Bücherei mit Spitzenzahlen Vergleich macht Arbeit in Büchereien transparent

Bücherei mit Spitzenzahlen Vergleich macht Arbeit in Büchereien transparent

Die Stadtbücherei Wittlich steht auf der Nummer eins im deutschlandweiten Bibliothekenvergleich. In keiner anderen Bücherei in Städten einer ähnlichen Größenordnung ist das Angebot, die Nutzung und der Service so gut wie in Wittlich.

Wittlich. (sys) Die Stadtbücherei Wittlich ist zum vierten Mal als beste Bibliothek Deutschlands in der Größenklasse der Gemeinden mit 15 000 bis 30 000 Einwohnern ausgezeichnet worden. Der deutsche Bibliothekenverband hat 177 Büchereien über den Bibliothekenindex (Bix) verglichen. Geprüft wurden Angebot, Nutzung, Effizienz und Entwicklungspotential. Über das Erfolgskonzept der Wittlicher Bibliothek spricht ihre Leiterin Elke Scheid im Interview mit unserer Mitarbeiterin Sybille Schönhofen.

Was macht die Wittlicher Bibliothek so erfolgreich?

Elke Scheid: Kontinuität, Aktualität, Erreichbarkeit, Sonderaktionen, Bekanntheitsgrad, Kompetenz, Freundlichkeit und Begeisterungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen, Kreativität in der Entwicklung von Ideen, das Ziel, immer benutzerorientiert zu arbeiten.

Woher kommen die Ideen?

Elke Scheid: Von unseren kreativen und hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen, die sich ständig fortbilden, an Kongressen und Tagungen sowohl in Deutschland als auch im Ausland teilnehmen, die Fachliteratur studieren und im ständigen Kontakt zu bibliothekarischen Gremien stehen. Sie sehen gesellschaftliche Entwicklungen, erkennen soziologische Probleme und wissen als Bibliothek darauf zu reagieren.

Ideen sind das eine, die Umsetzung das andere. Was kommt an Kosten auf Sie zu und wie schultern Sie die Investitionen?

Elke Scheid: 2009 betrug das Budget der Stadtbücherei Wittlich 520 000 Euro. Davon erwirtschaftete die Bibliothek knapp 130 000 Euro durch Gebühren. In dem Budget sind die Kosten für das Personal und für das Haus enthalten. Neue Medien wurden für knapp 80 000 Euro erworben. Investitionen für neue EDV, Möbel oder Techniken werden nach Notwendigkeit beantragt und kommen hinzu. Die Höhe ist unterschiedlich. Das Geld kommt fast ausschließlich vom Träger, der Stadt Wittlich. Kleine Zuschüsse in Höhe von 4800 Euro kamen letztes Jahr vom Land, und für Sonderaktionen stehen auch Sponsoren zur Verfügung.

Der Leistungsvergleich hat ergeben, dass viele Jugendliche die Wittlicher Stadtbücherei nutzen. Wie erreichen Sie das?

Elke Scheid: Durch unsere Leseförderaktionen, die jedes Kind beziehungsweise seine Eltern ab der Geburt des Kindes auf die Wichtigkeit von Sprache und Lesefähigkeit sowie auf die Leistungen der Stadtbücherei Wittlich aufmerksam machen und durch die exzellente Zusammenarbeit mit den Schulen in Wittlich und Umgebung. So lernt jedes Kind die Bibliothek kennen und als angenehmen und interessanten Aufenthaltsort, wo es viele wichtige und schöne Medien kostenlos gibt, schätzen. Förderlich ist auch die Lage in unmittelbarerNähe zum Busbahnhof, an dem täglich Tausende von Schülern, die auf den Bus warten, stehen. Die Stadtbücherei Wittlich hat aus diesem Grund mittags durchgehend geöffnet, damit die wartenden Kinder sich nicht in der Stadt "rumdrücken" müssen, sondern einen sicheren und sinnvollen Aufenthaltsort aufsuchen können.

Der Leistungsvergleich deckt auch Mankos auf. Worin könnte die Wittlicher Bibliothek noch besser werden?

Elke Scheid: In die Technologie muss investiert werden, die Öffnungszeiten würden wir gerne erweitern, zu unserer aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion stammenden Mitarbeiterin hätten wir gerne eine Kollegin mit türkischem Hintergrund, man könnte noch intensiver in die interkulturelle Bibliotheksarbeit einsteigen. Es sind einzelne Punkte, die verbessert werden können, was auch geschehen wird, aber richtige, schwer wiegende Mankos existieren nicht.

Wittlich. (cmk) Der Bibliotheksindex(Bix) ist ein freiwilliges Vergleichsinstrument für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken. Ziel ist, die Leistungsfähigkeit zu beschreiben. Er soll die Situation einer Bibliothek transparent machen und zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Bibliothek, Verwaltung, Öffentlichkeit und Politik beitragen.

Jede Bibliothek, die am Bix teilnimmt, bekommt für ihre Leistungen Punkte in vier "Disziplinen": Ausstattung/Angebote, Nutzerorientierung, Wirtschaftlichkeit und Entwicklungspotenzial. Dabei zählen Ausleihzahlen, Fortbildungen der Mitarbeiter, Finanzen, Veranstaltungen in der Bibliothek.

Die Ergebnisse des Bix: www.bix-bibliotheksindex.deZur PersonElke Scheid ist 52 Jahre alt und stammt aus Wermelskirchen bei Köln. Mit 19 Jahren begann sie ihr Studium der Germanistik, Geschichte, Romanistik und Bibliothekswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Als Diplom-Bibliothekarin arbeitete sie von 1982 bis 1989 in Berlin und wechselte dann nach Luxemburg-Stadt. 1992 kam sie zur Stadtbücherei Wittlich. Seit 1994 leitet sie die Bibliothek. (sys)

Mehr von Volksfreund