Blick hinter Klostermauern

Wenn das Kloster St. Paul der Steyler Missionare seine Pforten schließt, werden viele Leute, auch ich, traurig sein. Denn Klöster sind für die Kirche unersetzlich. Sie leisten einen immer stärkeren Anteil an aktiver Seelsorge.

In letzter Zeit widmen ihnen Medien und Öffentlichkeit ein wachsendes Interesse im Zuge der verstärkten Tendenz zur Respiritualisierung. Vielleicht haben auch Unterhaltungsserien des Fernsehens mit Pfarrern, Mönchen und Nonnen dazu beigetragen, das Interesse an Klöstern zu wecken. Erfolgreich wurden mit Serien, wie "Der kleine Mönch oder "Um Himmels Willen" auch kirchenferne Zuschauer erreicht. Kann man aber deshalb auf der Unterhaltungsschiene christliche Vorstellungen vermitteln oder gar seelsorgerisch verlorenes Terrain wiedergewinnen? Das muss man verneinen. Diese Art der Fernsehunterhaltung kommt an das Eigentliche der Ordenswelt nicht heran. Die ein Kloster Aufsuchenden sehnen sich nach Spiritualität, nach "Entschleunigung und betrachtendem Innehalten". Hier, im Freiraum des Klosters, finden sie Personen, die keine höhere moralische Qualität für sich in Anspruch nehmen, sondern die exemplarisch das Menschsein einüben. Sie üben einen Dienst der Muße und Kontemplation aus, ohne den in Kirche und Gesellschaft eine durch nichts anderes zu schließende Lücke klaffen würde. Wenn bei Ihnen in der Urlaubszeit Sehnsüchte nach einem "Kloster auf Zeit" oder "Wellness für die Seele", geweckt werden, sind Sie herzlich eingeladen zu einem Blick hinter die Klostermauern. Günter Zisch, Diakon

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