"Bitte Abstand halten"

Lärm, tieffrequenter Infraschall und Schattenwurf: Mitglieder der Bürgerinitiative Pro Natur VG Thalfang und verschiedene Referenten haben in Thalfang vor negativen Folgen der Windkraftanlagen gewarnt. Sie fordern die Bürger in der VG Thalfang dazu auf, sich an ihrer Unterschriftenaktion für größere Abstände zwischen Windrädern und Wohngebieten zu beteiligen.

Thalfang. Ein Arzt, ein Priester und ein Autor: Unterschiedliche Wortführer stehen der Bürgerinitiative Pro Natur VG Thalfang im Thalfanger Festsaal bei, um über Gefahren der Windkraft aufzuklären. "Wir haben den Eindruck, dass die Bürger nur einseitig informiert werden", sagt Michaela Gauer aus Heidenburg, die sich in der Bürgerinitiative Pro Natur VG Thalfang engagiert. "Wir sind nicht gegen Windkraft. Es geht uns darum, dass Windräder unter Einbeziehung der Bürger und nach Maß aufgebaut werden." Viele Bürger würden die Windräder mittlerweile als Bedrohung empfinden, da die "monströsen" Anlagen wesentlich höher als die Ortschaften lägen und damit gravierende Einschnitte in das Landschaftsbild darstellen würden.
Neben einer verminderten Lebensqualität durch zu nah gebaute Anlagen befürchten die Kritiker zudem gesundheitliche Auswirkungen der Windräder. So referiert der Hermeskeiler Allgemeinmediziner Dr. Ortwin Zais über gesundheitliche Aspekte der weißen Riesen. Besonders der Infraschall, nicht hörbare Schwingungen unterhalb von 16 Hertz, der von den Anlagen ausgehe, stehe im Verdacht, Auswirkungen auf die Befindlichkeit zu haben, sagt Zais."Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Atemprobleme, Herzrasen und Konzentrationsprobleme": Der Mediziner zählt den 50 Besuchern im Thalfanger Festsaal eine lange Liste an Symptomen auf, die man in der medizinischen Forschung als negative Auswirkungen der Windkraft auf die Gesundheit diskutiere.
"Aber auch der hörbare Lärm der Anlagen ist ein Umweltgift", sagt Zais. Eine 3,2-Megawatt-Anlage sei in 1000 Metern Entfernung noch mit einer Lautstärke von 45 Dezibel zu hören. "Die Politiker legen Mindestabstände fest, ohne sachgerechte Aussagen über die Einflüsse auf den Menschen machen zu können." Denn die Auswirkungen seien medizinisch noch nicht ausreichend erforscht.
Der als Windkraftgegner bekannte Autor Uwe Anhäuser kritisiert die finanzielle Seite der neuen Energieform. "Es geht nur ums Geld. Die Kommunen bauen keine Windräder, um die Umwelt zu retten. Weil die Ortsgemeinden von Bund und Land finanziell im Stich gelassen wurden, versuchen sie sich so zu refinanzieren." Zudem sei die Verunstaltung der Landschaft in Hunsrück und Hochwald durch Windräder der politische Wille der Landesregierung, sagt Anhäuser: "So wollen sie die städtische Ballung vorantreiben. Denn die dünnbesiedelten Regionen wie Hunsrück und Hochwald sind dem Land auf Dauer zu teuer." Die Bürgerinitiative kann sich auch über geistlichen Beistand freuen. Thalfangs evangelischer Pfarrer Winfried Krause kommt auf dem Podium ebenfalls zu Wort: "Wir sollten an der guten alten Kohle festhalten. Die Verspargelung der Landschaft ist mir optisch ein Gräuel." Zudem, so der Pfarrer, gehe mit der Ausbreitung der Windkraft eine deutliche Steuererhöhung für die Bürger einher.
Ludwin Trampert, Nuklearmediziner und Bürger Heidenburgs, fasst die Diskussion gegen Ende des Abends zusammen: "Die einzige Möglichkeit, die wir haben, uns gegen die Windräder zu wehren, ist der Abstand. Wir fordern deshalb das Zehnfache der Nabenhöhe." Die im Flächennutzungsplan vorgesehene Distanz von 800 Metern zur Wohnbebauung sei zu gering. "Denn es werden deutlich größere Windräder kommen", sagt Trampert.
Die Bürgerinitiative sammelt nun Unterschriften. Sie möchte die 21 Ortsgemeinderäte mit Einwohneranträgen dazu bewegen, sich bei der Verbandsgemeinde für die Bedenken der Bürger starkzumachen.
Derzeit stehen in der Verbandsgemeinde Thalfang 14 Windräder. Weitere 19 Anlagen sind in der Planung.Extra

Auf seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 5. November, 17.30 Uhr, im Bürgerhaus in Malborn-Thiergarten diskutiert der Verbandsgemeinderat Thalfang erneut die Teilfortschreibung des Flächennutzungsplans im Hinblick auf Windenergie - im öffentlichen Teil der Sitzung. Bevor jedoch über die Fortschreibung des Plans abgestimmt wird, soll er in der Verbandsgemeindeverwaltung nochmals für einen Monat offengelegt werden. Interessierte Bürger können den Plan dort einsehen und Einsprüche geltend machen. cmo