Brenzliges "Kinderspiel"

GONZERATH. Unbekannte Täter hielten die Gonzerather über Wochen in Atem. Auf einem etwas abgelegenen Anwesen im Ortsbezirk der Einheitsgemeinde wurde eingebrochen, einiges zerstört und gekokelt. Der Fall ist inzwischen aufgeklärt. Die "Täter" sind Kinder unter 14 Jahren und können juristisch nicht belangt werden. Der betroffene Besitzer ist schockiert und erleichtert zugleich.

In den vergangenen Wochen ging die Angst in Gonzerath um: Erst suchten unbekannte Einbrecher das Gonzerather Wildgehege Schackberghof heim. Holztore und Fensterläden wurden zerstört. Der Besitzer beklagte ein rätselhaftes Tiersterben. Und zu guter Letzt fanden sich verkokelte Holzstückchen in der Nähe eines Schuppens. Und das im Juli bei hochsommerlichen Temperaturen. "Nicht auszudenken, was da hätte passieren können. Der ganze Schackberg hätte in Flammen stehen können", malt sich Ortsvorsteher Dietmar Thömmes im Gespräch mit dem TV das Schlimmste aus. Zumal die Versorgung der Feuerwehr mit Wasser an der Stelle nicht unproblematisch sei. Glücklicherweise gingen die Vorfälle relativ glimpflich aus. Doch nicht nur bei Hofbesitzer Dirk Wagener, der das betroffene Anwesen mit Obstplantagen vor vier Jahren erworben hatte und nur zwei- bis dreimal die Woche im Hunsrück ist, blieb ein mulmiges Gefühl. Auch die Bevölkerung war nach Angaben des Ortsvorstehers in Sorge. Entscheidender Hinweis aus der Bevölkerung

Die Polizei nahm die Sache nicht auf die leichte Schulter und ermittelte intensiv - zunächst ohne greifbares Ergebnis. Dann baten der Ermittler und der geschädigte Besitzer die Bevölkerung um Mithilfe, unter anderem die Leser des TV. Die Veröffentlichung half. Laut Wagener hörten die Vorkommnisse auf. Aus der Bevölkerung kamen zudem entscheidende Hinweise auf eine Jugendgruppe. Die Überraschung war auch bei den Beamten groß: Kinder - das Gros unter 14 - seien die Verursacher, teilt Friedhelm Schabbach, der Bezirksbeamte für die Einheitsgemeinde Morbach, auf Anfrage mit. Sie seien sich der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewusst gewesen. Er habe mit ihnen und ihren Eltern "intensive und fruchtbare Gespräche" geführt. Inzwischen seien sie einsichtig. Das gelte für Vandalismusschäden und den "unsachgemäßen Umgang mit dem Feuer" (Schabbach). Allerdings: Es gibt aus polizeilicher Sicht keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gruppe etwas mit dem rätselhaften Tiersterben zu tun habe, von dem der Besitzer berichtet hatte. Ob die Vorfälle für die Kinder ein Nachspiel haben, ist noch unklar. Wegen ihres Alters sind sie strafunmündig und haben keine juristischen Konsequenzen zu fürchten. Allerdings wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie kann in Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Jugendamt erzieherische Maßnahmen veranlassen. Dirk Wagener, der selbst drei Kinder hat, ist über das Ermittlungsergebnis "erleichtert und schockiert" zugleich. Erleichtert, weil die Sache aufgeklärt sei. Und schockiert über das junge Alter der Täter. Vor allem bedauert er allerdings eines: "Dass niemand auf mich zugekommen ist und sich bei mir entschuldigt hat." Das, so findet er, wäre eine nette Geste gewesen.

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