Bistum Trier: Rat für XXL-Pfarrei Wittlich gesucht

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv: September 2019 : Rat für XXL-Pfarrei Wittlich gesucht

Strukturwandel in der katholischen Kirche: Auch für die Ehrenamtlichen wird sich einiges ändern.

Mehr als 40 000 Katholiken in den noch bestehenden Pfarreiengemeinschaften Alftal, Landscheid, Manderscheid, Mittlere Mosel, Salmtal und Wittlich werden zum Jahreswechsel von gewohnten kirchlichen Strukturen Abschied nehmen müssen.

Nicht nur, dass die bestehenden sechs Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Wittlich aufgelöst und in der Großpfarrei mit dem Namen „Pfarrei der Zukunft Wittlich“ aufgehen sollen.

Auch die jetzigen Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte sowie die Räte der Pfarreiengemeinschaften sollen aufgelöst und durch eine neue Gremienstruktur ersetzt werden. In der Pfarrei der Zukunft werde es einen Rat der Pfarrei geben, erklärt das Dekanat Wittlich.  Dieser bestehe aus einer Pastoral- und einer Verwaltungskammer und wird aus insgesamt 30 gewählten Personen bestehen. Im Vergleich mit den aktuellen Ratsstrukturen würde diese Zahl  für die Beteiligung der Ehrenamtlichen einen herben Einschnitt bedeuten.

So engagieren sich beispielsweise derzeit allein in den Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft Wittlich schon knapp 90 Katholiken in Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten. Die Zahl von künftig  30 Gremienmitglieder für die gesamte XXL-Pfarrei mit derzeit noch 40 Pfarreien wirkt dagegen doch äußerst gering.

„Das heißt aber nicht, dass wir uns von den Ehrenamtlichen verabschieden wollen“, erklärt Pfarrer Bruno Comes, Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Wittlich und stellvertretender Dechant des Dekanats Wittlich.  Das genaue Gegenteil sei der Fall. „Es wird auch zukünftig Teams vor Ort geben, die sich um die Belange rund um den Kirchturm kümmern.“ Zudem werde durch die Mitgliedschaft von zwei Ehrenamtlichen im Leitungsteam der Großpfarrei die Rolle der Ehrenamtlichen in den kirchlichen Strukturen der Pfarrei gestärkt. Comes: „Deshalb sage ich, man sollte das nicht numerisch sehen. Durch die neue Struktur haben die Ehrenamtlichen das gleiche Mitspracherecht – wenn nicht sogar noch etwas mehr.“

Von den bisherigen Strukturen der Pfarrgemeinderäte und vergleichsweise hohen Zahl an Ratsmitgliedern  gilt es sich dennoch zu verabschieden. Comes: „Ich bin ja jetzt schon 27 Jahre dabei. Und schon in Zeiten, in denen ich noch ein junger Kaplan war, hatten wir Schwierigkeiten dabei, die Räte zusammenzubekommen. Wir sehen ja auch, dass wir nicht mehr überall rumkommen“.

Im Herbst solle es eine Ratsversammlung geben, sagt Comes, auf welcher der „Rat der Pfarrei“, so heißt das 30-köpfige Gremium der künftigen Großpfarrei, gewählt werde. Die Vorbereitungen dazu würden jetzt beginnen. Die Kandidatensuche sei eine wichtige Aufgabe, die in den jetzigen Pfarreien- und Pfarreiengemeinschaften starten solle. Comes: „Wir fragen auch im Moment Leute, wer Spaß hat weiterzumachen. Einige sagen ‚jawohl’. Andere wollen sich aus dem Rätesystem zurückziehen.“

Das Zentrum der neuen Großpfarrei soll in der Kreisstadt nahe St. Markus entstehen. Foto: TV/Christian Moeris

Aber die Kirche werde sie auch in Zukunft brauchen, sagt Comes. „Wir werden Leute brauchen, die sich beispielsweise um die Belange einer konkreten Kirche kümmern: Wenn es zum Beispiel ein Problem mit der Heizung in einer Kirche gibt, wird das nicht der Rat der Pfarrei klären. Wir  brauchen weiterhin Ansprechpartner vor Ort.“
Zudem werde es in der Großpfarrei Wittlich viele „Orte von Kirche“ geben, erklärt Comes, überall dort, wo Menschen im Sinne des Evangeliums zusammen fänden, um sich wie auch bei kirchlichen Festen und kulturellen Veranstaltungen zu engagieren. Das umfangreiche Engagement in den Gruppen und Initiativen werde in Zukunft unter dem Titel „Orte von Kirche“ zusammengefasst und weiterhin begleitet und gefördert.

Wie sieht eigentlich Pfarrer Comes, der sich über seine eigene Rolle in der Großpfarrei noch in Schweigen hüllt, den Wandel, der seiner Kirche in der Region bevorsteht?

„Meiner Auffassung nach ist das unvermeidlich und überfällig, weil wir schon seit 20 Jahren darüber diskutieren, wie man diese Kleinteiligkeit und dieses Kirchturmdenken überwinden kann.“ Es werde an der ein oder anderen Stelle schon Sinn machen, größer zu denken, meint Comes. „Wir sehen das ja im Bereich Jugend, wo auf Dekanatsebene schon immer gut zusammengearbeitet wird.“ Wenn nur Jugendgottesdienste in einzelnen Pfarreiengemeinschaften stattfänden, sagt Comes, wäre die Resonanz dagegen überschaubar.

„Wenn ich aber für das gesamte Dekanat einen Jugendgottesdienst organisiere, dann kommen wie zuletzt über 200 Leute. Dann macht das allen auch Freude.“

Das sei ein Beispiel, das zeigen solle, wie viel Sinn es mache, über den eigenen Kirchturm hinaus zu denken.

Pfarrer Bruno Comes. Noch ist er für rund 13 000 Katholiken in der Pfarreiengemeinschaft Wittlich zuständig. Foto: Christina Bents

Zum Jahreswechsel enden auch die Leitungsaufgaben der jetzigen Pfarrer, nicht aber ihr pastoraler Auftrag. Alle Seelsorger bleiben zunächst an ihren jetzigen Stellen aktiv, teilt das Dekanat mit,  „auch wenn es in den nächsten Monaten zu veränderten Absprachen, Zuständigkeit und Aufgabenschwerpunkt kommen kann.“

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