Blick hinter die Gitter

Sich selbst ein Bild von der Realität hinter Gittern machen: Das war das Ziel von David Langner und Clemens Hoch, zwei jungen SPD-Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtags.

 Es war ein aufschlussreicher Lokaltermin für die Mitglieder des Rechtsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag, die sich das Jugendgefängnis einmal von innen ansehen durften. Von links nach rechts: Oberpsychologierat Robert Haase, MdL Dieter Burgard, Schlossermeister Hans-Jürgen Müller, Regierungsdirektor Otto Schmid, David Langner und Clemens Hoch. TV-Foto: Petra Geisbüsch

Es war ein aufschlussreicher Lokaltermin für die Mitglieder des Rechtsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag, die sich das Jugendgefängnis einmal von innen ansehen durften. Von links nach rechts: Oberpsychologierat Robert Haase, MdL Dieter Burgard, Schlossermeister Hans-Jürgen Müller, Regierungsdirektor Otto Schmid, David Langner und Clemens Hoch. TV-Foto: Petra Geisbüsch

Wittlich. (peg) Das Bundesverfassungsgericht hat es festgezurrt: Bis zum 1. Januar 2008 muss ein Gesetz für den Jugendstrafvollzug her, der im Alltag zwar arbeitet, jedoch bis heute im rechtsfreien Raum. Auf Hochtouren arbeiten die Arbeitskreise und Rechtsausschüsse in allen deutschen Landtagen daran. Was die Sache verkompliziert: Gefängnisse sind Ländersache, eine bundeseinheitliche Handhabung ist nicht in Sicht. Anders als beispielsweise die Bayern definieren die Rheinland-Pfälzer ihren Jugendstrafvollzug. Erklärtes Ziel ist und bleibt hier die Resozialisierung. Arbeit- und Sozialtherapien, Mannschaftssport und verlängerte Besuchszeiten helfen dabei.Der SPD-Abgeordnete Dieter Burgard, Mitglied im rheinland-pfälzischen Rechtsausschuss und in der Strafvollzugskommission, organisierte nun einen Besuch seiner jungen Kollegen David Langner und Clemens Hoch im Wittlicher Jugendgefängnis. Für beide war es der erste Blick hinter den Stacheldraht. Entsprechend umfassend waren die Informationen, die Anstaltsleiter Otto Schmid und Stellvertreter Robert Haase auf dem Rundgang durch die Räumlichkeiten gaben. Die Arbeit in den gefängniseigenen Betrieben lief auf Hochtouren: In der Schreinerei entstand gerade ein Bett aus Massivholz. Die Schlosser fertigten Gitter und Geländer an. In beiden Betrieben können die Inhaftierten Ausbildungen abschließen. Voraussetzung ist Interesse, Geschick, die passende Persönlichkeitsstruktur und eine genügend lange Haftzeit. Bedienstete haben Liste an Forderungen

An diesem Punkt setzen die Wünsche der Ausbilder an: Modulartige Lehrgänge sollen in der Zukunft ermöglichen, dass Ausbildungen auch in Teilen absolviert werden können. Denn alles, da waren sich die Experten einig, sei besser, als ganze Monate stupide auf der Zelle zu verbringen. Dann geht es in den Wohntrakt. Da erschließt sich in Wittlich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die eine Hälfte der Jugendlichen lebt in Zellen, die andere in modernen Wohngruppen, in denen der einzelne Häftling bis 21 Uhr selbst entscheidet, ob er in Gesellschaft oder allein bleiben möchte.Dass das Leben in der Wohngruppe nicht nur zusätzliche pädagogische und psychologische Lernfelder erschließt - hier wird eigenverantwortlich geputzt, gewaschen und manchmal gekocht - sondern ein Plus an Lebensqualität bedeutet und damit die Chancen für die Resozialisierung erhöht, erschließt sich sofort.Als man zum abschließenden Gespräch ins Freigängerhaus wechselte, kam es an der Pforte zu einer einprägsamen Begegnung. Ein Insasse kehrte gerade aus der Berufsbildenden Schule zurück "nach Hause". Ja, er habe Vollzugslockerungen und nutze die Zeit der Haft für eine Ausbildung zum Maler. Am Ende durften die Bediensteten Wünsche gegenüber den Mitgliedern des "Arbeitskreises Recht" äußern: Qualifizierungsmaßnahmen für die Lehrer, Module für die Berufsausbildung, Anerkennung der Schulzeit für die Zulassung zum Hauptschulabschluss, rascher Abbau der erdrückenden Überbelegung, die ganze Bandbreite aller Sozialtherapien in Schifferstadt und Wittlich. Die Abgeordneten versprachen, sich zu kümmern.

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