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Brauneberg - Jungenwaldmühle: Regionale Küche und hauseigener Gin

Gastronomie in Brauneberg : Regionale Küche und ein hauseigener Gin

Britta und Peter Böhm haben sich einen Traum erfüllt. Sie betreiben in einem besonderen Anwesen an der Mosel ein Restaurant-Café, züchten Islandpferde und stellen eigenen Gin her. Doch die Jungenwaldmühle hat nur an vier Tagen in der Woche geöffnet.

Immenhof: Klingelt da was? Bei vielen Älteren, so ab 55, 60 Jahren, bestimmt. Bei Jüngeren aber auch. Denn die in den 1950er und 1970er Jahren gedrehte fünfteilige Fernsehserie über den Ponyhof an einem See in Schleswig-Holstein und seine Menschen wird regelmäßig wiederholt und fällt unter die Kategorie „Kultfilm“. Heimatstreifen in bestem Sinn also. Britta Böhm hat sich davon inspirieren lassen – besonders vom Tölt. Das ist die Spezialgangart der dort lebenden Islandpferde.

Britta Böhm, selbst im pferdereichen Norden Deutschlands aufgewachsen, züchtet und verkauft diese Tiere seit mehr als 20 Jahren an der Mosel. Auf mehreren großen Weideflächen – teils im Eigentum, teils gepachtet ­- stehen etwa 25 eigene Pferde und genau so viele Gastpferde. „Mein Traum war es, sie einmal von meinem Wohnzimmer aus sehen zu können“, erzählt sie.

Der Traum von der eigenen Mühle ist in Brauneberg wahr geworden

Den Traum lebt sie seit einigen Monaten mit ihrer Familie in der Jungenwaldmühle zwischen Brauneberg und Burgen. Sie liegt idyllisch mitten in den beweideten Wiesen. „Wir haben immer gesagt: Wenn die mal zu haben ist, kaufen wir sie“, sagen Britta Böhm und ihr Mann Peter. 2017 setzten sie bei der Versteigerung des leer stehenden Anwesens die Ankündigung in die Tat um. Für eine vergleichsweise kleine Summe, 63 000 Euro, bekamen sie den Zuschlag. Ein Vielfaches dieses Geldes haben sie seither in die Renovierung der ehemaligen Sägemühle gesteckt – obwohl sie viel selbst gemacht haben. Das Anwesen, das vorher keinen Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss hatte, wurde auf Vordermann gebracht. Die original Bruchsteinmauer im Hauptgastraum ist allein schon ein Hingucker.

Bei all dem Tun spielten die Berufe der Bauherren eine Rolle. Peter Böhm, gebürtiger Bernkastel-Kueser, ist Konditormeister, seine Gattin Hotelfachfrau. Vielen in der Region sind die beiden Mittfünfziger als langjährige Pächter des „Café Koblenz“ in Bernkastel-Kues bekannt. Dieser Lebensabschnitt endet in wenigen Wochen.

Familienbetrieb mit Café und Restaurant: die Jungenwaldmühle

„Erst planten wir, in der Mühle ein Café zu eröffnen“, erzählen sie. Doch dann kam Sohn Christian dazu. Der Koch, der im „Rittersturz“ in Veldenz seine Lehre absolviert hat und anschließend Erfahrungen in renommierten Hotels in der Schweiz sammelte, bekundete Interesse, einzusteigen und dem Café ein Restaurant zur Seite zu stellen. „Wir profitieren voneinander“, sagt der Vater.

Interessant beim familiären Werdegang: Sowohl Peter, der im Café Hansen in Bernkastel-Kues gelernt hat, und Britta als auch Christian und seine Partnerin Teresa Schoßleitner, eine Österreicherin, haben sich im schweizerischen Nobelort Davos kennengelernt. Teresa ist Restaurantfachfrau und komplettiert damit auf ideale Weise das Böhm`sche Team.

