Briefträger hortet Post zu Hause

Weniger Post als gewöhnlich erhielten über einen längeren Zeitraum hinweg Hunderte von Haushalten im Vorderhunsrück. Das war kein Versäumnis des "Gelben Riesen", sondern die Schuld eines Briefträgers.

Emmelshausen. (red) 299 Haushalte im Raum Emmelshausen wurden ein halbes Jahr lang um einen Teil ihrer Post betrogen. Ein Briefträger, der als Springer ohne festen Bezirk Urlaubsvertretung machte, hat Briefe und Broschüren nicht zugestellt - aus Überlastung, wie er bei der Vernehmung angab.

Jetzt hat sich die "Niederlassung Brief" der Deutschen Post in Koblenz bei den betroffenen Haushalten entschuldigt und ihnen die entgangenen Briefe mit mehreren Monaten Verspätung zugesandt. Leidtragende der "Postunterdrückung" waren zwischen Oktober 2008 und März 2009 Bewohner von elf Gemeinden im Bereich des Zustellstützpunktes Halsenbach, und zwar in Emmelshausen, Halsenbach, Leiningen, Gondershausen, Norath, Mermuth, Lingerhahn, Hausbay, Maisborn, Schwall und Mühlpfad.

Warten auf die Jahresabrechnung



Die Post kam dem Täter aufgrund zahlreicher Kundenreklamationen auf die Schliche. Im Haus des Briefträgers fanden sie bergeweise Post, hauptsächlich Broschüren und Werbung, aber auch ganz normale Briefe. Noch am gleichen Tag wurde gegen den Beschäftigten Strafanzeige erstattet. Die sichergestellte Post wurde den Haushalten jetzt zugestellt.

So erhielt ein Bürger aus Emmelshausen erst vorige Woche die Mitteilung der Energieversorgung Mittelrhein über die Preissenkung beim Erdgas zum 1. April. Der Brief wurde am 9. Februar abgestempelt.

Manche Bürger aus dem Raum Emmelshausen vermissen aber immer noch Post. So warten Haushalte bislang vergeblich auf die Jahresabrechnung ihres Stromversorgers.

Wie Postsprecher Heinz-Jürgen Thomeczek auf Anfrage mitteilte, waren die Briefe alle verschlossen. Auch wenn der Briefträger nichts gestohlen hat - "Postunterdrückung" ist kein Kavaliersdelikt. "Ich kann jedem, der eine Sendung vermisst, nur raten, sich bei der Hotline der Post zu melden", appelliert Thomeczek an die Kunden. Wenn sich, wie in diesem Fall, Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Postzustellung verdichten, tritt die Konzernsicherheit auf den Plan. "Die Aufklärungsquote liegt nahezu bei 100 Prozent."