Wirtschaft : Wolfgang Bosbach macht Mut

„Deutschland 2018 – politische und wirtschaftliche Perspektiven“: Unter diesem Titel hält der CDU-Politiker eine flammende Rede in Kröv. Der Wirtschaftskreis Bernkastel-Wittlich hatte dazu eingeladen.

Wolfgang Bosbach ist als Freund der klaren Kante bekannt. Der CDU-Politiker aus dem Bergischen Land, der im vergangenen Jahr  sein Bundestagsmandat abgelegt hatte, gilt als Querdenker und hält sich auch mit parteiinterner Kritik nicht zurück. Für Frank Weigelt, den ersten Vorsitzenden des Wirtschaftskreises Bernkastel-Wittlich, war er ein Wunschreferent für einen Vortragsabend in Kröv. Rund 250 Interessierte finden den Weg in die Weinbrunnenhalle, um Bosbachs Ausführungen zum Thema „Deutschland 2018 –  politische und wirtschaftliche Perspektiven“ zu folgen. Darunter sind auch Landrat Gregor Eibes, die Bügermeister Joachim Rodenkirch und Dennis Junk, Peter Rauen, langjähriger Politiker in der Region, und der Bundestagsabgeordnete der CDU, Patrick Schnieder, die Weigelt begrüßen kann.

Was die Wirtschaft derzeit bewegt, fragt Weigelt und weist darauf hin, dass in Deutschland seit neun Jahren Konjunktur ist und es nahezu Vollbeschäftigung in der Region gibt. Dennoch gebe es Herausforderungen, darunter der Fachkräftemangel, die Nachfolgefrage in vielen Unternehmen, die Globalisierung und die Arbeitsverdichtung. Unternehmen müssten sich in immer kürzeren Zyklen neu ausrichten. „Dabei dürfen aber die Menschen nicht auf der Strecke bleiben“, mahnt Weigelt.

Wolfgang Bosbach betritt unter Applaus die Bühne. „Sie wissen ohnehin: Ich komme von den Guten“, sagt der 65-Jährige mit einem Augenzwinkern und zieht das Publikum schnell mit seinem temperamentvollen Vortrag in den Bann. Bosbach beschwört die positiven Seiten der Bundesrepublik herauf, um Mut zu machen und Krisen zu bewältigen.

„Wir hatten 62 Jahre Wirtschaftswachstum. Nur in sechs Jahren hat die Wirtschaftskraft in Deutschland nachgelassen“, sagt er.  Diese positive Entwicklung sei nur aufgrund einer Grundsatzentscheidung in den späten 1940er Jahren gefallen, als Ludwig Erhard sich für die Einführung einer sozialen Marktwirtschaft statt einer Planwirtschaft aussprach: „Es war eine Grundsatzentscheidung, den Menschen etwas zuzutrauen. So konnte Deutschland nach der Nazi-Katastrophe wieder aufstehen!“ Deutschland stehe noch immer gut da. In 35 Jahren habe es nur drei Regierungschefs – Kohl, Schröder und Merkel gegeben. „Denken Sie da mal an Italien, wie oft die Regierungschefs da wechseln“, erinnert Bosbach und sorgt damit für Lacher im Publikum.

Deutschland habe immer Maß und Mitte gehalten. Das habe dem Land Stabilität gegeben.  Allerdings sei auch der Graben zwischen Wählern und Gewählten in den vergangenen Jahren größer geworden: „Die Frage der Zeit ist: ob wir die Stabilität unseres Landes erhalten. Wir haben nur 1,2 Prozent der Weltbevölkerung. Aber was glauben Sie, wie viele Menschen in der Welt darauf achten, was in Deutschland passiert.“

Deutschland sollte sich auf seine Stärken besinnen – und dazu gehöre auch ein gewisses Maß an Patriotismus. Das habe die WM 2006 gezeigt. Die ganze Welt hätte damit gerechnet, dass Deutschland in der Lage sei, eine WM zu organisieren, aber dass die Deutschen auch bei schönem Wetter lustig sein könnten und feiern, damit habe keiner gerechnet.

„Das Land war in schwarz-rot-gold getaucht“; sagt Bosbach. Patriotismus sei nicht mit Nationalismus gleichzusetzen, findet der Politiker: „Vaterlandsliebe ist eine gute Sache!“.  Kurioserweise habe der Begriff Lokalpatriotismus  einen positiven Beiklang, Patriotismus jedoch nicht. Man dürfe durchaus ab und zu stolz auf das eigene Land sein. Die Wiedervereinigung sei eine enorme  und einzigartige Leistung gewesen.

Vielfach würde immer wieder nach den „blühenden Landschaften“ gefragt. Aber die gebe es wirklch.

„Denken Sie an die Ostseebäder, an Wernigerode, so schön wie Rotenburg ob der Tauber oder an das wieder aufgebaute Dresden!“.  Bosbach erinnert an diese Leistungen, auf denen man sich nicht ausruhen sollte, um die Menschen zu motivieren, weiter zu machen, den Blick nach vorne zu richten. Denn es gibt viel zu tun: Die Bedrohungslage sei heute eine andere als zu Zeiten des Kalten Kriegs. Die Separationsbewegungen in Spanien und Italien machten Sorge.  Zum ersten Mal in ihrer Geschichte  sei die EU, zu der er sich ausdrücklich bekennt, durch den Brexit kleiner statt größer geworden.

Der Wesenskern Europas sei nicht der Euro sondern das Zusammenleben in Frieden, Freiheit und Eintracht.

Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt warnt Bosbach vor einer Verharmlosung der Besetzung der Krim durch russische Truppen: „Wenn dieser Versuch Erfolg hat, dann wird es nicht dabei bleiben. Denken Sie an die baltischen Staaten, die sich durch Russland bedroht fühlen.“

Die Welt sei in Bewegung und um global am Ball zu bleiben müsse Deutschland schneller werden. Bosbach: „Der Schnelle schlägt den Langsamen und nicht der Große den Kleinen“.

Die zunehmenden Rufe nach mehr Sozialstaat und mehr Leistungen sieht Bosbach kritisch. Man müsse den Zusammenhang zwischen sozialen Leistungen und der Wirtschaftskraft sehen: „Das muss auch alles finanziert werden.“ Und dazu brauche es Wirtschaftskraft.