Brache in Wittlich: Riesengelände im Dornröschenschlaf

Brache in Wittlich: Riesengelände im Dornröschenschlaf

Wie geht es weiter mit dem ehemaligen Hela-Gelände am Rande der Altstadt von Wittlich? Nachdem dort keine Flüchtlinge mehr betreut werden, liegt das 35?000 Quadratmeter große Gelände brach. Mieter ist derzeit noch das Land.

Der mehr als mannshohe Zaun, der das riesige Gelände an der Schlossstraße umgibt, ist mit weißen Zellstoffbahnen bespannt. So bleibt den Passanten der Blick auf die trostlose Betonfläche erspart, auf der einst die Hela-Kunden parkten und seit dem Herbst Asylsuchende sich die Beine vertreten haben. Am 3. Juni hat der letzte Flüchtling die Notunterkunft verlassen. Der von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) beauftragte Schutzdienst bewacht seitdem ein leeres Gelände.

Für DRK-Kreisgeschäftsführer Heinz-Werner Steffen ist das Thema Afa (Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende) seit dieser Woche Geschichte. "Wir haben in dieser Woche noch einige Büromöbel herausgeräumt, damit ist das Kapitel für uns abgeschlossen", sagt er im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Bis zu 35 Menschen hat das Rote Kreuz in den vergangenen Monaten beschäftigt, die sich um den Betrieb in der Afa kümmerten. Zum 30. September enden fast alle diese Arbeitsverhältnisse. "Wir konnten leider nur vier Mitarbeiter bei uns und unseren Tochtergesellschaften unterbringen", bedauert Steffen. Vor allem die bis vor kurzem dank ihrer Dolmetscherfähigkeiten wertvollen Beschäftigten mit Migrationshintergrund hätten es nun schwer, eine bezahlte Arbeit zu finden. "Die haben sie uns sehr geholfen, denn oft war auch mit Englisch keine Verständigung möglich."

Weil dafür nun kein Geld mehr da ist, werden sie in Zukunft dem DRK nur ehrenamtlich ihre Hilfe anbieten können, dann aber gerne gesehen sein. Denn in Stadt und dem Kreis leben weiterhin Flüchtlinge, die alleine nur schwer zurecht kommen. "Wir bauen deshalb für Migranten einen Begleitservice auf", verspricht der DRK-Geschäftsführer. Da geht es zum Beispiel darum, bei Dokumenten und Formularen zu helfen, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Zwei Vollzeitstellen seien dank der Aktion Mensch und Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft dafür geschaffen worden.

Aber was passiert mit dem ehemaligen Hela-Gelände? Das Land hatte mit dem Eigentümer, der Immobilienfirma Völkel Company(Hamburg/Saarlouis), einen längerfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Ob dieser über das Jahresende hinausreicht, kann nur spekuliert werden, denn beide Beteiligten geben dazu keine Auskunft. ADD-Sprecherin Evelyn Dziendziol teilt auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung lediglich mit, man befinde sich derzeit in intensiven Verhandlungen um eine "einvernehmliche Lösung". Noch kürzer ist die Auskunft von Völkel: "Kein Kommentar.
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So bleibt es auch bei der Spekulation, was mit dem 35?000 Quadratmeter großen Gelände passiert, wenn der Mietvertrag mit dem Land abgelaufen ist. Im Juni 2015 hatte der Stadtrat Wittlich einstimmig das Ansinnen der Völkel Company abgelehnt, dort einen 4000 Quadratmeter großen Supermarkt und weitere Geschäfte mit Flächen zwischen 400 und 1500 Quadratmetern anzusiedeln. Ein weiterer Lebensmittelmarkt in dieser Größe würde die Innenstadt zu sehr schwächen, ist bis heute die einhellige Meinung. Über neue Ideen des Geländeeigentümers sie derzeit nichts bekannt, heißt es von der Stadtverwaltung. "Wir sehen derzeit auch keinen Anlass dort aktiv zu werden", sagt Verwaltungssprecher Jan Mußweiler.

So bleibt offen, wie lange der weiß verkleidete Bauzaun die trostlose Betonwüste noch vor den Blicken der Menschen schützt. Eine Dauerbrache wird das Gelände aber nicht bleiben.

Der neue Begleitservice für Flüchtlinge beim DRK-Kreisverband Bernkastel-Wittlich ist zu erreichen unter Telefon 06571/69770.

Meinung

Für eine Brache zu wertvoll

Von Rainer Neubert

Viel schneller als noch zu Beginn des Sommers gedacht, wird das ehemalige Hela-Gelände den Wittlicher Stadtrat beschäftigen. Wie schnell, das hängt letztlich davon ab, wie die Verhandlungen zwischen Land und Eigentümer enden. Beide haben gegensätzliche Interessen: Das Land braucht das Gelände nicht mehr und will deshalb möglichst rasch raus aus dem Mietvertrag. Die Völkel Company ist daran interessiert, so lange wie möglich einen das Land als Mieter zu behalten und die entsprechende Pacht zu bekommen. Dann lässt sich besser in aller Ruhe über die zukünftige Verwendung nachdenken.

Ein Mega-Grundstück am Rande der Innenstadt sollte sich doch vermarkten lassen, auch ohne Geschäfte, die der gebeutelten Altstadt noch mehr Kunden abjagt. Es ist zwar noch kein Wohngebiet. Aber warum sollten sich Verwaltung und Rat nicht auf das Gedankenspiel einlassen, der vorhersehbaren Wohnungsknappheit ein Schnippchen zu schlagen? Noch ist das schwer vorstellbar. Aber Bebauungspläne lassen sich ändern. Verkehr auf den Straßen in der Nachbarschaft sind jedenfalls kein Grund, auf hochwertige Wohnbebauung zu verzichten.