsbedingt auch Bürgermeister Dellwo, der als VG-Verwaltungschef auch den Zweckverband führt. Dennoch entspann sich, moderiert von TV-Redakteurin Ilse Rosenschild, ein reger Meinungsaustausch. Die Beratungen waren nicht-öffentlich

Dabei machte der frühere Ortsbürgermeister von Talling, Rudi Marx, deutlich, warum die Debatte um den Erhalt der Möglichkeit von Doppelgräbern erst entstand, als die Entscheidung in den einzelnen Gemeinderäten und im Zweckverband schon gefallen war. "Die Beratungen in den Räten der Orte waren nicht-öffentlich. Als die Sache publik wurde, kam der Protest sofort", erläuterte der Doppelgrab-Verfechter. Sein Nachfolger Erich Thösen, betonte, dass er mit der Entscheidung für Reihengräber kein Problem habe, dennoch habe er im vergangenen Jahr dem Votum seines Gemeinderats folgend gegen die Abschaffung von Doppelgräbern gestimmt. Genau wie Talling sprachen sich damals Gielert und Dhronecken dagegen aus, wurden jedoch überstimmt. Aus diesen drei Gemeinden kam auch die Initiative, die Entscheidung noch einmal zu diskutieren. Die Argumente der Doppelgrab-Gegner, dass auf dem Friedhof Platzmangel herrsche, eine Erweiterung zu teuer und zugleich eine Nutzung der Freiräume auf dem älteren Gräberfeld technisch schwierig sei, hielt Michel Müller für nicht stichhaltig. "Es ist eine Menge Platz. Allein auf dem mittleren Feld gibt es 35 freie Grabstellen für Familiengräber", sagte er. Viele davon könnten mit kleinen Baggern angefahren werden. Unverständnis herrschte darüber, dass Partnern, die ihr Leben miteinander verbracht haben, die Möglichkeit verwehrt wird, gemeinsam beerdigt zu werden. Denn dies ist, sofern der Beschluss für Reihengräber Bestand hat, nur möglich, wenn sich zumindest einer der beiden Partner nach seinem Tod einäschern lässt. Für schiere Empörung unter den Doppelgrab-Befürwortern sorgte derweil die Aussage der Gegenseite, dass auf dem Friedhof Ordnung geschaffen werden müsse. Die emotionale Seite des Konflikts fasste Karsten Hagenburger zusammen: "Diese Art der Bevormundung stößt mich vor den Kopf. Es kann doch nicht sein, dass es künftig heißt: Bis der Zweckverband euch scheidet." Brunhilde Thelen ergänzte: "Ich bin enttäuscht, dass man mit Gefühlen von Menschen so umgeht." Zum Abschluss der Debatte sagte Müller: "Wir zwingen niemandem etwas auf, wir wollen nur, dass die Möglichkeit von Doppelgräbern wieder in die Fülle der Bestattungsmöglichkeiten aufgenommen wird." Pfarrer Winfrid Krause betonte, dass dem grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie auch in jeder Friedhofssatzung Rechnung getragen werden müsse. Er schloss sich dem zuvor von Marx vorgetragenen Vorschlag an, dass die nur teilweise genutzten älteren Gräberfelder schon jetzt überplant werden und die in diesem Raster nutzbaren Flächen künftig für Doppelgräber zur Verfügung stehen. Die Doppelgrabfrage steht am Mittwoch, 6. September, 17 Uhr, erneut auf der Tagesordnung der Zweckverbandsversammlung, die im Thalfanger Rathaus tagt.