Seit August bietet es an vier Tagen pro Woche (samstags bis dienstags) Köstlichkeiten aus Küche und Backstube an – und zwar in sehr geschmackvollem Ambiente. 60 Plätze – auch in einem neu gebauten Wintergarten – stehen zur Verfügung. Bei schönem Wetter können es sich die Gäste auch auf Stühlen und an Tischen im Außenbereich gut gehen lassen und zum Beispiel das sich drehende Mühlrad in Augenschein nehmen oder die Pferde beobachten.

Viel Werbung haben die Böhms noch nicht gemacht. Doch der Laden brummt bereits. „Sonntags mussten wir auch schon mal Leute wegschicken, weil wir keinen Platz mehr hatten“, berichtet Christian Böhm. Für den ersten Weihnachtstag gibt es auch schon keine Kapazitäten mehr.

Offenbar hat sich schnell herumgesprochen, was in der ehemaligen Mühle entstanden ist. Das schöne Ausflugswetter bis den Spätherbst hinein tat ein Übriges. „Auch während der Bauphase haben sich ständig Leute aus der Umgebung vor Ort nach dem Baufortschritt erkundigt“, berichtet Peter Böhm.

Unterstützung von Touristinfo und Gemeinde Brauneberg

Nach Angaben von Petra Clüsserath, Leiterin der Brauneberger Touristinformation, schicken viele Zimmer- und Ferienwohnungsvermieter – auch aus Nachbarorten ­– bereits ihre Gäste zu den Böhms. „Viele Urlauber fragen nach Einkehrmöglichkeiten an Wanderwegen“, sagt Clüsserath. Deshalb habe man die Streckenführung des in Brauneberg beginnenden Klostergarten-Rundweges etwas geändert. Er führt nun an der Jungenwaldmühle vorbei. „Sie ist eine Topbereicherung im touristischen Angebot“, sagt der Brauneberger Ortsbürgermeister Werner Ruppenthal.

Warum nur an vier Tagen in der Woche? „Weil auch das schon mehr als 40 Stunden sind“, sagt Christian Böhm. Er brauche auch immer einen Tag für die vorbereitenden Arbeiten in der Küche, berichtet der 25-Jährige. Es sei nicht auszuschließen, dass das Angebot erweitert werde, sagt Vater Peter. Angesichts der personellen Situation in der Gastronomie seien die derzeitigen Öffnungszeiten aber sinnvoll.

Regionale Küche in der Jungenwaldmühle

Die Böhms hatten und haben viele Ideen. So haben die Freunde eines guten Gins in einer lauen Sommernacht nach der Heuernte die Idee geboren, einen eigenen Gin zu kreieren. Das Ergebnis ist ein auch nach Heu duftendes Getränk mit dem Namen Black Beauty, das es in der Mühle und ausgesuchten Märkten gibt.

Regionalität ist Trumpf. „Steaks aus Südamerika gibt es bei uns nicht“, sagt Peter Böhm. Das Rindfleisch kommt vom noch selbst schlachtenden Metzger Sopp aus Mülheim. Den Wein liefern Winzer aus Brauneberg und Burgen.

Die Arbeiten um das Haus, in dem das Quartett auf verschiedenen Etagen auch wohnt, sind noch unvollendet. Ein Spielplatz und ein Biergarten sind noch in Planung. Man werde dabei helfen, weitere Parkplätze auf gemeindeeigenem Gelände anzulegen, verspricht Ortsbürgermeister Ruppenthal.

Normalerweise ist es ruhig im Tal zwischen Brauneberg und Burgen. Nun klappert dort wieder eine Mühle am rauschenden Frohnbach. Wer dort einen Halt einlegen will, kann das 2022 noch bis einschließlich 27. Dezember tun. Samstags und Sonntags von 11.30 bis 21.30 Uhr, montags und dienstags ab 17 Uhr (in der Saison auch ab 11.30 Uhr) Danach ist bis 20. Januar Winterpause.