Bürger-Proteste fürs schnelle Netz

Bürger-Proteste fürs schnelle Netz

Mit einem Fackelzug zum Zeltinger Berg haben etwa 150 Bürger ihren Unmut über die schwache DSL-Versorgung in der Doppelgemeinde kundgetan.

Zeltingen-Rachtig. In Sachen Wein und Tourismus hat die zweitgrößte Kommune der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues die Nase weit vorn. Zumindest noch: Denn beim Internetzugang hinkt sie weit abgeschlagen hinterher, was zunehmend Probleme bereitet, wie nun Bürger mit einem Fackelzug weithin sichtbar gemacht haben.
Etwa 150 Menschen machten damit darauf aufmerksam, dass sie nach wie vor mit geringer Geschwindigkeit im weltweiten Netz unterwegs sind. Dabei sind schnelle Datenleitungen (DSL) mit fünfstelligen Kilobyte (kb) längst Standard.
Josef Werland, der am idyllischen Zeltinger Marktplatz wohnt, versendet Daten mit langsamen 360 kb - ähnlich lahm trudeln sie bei ihm an. Für den ersten Beigeordneten von Zeltingen-Rachtig ein unhaltbarer Zustand. Besonders ärgerlich seien ständige Anrufe von Telekom-Mitarbeitern, die ihm im Ort nicht realisierbare Verträge verkaufen wollten. Im Ortsteil Zeltingen seien die Verbindungen besonders schlecht, sagt Ortsvorsteher Leo Kappes.
Zwei mögliche Lösungen



Dabei gibt es zwei Alternativen: Funk und Glasfaserkabel. Die erste Alternative, interessant für Orte mit null DSL-Chancen, wird ausgebremst, weil es eine Minimal-Versorgung gibt, was diese Variante für Kommunen verteuert. Die zweite Alternative hängt von Zuschüssen des Landes ab, das zwar die Breitbandversorgung im ländlichen Raum voran bringen will, aber bisher wenig dafür unternimmt.
Laut Kappes würden die erforderlichen Erdarbeiten die Gemeinde etwa 50 000 Euro kosten. Teurer wäre es, die Leitungen selbst vom Glasfaserkabel zu Verteilerkästen im Ort zu verlegen, was alle mit einem schnellen Netz versorgen würde. Harald Guggenmos schätzt, dass allein das 150 000 bis 200 000 Euro kosten würde. Angesichts der aktuellen störanfälligen Minimal-Versorgung sollte aber ein Zuschuss des Landes - wie andernorts bereits geschehen - möglich sein: "Man fragt sich da schon, warum das im zweitwichtigsten Ort der Verbandsgemeinde nicht passiert." Dabei wirkten sich die Standortnachteile bereits aus, sagt Kappes und führt als Beispiele stornierte Übernachtungsbuchungen oder Unternehmen, die sich woanders ansiedelten, an.
Auch Winzer Peter Ehses klagt über Probleme. Es werde zunehmend per Internet bestellt und gebucht. Außerdem sei es für Kinder wichtig, nicht ausgeschlossen zu sein.
"Die Verbindung ist miserabel", ärgert sich Gerd Kappes, der seinen internetfähigen Fernseher nicht nutzten kann. Auch für seine Tochter, die das Netz für ihre Hausaufgaben nutzen müsste, sei es schwierig, nicht einmal YouTube nutzen zu können.
Elisabeth Reis spricht von der "Riesenbedeutung" des schnellen Datennetzes. Für eine Kommune sei das "unheimlich wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung", plädiert sie für mehr Investitionen in "Datenautobahnen statt in Autobahnen".
Helga Bechthel würde das sehr begrüßen. Prüfungsunterlagen für ihr Fernstudium musste sie per Post versenden. Die Internetverbindung sei sprunghaft und sacke immer weg: "Das ist für eine Gemeinde einfach nicht tragbar - zumal es für die Zukunft wichtig ist, dabei zu sein."

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