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Wald : Borkenkäfer frisst sich durch den Hunsrück

Wald : Borkenkäfer frisst sich durch den Hunsrück

Die hohen Temperaturen im Sommer diesen Jahres sorgen für große Schäden im Wald. Wegen der Trockenheit können die Bäume wenig Harz bilden. Und auch bei den Aufforstungen sieht es nicht gut aus.

Abgefallene Baumrinden, vertrocknete Pflanzen und tote Bäume: All das begegnet derzeit Wanderern im Hunsrück. Der Sommer brachte viel Hitze und wenig Regen. Das führte zu Trockenheit im Wald. Ulrich Christ vom Nationalpark Hunsrück-Hochwald erklärt: „Die Bäume stehen unter Trockenstress. Deswegen können sie kaum Harz bilden und sind schlecht geschützt vor Schädlingen. Das macht sich der Borkenkäfer zunutze.“ Er vermehre sich nur nicht nur schneller, sondern könne nun schwach geschützte Bäume befallen. Dabei seien Fichten besonders stark angegriffen.

Mit dieser Entwicklung müssen die Forstleute zurechtkommen. „In diesem Jahr fing die Brutzeit der Borkenkäfer schon Anfang April an und hörte erst im Oktober auf. So hatten die Borkenkäfer etwa sechs Wochen mehr Zeit, Schaden anzurichten, als in einem normalen Jahr“, berichtet der Experte für Waldschutz. Zwar gilt im Nationalpark die Regel, grundsätzlich nicht in die Natur einzugreifen, angesichts eines solchen Falles sei Handeln jedoch notwendig. So schildert Christ: „In diesem Jahr haben wir 8000 Festmeter befallenes Holz, was etwa 16 Hektar entspricht, aus dem Park geschafft.“ Eine aufwendige Methode, die für die meisten Waldbesitzer nicht möglich ist. Das hat verschiedene Gründe.

 Kleine Ursache, große Wirkung: Wegen der großen Trockenheit können sich die Bäume vor Schädlingen wie dem Borkenkäfer schlecht schützen. 
Kleine Ursache, große Wirkung: Wegen der großen Trockenheit können sich die Bäume vor Schädlingen wie dem Borkenkäfer schlecht schützen.  Foto: dpa/Roland Weihrauch

Im Bereich des Forstamtes Idarwald kann die Plage nur bedingt bekämpft werden. „Pestizide dürfen wir nicht benutzen. Die wären aber wenigstens wirksam“, meint Gerd Womelsdorf, Leiter des Forstamts Idarwald mit Sitz in Rhaunen, das vom Erbeskopf bis zur Stadtgrenze von Kirn reicht. „Idealerweise müsste man das befallene Holz im Abstand von 1000 Metern zur nächsten Fichte lagern. Das ist schwer im Hunsrück. Außerdem gibt es nicht genug Transportmöglichkeiten.“ Es sei schwer zu sagen, wie hoch die Schäden wirklich sind. Klar ist jedoch: Würden ähnlich trockene Jahre wie 2018 folgen, wären die Folgen für den Wald verheerend. Womelsdorf spricht für den Fall von „einer Katastrophe biblischen Ausmaßes. Von der Fichte würde nicht mehr viel übrig bleiben.“ So bleibt nur, auf die selbstständige Regeneration des Waldes zu hoffen. Denn sogar die Aufforstungen scheiterten in diesem Jahr größtenteils. Das Forstamt Idarwald geht davon aus, dass etwa 80 Prozent der Neuanpflanzungen vertrocknet seien. Nicht zuletzt für die Gemeinden stellen die Schäden ein Problem dar. Sie hoffen auf Notfallausgleichsmaßnahmen. Tatsächlich bewilligte das Bundeswaldministerium Entschädigungsgeld in Höhe von 25 Millionen Euro. Allerdings für die gesamte Bundesrepublik und auf fünf Jahre verteilt. Andreas Hackethal, Bürgermeister von Morbach, meint: „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung, und wir hoffen auf weitere Schritte.“ Morbach ist mit einem Waldbesitz von 3000 Hektar einer der größten Gemeindewaldbesitzer von Rheinland-Pfalz. Aus diesem Grund werden jährliche Holzeinnahmen im sechsstelligen Bereich erwartet. Hackethal geht davon aus, dass „die Einnahmen beim Fichtenholz rund 30 Prozent niedriger ausfallen, weil der Holzpreis wegen des vielen Schadholzes auf dem Markt stark gefallen ist“.