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Briefkastenstreit geht in die nächste Runde

Briefkastenstreit geht in die nächste Runde

Runde zwei im Streit um einen gelben Kasten: Der Thalfanger Kai Lukas wird heute von der Kriminalpolizei Idar-Oberstein vernommen, weil auf seinem Grundstück angeblich ein gestohlener Briefkasten steht.

 Angebliche Hehlerware: der Briefkasten auf einem Thalfanger Privatgrundstück. TV-Foto: Klaus Kimmling
Angebliche Hehlerware: der Briefkasten auf einem Thalfanger Privatgrundstück. TV-Foto: Klaus Kimmling

Thalfang. Der Ärger um einen original Postbriefkasten, der auf dem Grundstück von Kai Lukas in Thalfang steht, hört nicht auf. Die Kriminalpolizei Idar-Oberstein hat Ermittlungen gegen den Thalfanger aufgenommen. Für heute ist er zur Vernehmung vorgeladen - der Vorwurf gegen ihn lautet: Verdacht der Hehlerei. Denn bei dem Briefkasten auf Lukas' Grundstück - so stellt es die Deutsche Post AG dar - soll es sich um Diebesgut handeln.

Der Streit zwischen dem Unternehmen und Lukas läuft bereits seit einigen Wochen. Der Thalfanger hatte die Briefbox im September 2010 für 35 Euro beim Online-Auktionshaus eBay ersteigert. Er nutzt ihn seitdem fürs Geocaching - eine Art moderne Schatzsuche mit GPS-Geräten. Deren Anhänger verstecken Gegenstände in Caches (englisch für Versteck), hinterlassen die Koordinaten auf einer Internetseite und lassen andere danach suchen. Ein Briefträger hatte die Post auf die in seinen Augen missbräuchliche Verwendung des Briefkastens aufmerksam gemacht. Das Unternehmen forderte daraufhin die Rückgabe der Box, drohte mit einer Anzeige wegen Hehlerei. Die Begründung: Weder Post noch Hersteller würden die Briefkästen verkaufen, der Behälter müsse gestohlen sein.

Mit der heutigen Vernehmung durch die Kriminalpolizei geht der Briefkastenstreit in die nächste Runde - allerdings nicht auf Betreiben der Post. "Es liegt keine Strafanzeige vor. Wir ermitteln von Amts wegen", erklärt Jürgen Brauer, leitender Oberstaatsanwalt in Trier auf TV-Nachfrage. Das ist nicht ungewöhnlich beim Verdacht der Hehlerei. Denn dabei handelt es sich um ein sogenanntes Offizialdelikt, bei dem die Staatsanwaltschaft auch ohne Anzeige durch den Geschädigten verpflichtet ist, zu ermitteln. Im Fall von Kai Lukas müsse nun geklärt werden, ob der Post-Briefkasten tatsächlich gestohlen sei und ob Lukas bewusst gestohlene Ware gekauft habe, sagt Brauer.

Dies nachzuweisen könnte allerdings schwierig werden: Denn laut Lukas hat der eBayverkäufer den gelben Behälter bereits vor 15 Jahren bei einem Flohmarkt-Verkäufer erworben, der mehrere Briefkästen mit Postemblem angeboten hat. "Ich gehe weiter davon aus, dass der Kasten aus keiner Straftat stammt, sondern als Schrott verkauft wurde", sagt Lukas. Der Vernehmung sieht er gelassen entgegen: "Ich habe keine Angst, weil ich mir keiner Schuld bewusst bin." Selbst wenn der Kasten doch gestohlen sein sollte, habe er dies nie vermutet. Der Tatbestand der Hehlerei sei aus seiner Sicht nicht erfüllt. Ob dies der Wahrheit entspreche, müssten jetzt die Ermittlungen klären, sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer. Die Ergebnisse seien in jedem Fall abzuwarten - auch wenn es "naheliegend ist, dass das Verfahren eingestellt wird".

Kai Lukas hat den Briefkasten derweil wieder gelb angestrichen. Er hatte ihn kurzzeitig schwarz lackiert, um der Post entgegenzukommen. Diese hatte befürchtet, Bürger könnten die Box mit echten Briefkästen verwechseln. Weil jetzt gegen ihn ermittelt werde, findet Lukas, müsse er keine Rücksicht mehr nehmen: "Der Kasten bleibt jetzt gelb." Extra Laut Jürgen Brauer, leitender Oberstaatsanwalt in Trier, ist bei Käufen auf Onlineplattformen generell Vorsicht geboten. Es komme immer wieder vor, dass gestohlene Ware angeboten wird. Ein Indiz könne sein, dass es sich um ein Markenprodukt handele, das im freien Handel nicht zu kaufen ist. Verdächtig seien auch Waren, die zu "extrem günstigen Preisen" angeboten werden. "Das kann ein Hinweis sein, dass etwas nicht stimmt."