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Büdlicher fühlen sich als Moselaner

Büdlicher fühlen sich als Moselaner

Mächtig Staub aufgewirbelt hat eine Unterschriftensammlung in Büdlich. Darin hatte sich eine Mehrheit der Bürger für einen Wechsel zur Verbandsgemeinde (VG) Schweich ausgesprochen. Nun befasste sich der Ortsgemeinderat, der nach wie vor an der Morbach-Lösung festhält, mit dem Bürgerbegehren. Ergebnis: Es fehlt an Informationen zur Kommunalreform. Eine Bürgerversammlung soll Klarheit schaffen.

Büdlich. Auf der Auktionsplattform ebay wurde im Internet kürzlich eine alte Ansichtskarte von Heidenburg angeboten. Darauf ist eine urige Jägerstube zu sehen, in der Geweihe und Wildschweinfelle an den Wänden hängen. Weiterhin schmückt das Postkartenidyll der Schriftzug "Jägerstübchen Heidenburg/Mosel". Kein Wunder, dass man sich auch in Büdlich an solchen nostalgischen Stimmungsaufhellern erfreut. Denn nicht nur die Bewohner von Heidenburg, sondern auch ein Großteil der Ortsgemeinde Büdlich fühlen sich der Mosel näher verbunden als dem rauen Gebirgskamm des Hunsrücks.
Kommunal reform


Zeitgleich mit dem Anrollen der Heidenburger Bürgerinitiative "Pro Schweich - Heidenburg gehört zur Mosel" haben sich auch die Büdlicher gerührt. Franz-Josef Münster war von Haus zu Haus getingelt und hatte Unterschriften gesammelt. 127 Unterzeichner von 170 Wahlberechtigten stimmten dabei für einen Wechsel der Ortsgemeinde zur VG Schweich. Kein Pappenstil - immerhin 75 Prozent. Mit der Liste musste sich der Ortsgemeinderat dann befassen. "Ich bin nur einmal zu jedem Haus gegangen. Wenn ich überall dort, wo niemand da war, noch einmal hingegangen wäre, dann hätten 90 Prozent aller Büdlicher unterschrieben", sagte Münster bei der Sitzung des Rates.
Die Befürworter der Pro-Schweich-Bewegung hatten laut Münster angegeben, sich mit Schweich und der Mosel verbundener zu fühlen als mit Thalfang. Einkäufe und Arztbesuche würden in Schweich erledigt. In die Moselstadt führen die Büdlicher 50 Mal im Monat - nach Thalfang vielleicht einmal.
Außerdem seien die Busverbindungen dorthin eine Katastrophe. "Reden wir hier über eine Kommunalreform oder über eine Infrastrukturreform?" fragte Ratsmitglied Andreas Paulus. 127 Unterschriften seien eine Menge. Da müsse eine Veranstaltung her, um Missverständnisse abzubauen.
"Viele Bürger haben beklagt, die Infos zur Kommunalreform vom Ortsgemeinderat seien mangelhaft", erklärte Münster. Paulus: "Informationen gab es hier genügend. Aber niemand war da." Diese Meinung teilte auch Hubert Lorscheter: "Wo waren denn die ganzen Engagierten? Hier in der Ratssitzung waren sie nicht."
Ortsbürgermeisterin Gabriele Schleimer: "Wir gehören seit 40 Jahren zur kommunalen Familie der VG Thalfang, und hier haben wir unseren Platz gefunden. In einer VG Schweich würden wir als kleine Ortsgemeinde zwischen den großen Gemeinden untergehen."
Auch sei nicht beschlossen, dass bei einer Fusion mit Morbach der Bürgerservice in Thalfang wegfallen würde. "Aber das sind halt Ängste", sagte Schleimer.
Fazit: Die Bürger sollen nun darüber informiert werden, was die Kommunalreform für sie bedeutet. Bei der Versammlung sollen auch Vertreter der VG Thalfang dabei sein.
Meinung

Später Nachholbedarf
Die Wortführer der Pro-Schweich-Bewegung beklagen, vom Rat nur mangelhaft über die Kommunalreform informiert worden zu sein. Doch wo war die Mehrheit der Wechselwilligen, als im Ortsgemeinderat zusammen mit Vertretern der VG-Verwaltung Thalfang in einer Sitzung über das Thema gesprochen, diskutiert und informiert wurde? Niemand war da. Das monierten auch die gewählten Ratsmitglieder. Obwohl es auch andere Wege der Informationsweitergabe als Ortsgemeinderäte gibt. Trotzdem. Diejenigen Büdlicher, die eine bessere Informationspolitik durch ihre Ratsmitglieder fordern, sich an die eigene Nase packen. Einfach nach einer Schweich-Lösung rufen, damit macht man es sich dann doch zu einfach. Selbst wenn die VG Thalfang mit der Einheitsgemeinde Morbach fusioniert, können die Büdlicher wie Heidenburger auch immer noch zum Einkaufen nach Schweich an die Mosel pilgern. Das hat mitnichten etwas mit einer Gebietsreform zu tun. Nun wird in Büdlich im Schweinsgalopp eine Veranstaltung einberufen, um das Informationsvakuum zu füllen. Besser spät als nie. d.zapp@volksfreund.de