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Bodenkundler warnt vor erneuter Dürre

Aschermittwochstagung : Bodenkundler warnt vor erneuter Dürre

Bauern und Winzern diskutieren bei Tagung an Aschermittwoch über Klima, Futtermangel und Verordnungen.

2018 war für die Bauern und Winzer im Landkreis Bernkastel-Wittlich ein schwieriges Jahr: „Nicht nur wegen der Dürre und der Angst vor Futtermangel, sondern auch aufgrund der administrativen Auflagen“, erklärte Manfred Zelder, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbands, zu Beginn der traditionellen Aschermittwochstagung. Der Kreisverband hatte in Kooperation mit weiteren landwirtschaftlichen Verbänden gestern ins Kurhaus nach Manderscheid, wo Stadtbürgermeister Günter Krämer die Landwirte als Kollege begrüßte, eingeladen, um aktuelle Themen und Probleme zu diskutieren. Denn die gehen den Landwirten und Winzer derzeit nicht aus. „Der Bundesverband hält für uns tonnenweise Papier mit Vorschriften bereit. Aber da steht nicht drauf, wie wir deren Umsetzung vergütet bekommen sollen. Das muss sich ändern. Wir werden uns jetzt dafür einsetzen, wie wir die Auflagen und Verwaltungsvorschriften für die Nahrungsmittelproduktion entgeltet bekommen“, sagte Zelder.

Das Land Rheinland-Pfalz lasse die Landwirte weitestgehend im Stich. „Selbst das Landwirtschaftsministerium hält keine schützende Hand über die Landwirtschaft und den Weinbau.“ Auch die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, habe mit ihren erneuten Vorschlägen zur Änderung der Düngeverordnung „keine gute Figur abgegeben“, sagte Zelder. „Diese neue Verordnung wird uns das Rückgrat brechen. Das ist unterste Schublade.“ Zum Thema Düngung hatten die Landwirte mit Sebastian Thielen vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel einen Experten eingeladen.

Dünger Der Experte, der beim DLR Versuche zur Gülleverwertung durchführt, brachte den Landwirten neue technische Verfahren und deren Wirksamkeit näher, mit denen die Gülle und andere organische Dünger  direkt in den Boden eingearbeitet werden können. Thielen stellte dazu verschiedene neue und „teure“ Techniken zur Ausbringung der Gülle  direkt in den Boden vor. Da die Verschärfungen der Düngeverordnung gerade organische Dünger wie Gärrreste und Gülle  treffe, müssten sich die Landwirte mit der Frage, wie man den Dünger auf der Fläche verteile, und der Verteilgenauigkeit beschäftigen. Wie der Experte erklärte, entziehe gerade Mais, der in der Öffentlichkeit in keinem guten Licht stehe, den Böden sehr viel Stickstoff, was für die Düngebilanz von Vorteil sei.

Zelder: „Mais ist deutlich besser als sein Ruf und kann dabei helfen, eine Düngebilanz wieder in Ordnung zu bringen.“ Dennoch, sagte Zelder, hätten die Landwirte Angst vor einer weiteren Verschärfung der Gülleverordnung.

Dürre Gleiches gilt für die Trockenheit, denn 2018 war aufgrund relativ geringer Niederschlagsmengen in Kombination mit mehr Sonnenstunden ein extrem trockenes Jahr. Wie Dürre die Böden und letztlich die Pflanzen beeinträchtigt, erklärte der Bodenkundler Dr. Christian Ahl von der Universität Göttingen den Zuhörern.

Doch in der wohl spannendsten Frage, ob den Landwirten und Winzern 2019 eine Dürre mit Pflanzenschäden und Ernteausfällen erspart bleibt, konnte Ahl dem Publikum in Manderscheid nicht viel Hoffnung machen. Trotz des Niederschlags der vergangenen Monate seien die Böden vielerorts allenfalls maximal wieder bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern durchfeuchtet, sagte Ahl. „Aber nicht bis in die Tiefe von etwa 1,5 Meter, wo sich der Weizen im vergangenen Jahr das Wasser holen musste.“

Wenn es nicht ordentlich regne, sagte Ahl, sehe die Ausgangslage für dieses Jahr sogar noch schlechter aus als für 2018.

Ahl: „Deshalb ärgere ich mich, wenn ich im Wetterbericht lese oder höre, es bleibe trocken und das wäre gut so. Es muss dringend ordentlich regnen.“ Der Boden sei wie ein Schwamm: Wenn er leer gesaugt sei, müsse er dringend wieder aufgefüllt werden.

Der geringe Niederschlag wirke sich zudem auch auf die im Grund- und Trinkwasser gemessene Konzentration von Nitrat und Phosphat aus, sagte Ahl. „Deren Konzentration steigt, wenn die Verdünnung durch Niederschlag nachlässt.“ Auf die Frage aus dem Publikum, was die Landwirte angesichts zunehmender Dürreperioden selbst unternehmen könnten, antwortete Ahl: „Auf Sorten umsteigen, die weniger Wasser brauchen. Die Züchter müssen uns diese vorschlagen.“ Aber solch eine extreme Dürre wie 2018, meint der Experte, lasse sich selbst mit trockenresistenten Sorten kaum ausgleichen. Ahl: „Und was nutzt es mir, wenn ich auf trockenresistente Sorten umsteige, diese aber vom Markt gar nicht nachgefragt werden.“

 Dürre
Dürre Foto: picture alliance/dpa/Sven Hoppe

Ladungssicherung Auf ihrer Tagung wurden die Landwirte zudem von Polizeikommissar Patrick Bier über das Thema Ladungssicherung landwirtschaftlicher Transporte informiert. So kommt die Ernte, die 2019 hoffentlich reichlich ausfällt, auch sicher in den Scheunen und Silos der Landwirte im Kreis an.