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Blei im Boden: Amt gibt Entwarnung

Blei im Boden: Amt gibt Entwarnung

Die Pilmerother können erstmal aufatmen. Laut den Ergebnissen der Bodenproben sind die Bleivorkommen im Großen und Ganzen ungefährlich. Obacht ist dennoch geboten.

Kleinich-Pilmeroth. Wer tief gräbt, der findet so manches, mit dem er nicht gerechnet hätte. So ist es auch im Kleinicher Ortsteil Pilmeroth: Bei der Vorbereitung von Kanalbauarbeiten wurde Blei im Boden gefunden. Die Bürger forderten Aufklärung (der TV berichtete).
Die gab es nun. In einer Bürgerversammlung berichtete die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord von den Ergebnissen der Bodenproben. Karl-Heinz Mesenich von der Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz gab grundsätzlich Entwarnung. An zwei Stellen waren die Grenzwerte für Blei zwar überschritten worden: auf einer Brachfläche und in einem Garten.
Grenzwert zweimal überschritten


Der Höchstwert in Wohngebieten betrage 400 Milligramm pro Kilo, hier waren es 478 und 676 Milligramm. Doch das giftige Schwermetall könne nur gefährlich werden, wenn der Boden verschluckt werde. Und diese Gefahr bestehe im Grunde nur bei Kleinkindern, bei denen zudem die Grenzwerte wegen ihres niedrigen Körpergewichts geringer seien.
Kritisch wäre die Lage nur, wenn sie immer wieder auf einer großen, offenen, also unbewachsenen Fläche spielen und Erde zu sich nehmen würden: der schlimmste anzunehmende Fall. Die Grundstücke in Pilmeroth seien aber von Pflanzen bedeckt, so dass es keine Bedenken gebe. "Die unmittelbare Gefährdung spielender Kinder kann damit ausgeschlossen werden."
Auch über Pflanzen kann Erde und damit Blei in die Nahrung gelangen. Es genüge aber, Obst und Gemüse wie gewohnt zu putzen und zu waschen. Zudem rieten die Experten den Bürgern, den Boden in ihren Gärten zu kalken, wenn er sauer sei. Denn bei einem niedrigen PH-Wert nehme die Erde mehr Schwermetalle auf. Es sei aber unbedenklich, in Pilmeroth weiter Gemüse anzupflanzen. Zudem könne der bleihaltige Boden zwar eingeatmet werden, aber im Staub sei die Konzentration verschwindend gering, erklärte Mesenich. Dennoch werde die Baufirma darauf achten, möglichst wenig Staub zu erzeugen. Die Untersuchung des Wassers aus dem Brunnen in Pilmeroth hatte keine Grenzwert-Überschreitungen ergeben.
Zu Bedenken gab Mesenich auch, dass nur ein Drittel des Bleis, das in den Körper gelange, im Magen-Darm-Trakt aufgenommen werde und so beispielsweise in die Blutbahn gelangen kann. Günter Beyer vom Gesundheitsamt Bernkastel-Wittlich erklärte, jeder Mensch habe Blei im Körper. Es werde über die Nahrung aufgenommen und lagere sich in den Knochen ab. Deshalb gebe es keinen Wert, ab dem man von einer Gesundheitsgefährdung sprechen könne. Wer viele Milchprodukte esse, könne den Bleigehalt im Körper senken.
Grund für die Bleivorkommen in Pilmeroth ist ein Erzgang, der von Südosten nach Nordwesten unterhalb des Orts verläuft (siehe Grafik). Die genaue Lage kenne man nicht, so Mesenich. Sehr wahrscheinlich höre er nicht an den Grenzen von Pilmeroth auf. Möglicherweise gibt es also in benachbarten Gemeinden ebenfalls Bleivorkommen. Um das Wissen aus Pilmeroth auf andere Orte übertragen zu können, werden weitere Proben entnommen. Wie das Landesamt für Geologie gestern auf TV-Anfrage mitteilte, haben Erzgänge oft einen unregelmäßigen Verlauf. Informationen darüber, ob auch andere Orte betroffen sind, könnten nur weitere Untersuchungen bringen. Die sind nach Auskunft der SGD nicht geplant. Wie teuer die Untersuchungen waren, konnte die Behörde gestern nicht sagen.Extra

Seit etwa zwei Wochen laufen die Kanalarbeiten in Pilmeroth. Der Ortsteil wird an das Kanalsystem angeschlossen und erhält eine Kläranlage. Im Frühjahr sollen nach Auskunft von Ortsbürgermeister Burkhard Born die Kanalbauarbeiten abgeschlossen sein, danach werde asphaltiert. Im Sommer soll das Vorhaben abgeschlossen sein. uq