Bürger wollen historischen Ortskern aufwerten

Neumagen-Dhron · Seit Juni steht fest: Neumagens historischer Ortskern kann vom Programm "Historische Stadt" profitieren. Im Rahmen einer Dorfkonferenz waren nun erstmals die Bürger gefragt, die Wunschzettel einreichen können. Die Aussichten, dass Manches erfüllt wird, sind gut.

Ortsbürgermeister Michael Thomas (Mitte) mit Mitgliedern des Ausschusses für Ortskernsanierung und Dorferneuerung vor einer der vielen attraktiven Häuserkulissen in Neumagen-Dhron. TV-Foto: Ursula Schmieder

Neumagen-Dhron. Erste Ideen für eine Aufwertung des historischen Kerns des Ortsteils Neumagen liegen auf dem Tisch. Sie reichen von Anregungen, die Verkehrssituation zu verbessern bis zu Vorschlägen, leer stehende Häuser wiederzubeleben oder alternative Wohnformen für Senioren zu entwickeln.
Was sich davon umsetzen lässt, wird die Zukunft zeigen. Hilfreich dürften in jedem Fall die für Projekte in Aussicht stehenden Zuschüsse im Rahmen des Programms "Historische Stadtbereiche - Städtebaulicher Denkmalschutz" sein. Das Land unterstützt Kommunen mit gut 70-prozentigen Förderquoten (siehe Extra) und macht damit viele Investitionen überhaupt erst möglich. Auch private Eigentümer können gefördert werden.
Die Einladung der Ortsgemeinde zur ersten Dorfmoderationsveranstaltung nutzten mehr als 40 Bürger, darunter Mitglieder des Ausschusses Ortskernsanierung und Dorferneuerung. Ortsbürgermeister Michael Thomas bat um "Ideen für die nächsten 15 Jahre". 15 Jahre beträgt die Laufzeit des Verfahrens.
Dass Neumagen in das Förderprogramm aufgenommen wurde, sei der Hartnäckigkeit seines Vorgängers zu danken. Willi Herres habe immer wieder an die im Rahmen der Fusion der Verbandsgemeinden Neumagen-Dhron und Bernkastel-Kues versprochene Hochzeitsprämie erinnert. Der nun angestoßene Prozess wird mit Ortsbegehungen, Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen sowie mit weiteren Dorfkonferenzen wie am Montag, 20., und Mittwoch, 29., Oktober, fortgeführt.
Die Kiste sei nun geöffnet, ermunterte Hubert Deubert vom gleichnamigen Planungsbüro aus Quirnheim, "Wünsche zu Papier zu bringen". Die Gemeinde könne davon ausgehen, für alle Projekte 70 bis 80 Prozent Zuschuss zu erhalten. Interessierten Privatleuten legte er die zwingende Grundregel "erst fragen, dann beginnen" ans Herz. Gefördert würden Vorhaben im als Denkmalzone deklarierten historischen Zentrum, dessen Grenzen etwa die des einstigen römischen Kastells Noviomagus seien. Alle 924 Häuser im Sanierungsgebiet - davon 361 vor 1950 erbaut - würden erfasst, einige auch fotografiert. Die von Bürgern genannten Defizite, Stärken und Ideen sammelte Martin Theodor vom Landauer Kobra-Beratungszentrum für Bürgerbeteiligung. Er wird die Vorschläge auswerten und mit Bürgern Schwerpunkte erarbeiten. Mehrfach genannt wurden eine Einbahnstraßenregelung für Römer- und Moselstraße, ein ständiger Weinstand am Weinschiff, eine Uferwegpromenade oder auch eine Jugendherberge im Ort.
Die Ausgangsbedingungen hält Theodor für gut. Und das nicht nur wegen der historischen Bausubstanz - auch, sondern weil im Ort die Zahl der Kinder unter zwei Jahren aktuell höher sei als 2010: "Andere Gemeinden wären froh, sie hätten nur die Hälfte von dem, was sie hier haben", rückte er die gute Infrastruktur ins rechte Licht.Extra

Über das Programm "Historische Stadtbereiche" fördern Bund und Land Vorhaben im Rahmen von Stadterneuerung und Denkmalschutz. Allein 2013 wurden Investitionen in Höhe von insgesamt 9,7 Millionen Euro gefördert - und das mit einer Förderquote von 74,2 Prozent. Das Land steuerte 48,4 Prozent bei und der Bund - ebenso wie die Kommunen selbst - 25,8 Prozent. Das Programm zielt darauf ab, denkmalwerte Bausubstanz in Mittelzentren und städtisch geprägten Grundzentren mit historischen Stadtkernen zu sichern. Gefördert werden öffentliche und private Investitionen in Gebäude, Straßen und Bauwerke sowie Reparaturen, Umbauten und Modernisierungen oder auch Planungskosten. Privaten Investoren winken zusätzlich Vorteile durch Abschreibungsmöglichkeiten. urs