Blaue Zunge? Keine Panik!

Dieser Tage war viel über die Blauzungenkrankheit in der Zeitung zu lesen. Manch ein Weintrinker mag dabei aufgeschreckt sein. Doch von dieser Stelle kann Entwarnung gegeben werden. Dieses Leiden befällt ausschließlich Rinder, Ziegen und Schafe.

Weinfreunde, die sich nach einer Rotweinprobe über eine blaue Zunge wundern, können also aufatmen. Wir haben in der Fachliteratur nachgeschlagen und erhielten folgende Erklärung für die Verfärbung unseres Schmeckorgans: Es gibt im Wein braune, rote und blaue Farbstoffe. Blau verfärbt sich die Zunge nur bei den Weinsorten, die den meisten blauen Farbstoff enthalten - zum Beispiel beim Dornfelder. Entscheidend ist aber der Säuregrad in unserem Mund: Die im Wein enthaltenen Anthocyane (Farbsubstanzen) reagieren nämlich auf wechselnde pH-Werte. In einem sauren Milieu - wie etwa dem Wein - sorgen die Stoffe für eine leuchtend rote Farbe. Das ändert sich, sobald die Anthocyane in den Mundraum gelangen. Dort erzeugen sie eine blau-violette Verfärbung der Hautzellen. Die Blaufärbung auf der Zunge kann mit saurem Zitronensaft einfach weggewischt werden. Man kann sich aber, und dazu rate ich als Weinfreund, anders behelfen: Einfach einen spritzigen Moselweißwein trinken - dann verschwindet mit der Zeit das Zungenblau wieder von selbst. Ein ebenso einfaches Rezept gegen die Rot-Blau-Verfärbung der Nase habe ich noch nicht gefunden.Winfried Simon

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