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Brauneberger können erst einmal durchatmen

Brauneberger können erst einmal durchatmen

Die Brauneberger dürfen verschnaufen. Bis auf Restbeträge von Straßenbauprojekten sowie einen Zuschuss zum Umbau der Mülheimer Kindertagesstätte finden sich im Haushalt keine Investitionsposten.

Brauneberg. (urs) Die Gemeinde Brauneberg schnallt den Gürtel 2009 sehr eng. Einziges Vorhaben ist wie schon 2008 die mit 100 000 Euro veranschlagte Sanierung des Bürgerhauses im Ortsteil Hirzlei. Selbst die Anschaffung eines für Hangsicherungsarbeiten benötigten Erdbohrgerätes stellt Ortsbürgermeister Klaus Denzer vorerst zurück. Da könne die Gemeinde sich auch noch anderweitig behelfen, meint er zur Streichung des 2000-Euro-Postens. Wichtiger sei, dass die Brauneberger nach den immensen Investitionen in Straßenbau und Kanalisation auch mal wieder durchatmen könnten: "Unsere Bürger haben die letzten Jahre genug bluten müssen." Im aktuellen Haushalt sind daher nur noch einige wenige Rest-Ausbauposten zu finden. Abgesehen davon fließen lediglich 31 000 Euro Zuschuss in den Umbau der Kindertagesstätte Mülheim - eine Pflichtausgabe.

Trotz der Sparlinie schafft die Gemeinde den Ausgleich nicht. Bei den laufenden Verpflichtungen von immerhin 1 118 500 Euro fehlen unterm Strich 47 600 Euro. Bei den Investitionen - insgesamt 192 900 Euro - ergibt sich ein Minus von 25 600 Euro. Um einiges höher liegen die durch den General-Straßenausbau angesammelten Schulden der Gemeinde. Die aktuell rund 1,13 Millionen Euro werden sich bis Ende des Jahres voraussichtlich auf 1,12 Millionen Euro belaufen. Gleichzeitig ist derzeit nicht zu sagen, wie sich die Einnahmen entwickeln werden. Ob die vorschriftsmäßig angesetzten 286 000 Euro Einkommenssteuer zu erreichen sein werden, bleibt laut Kämmerer Günter Wagner angesichts der Finanzkrise abzuwarten. Entsprechendes gelte für die angesetzten 70 000 Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Erfreulich für den Ort ist hingegen, dass die Zahl der Einwohner entgegen dem landläufigen Trend gestiegen ist. Mit einem Plus von 22 bringt es Brauneberg neben Mülheim auf den größten Zuwachs in der Verbandsgemeinde. Als Folge der jahrelangen Bauarbeiten müssen die Brauneberger derzeit allerdings mit einer hohen Pro-Kopf-Verschuldung von 918 Euro leben.

Einiges zu schultern haben aber auch die Mitarbeiter der Verbandsgemeinde, hinter denen laut Bürgermeister Ulf Hangert "ein unglaubliches Arbeitspensum" liegt. Grund dafür ist die Umstellung des Buchhaltungssystems von der Kameralistik auf die Doppik (Doppelte kaufmännische Buchführung in Konten). Mit dem aufwendigen Verfahren ist Hangert nicht glücklich, und er kritisiert zudem, dass viele Dinge noch ungeklärt seien. So sei momentan noch ungewiss, wann denn nun ein Haushalt ausgeglichen sei oder was mit einer Kommune geschehe, deren Eigenkapital aufgezehrt sei.

Extra Zitate zur Einführung der Doppik: Verbandsbürgermeister Ulf Hangert: "Das ist doch Augenwischerei - wir können doch nicht sagen, die Schule ist uns zu teuer, die brauchen wir nicht, oder die Gebühren für das Ausstellen von Pässen sind nicht kostendeckend, also machen wir das nicht mehr." Kämmerer Günter Wagner: "Wir fabrizieren hier Luftbuchungen noch und nöcher, die uns absolut nichts bringen." "Abschreibung brauche ich nur aus steuerlichen Gründen und nicht, um einen Ressourcenverbrauch zu dokumentieren." "Wir stellen noch ein paar Leute ein, und dann beschäftigen wir uns mit diesen Zahlenspielereien blendend - da brauchen wir demnächst gar keine Bürger mehr." (urs)