Brückenbau könnte Hoffnungen zerstören

Brückenbau könnte Hoffnungen zerstören

Die Gegner der Hochmoselbrücke lassen nicht locker: Noch immer sehen sie eine Chance, das im Bau befindliche Mammut-Projekt zu stoppen. Ein Argument: Mit der Brücke habe die Mosel keine Chance auf Anerkennung als Weltkulturerbe.

(sim) Verschandelung einer Kulturlandschaft, negative Auswirkungen auf berühmte Weinlagen der Mittelmosel und unkalkulierbare Kosten - das sind die wesentlichen Argumente der Gegner der Hochmoselbrücke zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig. Die Bauarbeiten an der B 50 oberhalb von Graach haben längst begonnen, bis zum Jahr 2017 soll die Straße inklusive Hochmoselübergang fertig sein. Die Gegner setzen ihre Hoffnung auch darauf, dass nach ihrer Meinung die Mosel mit der Brücke keine Chance habe, von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Die Gegner verweisen unter anderem auf das Beispiel Dresden. Die Unesco hatte der Stadt den Status Weltkulturerbe wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke wieder aberkannt. Andererseits: Die Unesco hat im Juli vergangenen Jahres den Weg für den umstrittenen Bau der Mittelrheinbrücke in der Nähe des weltberühmten Loreleyfelsens frei gemacht. Seit 2002 steht diese einzigartige Kulturlandschaft in der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Das Welterbekomitee entschied, dass das Land mit der Planung beginnen darf.

Weil andere Kultur- und Naturstätten Vorrang haben, kann die Mosel frühestens im Jahr 2017 auf die Liste kommen. Und dann wird die Brücke aller Voraussicht nach stehen. Wie die Unesco das Brückenbauwerk beurteilen wird, sollte die Bundesregierung überhaupt in einigen Jahren einen Antrag für die Mosel stellen, weiß man auch im Mainzer Kultusministerium nicht.

Doch ganz so negativ, wie die Brückengegner behaupten, fällt die Beurteilung möglicherweise nicht aus. Denn laut Mainzer Kultusministerium ist die Unesco nicht gegen eine Weiterentwicklung einer Region. Außerdem: Die Brücke überspannt ja nicht die ganze Mosel von Luxemburg bis Koblenz, sondern den Fluss nur an einer Stelle.

Und es gibt ein Beispiel, wo eine Riesenbrücke keine Auswirkungen auf den Welterbestatus hatte. Im Jahr 2000 wurde die Loire (Frankreich) wegen der dort zahlreichen Schlösser zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

Im gleichen Jahr wurde in Orléans die Loirebrücke Pont de l'Europe eingeweiht. Diese Stahlbeton-Brücke überspannt die Loire mit einer Länge von 378 Metern.

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