1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Bücherzellen sind im Kreis Bernkastel-Wittlich auf dem Vormarsch

Freizeit : Bücherzellen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit

Im Landkreis werden immer mehr Plätze eingerichtet, an denen Leseratten ihre Literatur gegen andere Bücher tauschen können. Und die Nachfrage ist groß, auch während der Corona-Zeit.

Wengerohr und Hetzerath (siehe Extra) haben eine, die Einheitsgemeinde Morbach gleich drei, und auch an der Mosel werden es immer mehr: Die Rede ist von Bücherzellen oder Bücherschränken, frei zugänglichen Einrichtungen, wo Bürger ihre gelesenen Bücher gegen anderen Lesestoff tauschen können. In Bernkastel-Kues ist seit dem 27. Januar am alten Güterbahnhof in der Friedrichstraße mit finanzieller Unterstützung des Energieversorgers Westnetz ein weiterer Bücherschrank hinzugekommen. „Sinn und Zweck ist: Es werden Bücher getauscht“, sagt Wilma Keith-Caspary, Dritte Beigeordnete der Stadt Bernkastel-Kues, die als Patin die Betreuung des Bücherschranks übernommen hat. Sie schaut, ob alle Bücher in einem ordentlichen Zustand sind, sortiert mangelhafte Exemplare aus und sieht zu, dass der Angebotsmix stimmt. Derzeit fehlten noch Kinderbücher. Keinesfalls sei der Bücherschrank eine Entsorgungsstation für ein übervolles Bücherregal in den eigenen vier Wänden, betont sie. Was heißt: Leseratten auf der Suche nach neuer Literatur können genauso viele Bücher einstellen, wie sie auch wieder mitnehmen. Die ersten Personen hätten sie schon angesprochen, sagt Keith-Caspary. Und: „Die Resonanz ist sehr positiv.“

In der Zeltinger Touristinfo befinden sich seit einem halben Jahr Bücher zum Tauschen „in der kleinsten Bibliothek von Zeltingen-Rachtig“, sagt Ortsbürgermeisterin Bianca Waters. „Da ist ordentlich was los. Ich bin überrascht, wieviel Bewegung da ist“, sagt sie. In Rachtig soll im Frühjahr am Brunnenplatz gegenüber der Kirche St. Marien ein weiterer Bücherschrank zum Tauschen von Lesestoff aufgestellt werden, ebenfalls mit Unterstützung von Westnetz, das einen weiteren Bücherschrank in Manderscheid ankündigt.

Werden Bücherschränke in Zeiten von Corona mehr genutzt als sonst? Offenbar nicht einfach zu sagen, da der Tausch der Bücher unbeobachtet abläuft. „Mein Gefühl ist, dass mehr Leute drin sind als früher“, sagt Petra Schommer, die in Morbach und in Hundheim gleich zwei Telefonzellen für Bücher eingerichtet hat. Auf Bitten von Leseratten hat sie die Zellen länger beleuchtet, damit diese in der dunklen Jahreszeit auch abends ihre Literatur auswählen können.

Gabriele Kohl ist Patin des Bücherschranks im Wittlicher Stadtteil Wengerohr. „Der Betrieb hat etwas zugenommen“, sagt sie. Nach wie vor werde der Bücherschrank gut besucht.

In Neumagen-Dhron gibt es ebenfalls zwei Tauschstationen für Bücher. Zum einen seit 2018 der Bücherschrank in Dhron, der von Michael Thomas betreut wird. Auch er beobachtet, dass mehr Bücher als sonst getauscht werden. „Ich gehe öfter hin und muss öfter aussortieren.“

Bei der Büchertreppe im alten Rathaus ist vor allem in der Touristenzeit viel Bewegung, sagt Doris Schneider. Sie beobachtet, dass die Menschen den Lockdown zum Aufräumen nutzen und mehr Bücher als bisher gebracht werden. Doch sortiert sie viel aus, damit die Büchertreppe attraktiv bleibt. Schneider: „Vergilbte Bücher will keiner.“