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Brausender Beifall für Johannespassion

Traben-Trarbach. Gesangssolisten, Chor und Instrumentalisten haben unter Leitung von Dirigent Tilman Bruus die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach in der evangelischen Peterskirche in Traben aufgeführt. Das Publikum in der voll besetzten Kirche quittierte die Darbietung mit viel Applaus.

Traben-Trarbach. Kein Platz ist mehr frei in der Trabener Peterskirche. In der Apsis drängen sich Sänger und Instrumentalisten, als Tilman Bruus den Taktstock hebt zur Aufführung von Johann Sebastian Bachs "Johannespassion".
Zuvor schon hatte sich der Wittlicher Kirchenmusiker an Bachs Weihnachtsoratorium und an das Mozart-Requiem gewagt - mit Erfolg. Jetzt also die Johannespassion aus dem Jahr 1724.
Im Programmheft verweist der Dirigent darauf, dass sich die dramaturgisch-musikalische Konzeption in besonderer Weise von Vertonungen der anderen Evangelien unterscheide: "Jesus erscheint nicht als ausgeliefertes Opfer, sondern als derjenige, der auch im Leiden die Richtung der Ereignisse bestimmt".
Der aus Luxemburg stammende Tenor Marc Dostert bewältigt den umfangreichen Part des Evangelisten im ständigen Wechsel mit Chor und Solisten sicher und mit klarer Stimme.
Bravourös trotz Erkältung


Die Sopranistin Sabine Zimmermann, von einer Erkältung beeinträchtigt, steht ihre beiden Arien mit Bravour durch. Claudia Glesius, deren Part zur Bach-Zeit von einem "Alto", einem Mann, übernommen wurde, gestaltet die trostspendende Arie "Es ist vollbracht" mit warmer, kultivierter Stimme, für Bach-Puristen vielleicht mit zu viel barockfernem Vibrato. Der Bass Jean Marie Kieffer gestaltet die Rolle des Jesus unpathetisch mit der Ruhe eines erfahrenen Sängers.
Der junge Bassist Sebastian Langner in der Rolle des Pilatus legt seine ganze Leidenschaft in die Antwort an die Hohenpriester, die die Schrift am Kreuz - "Jesus der König der Juden" - geändert haben wollen: "Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben!"
Und dann: der eigentliche Star des Abends: der Chor. Er kann alles, was man braucht, um Bach zu singen. Das gesungene Wort ist gestaltet, die Phrasierung ist durchdacht, das hohe Tempo der zahlreichen Turbae - so heißen die dramatischen Einwürfe der wütenden Menge - wird gemeistert. Diese Laien, ob in der Continuo-Gruppe von Cello, Bass und Orgel oder bei der Bläsergruppe des Schöneck-Ensembles, diese Laien der Gesangs- und der Instrumentalmusik sind wahrlich gut trainiert
Am Schluss braust nach langer Stille der Beifall auf. red