Blick in die heimische Röhre

WITTLICH/BERNKASTEL-KUES/TRABEN-TRARBACH/MORBACH. Wenn schon nicht im Stadion, dann wollen viele Fans die Fußball-WM wenigstens in Live-Atmosphäre erleben. In einigen Orten der Region zerplatzt der Traum von großen WM-Partys mit Großbildleinwand. Die Gründe: die Kosten sind zu hoch, die Regeln der Fifa schrecken ab.

Spiele, Tore, Emotionen. Die Weltmeisterschaft im eigenen Land wollen viele deutsche Fußballfans möglichst hautnah erleben. Wenn bei vielen schon der Traum von einer Eintrittskarte fürs Stadion geplatzt ist, wollen sie wenigstens in Live-Atmosphäre bei einer großen Leinwand mit Gleichgesinnten verfolgen, wie Kahn seinen Kasten sauber hält, ob das Oranje-Team unterliegt und welche Zauberstückchen die Brasilianer drauf haben. Zahlreiche Städte, Gastronome und Veranstalter aus der Moselregion und der Eifel wollen die WM mit Partys und Veranstaltungen zum unvergesslichen Erlebnis machen. Die Planung der Fußballfeten ist jedoch nicht ganz einfach, wie viele inzwischen feststellen mussten: "Wir sind ein bisschen verzweifelt", sagt beispielsweise Michael Denzer, der sich in Bernkastel-Kues um die Planung einer großen Veranstaltung bemüht. "Wir wissen noch nicht, wie wir das machen sollen", sagt er ratlos. Denn alleine die Kosten einer Großbildleinwand sprengen den finanziellen Rahmen vieler Veranstalter: Fünfstellige Beträge seien für eine solche Leinwand zu zahlen, heißt es vielerorts. Hinzu kommen die möglichen Lizenzgebühren für die Übertragungen. Durch die starke Regulierung seitens der Fifa sei es kaum möglich, sich durch Sponsoren aus der Region unterstützen zu lassen, erzählt Denzer: "Im Moment haben wir die Lust verloren." Ob es in Bernkastel-Kues also große Fußballpartys auf einem zentralen Platz geben soll, wissen nur die Fußballgötter. Die Güterhalle sei in dem Zeitraum für Veranstaltungen geblockt, gibt sich Sylvia Westermann vom Mosel-Gäste-Zentrum dennoch optimistisch. "Dort wird sicherlich etwas stattfinden." Eine konkrete Planung gebe es aber bis dato noch nicht. Auch in Wittlich bleibt vielen Fußballfans wahrscheinlich nichts anderes übrig, als während der Weltmeisterschaft in die heimische Röhre zu gucken. "Aus Mangel an finanziellen Mitteln ist von unserer Seite nichts geplant", sagt Karsten Mathar vom Stadtmarketing Verein. Auch Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung Wittlich, winkt ab: "Veranstaltungen im öffentlichen Bereich sind nicht geplant." Etwas mehr Zeit lässt man sich bei der Vorbereitung im Hunsrück: "Bis dato haben wir noch nichts geplant", erklärt Bürgermeister Gregor Eibes aus Morbach. Es sei zu früh für die Planung, sagt er gelassen. Ähnlich sieht es in Traben-Trarbach aus: "Wir sind noch nicht über eine Ideensammlung hinaus", berichtet Bürgermeisterin Heide Pönnighaus auf TV-Anfrage. Fest steht lediglich, dass sich die Stadt an der Aktion "Die Welt zu Gast bei Freunden ... an der Mosel" des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel-Kues beteiligt (der TV berichtete). Zwar steht die Auslosung einer Patennation aus den Reihen der WM-Teilnehmerländer noch aus, aber die Vorbereitungen für Veranstaltungen wie eine Winzer-Weltmeisterschaft und ein Streetsoccer-Turnier laufen laut Klaus Bürkle, Geschäftsführer der Tourist-Info Traben-Trarbach, bereits. Ob es in der Stadt an der Mosel auch auf einem zentralen Platz eine Übertragung auf Großbildleinwand gebe, sei noch unsicher, sagt Bürkle: "Das kann an den Kosten scheitern." So bleibt vielen Fußballfans in der Region im Sommer vermutlich nichts anderes übrig, als die Spiele, die Tore und Siege am eigenen Fernseher zu verfolgen oder private Fußballpartys zu organisieren.

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