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Bürgeriniative fürchtet bis zu 20 Windrädern zusätzlich im Idarwald

Erneuerbare Energien : Wie viele Windräder kommen an Morbachs Grenze hinzu?

Fünf neue Windräder sind aktuell für den Idarwald vorgesehen. Wieso die Landtagswahl dafür sorgen könnte, dass sich diese Zahl vervierfacht.

Wie viele Windräder drehen sich künftig im Idarwald auf den Gemarkungen der Ortsgemeinden Hellertshausen und Hottenbach unweit der Grenze zum Morbacher Ortsbezirk Hinzerath? Bisher sind dort fünf Anlagen vorgesehen, die sich im Genehmigungsverfahren befinden.

 Doch fürchtet die Bürgerinitiative (BI) Windkraftfreier Idarwald, dass noch weitere dazukommen. Im für sie schlimmsten Fall können sich dort bis zu 20 Anlagen drehen, sagt Reiner Bleisinger von der BI. Denn diese Zone soll laut einem Koalitionsbeschluss der Mainzer Landesregierung frei bleiben von Windanlagen. Das habe 2016 die FDP bei den Koalitionsverhandlungen erreicht.

Doch wird 2021 in Rheinland-Pfalz neu gewählt. Und dann könnte dieser Koalitionsbeschluss gekippt und die Regelung von 2013 wieder eingeführt werden. Damals galt, dass Windanlagen im Rahmen einer Einzelfallentscheidung auch in der Kernzone genehmigt werden können, wenn an dieser Stelle Vorbelastungen vorliegen.

Und wenn im kommenden Jahr erneut Koalitionsverhandlungen anstehen, könnten dies Bündnis 90/Die Grünen im Fall einer Regierungsbeteiligung erneut einführen, fürchtet die BI. Und da mit dem Bau der fünf beantragten Windanlagen kurz vor der Grenze des Naturparks plus eines Steinbruchs Vorbelastungen entstehen, könnte dies der Türöffner sein für weitere Anlagen, fürchten Bleisinger und seine Mitstreiter. „Dann ist da Platz für 15 bis 20 Windräder“, sagt er.

Warum wehrt sich die BI gegen die Windkraftanlagen im Idarwald? „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windräder, aber dort gehören sie nicht hin“, sagt er. Der markante Höhenzug sei ein schützenswertes Landschaftsbild, in dem sich auch viele Quellen befinden, sagt er. Hinzu kämen zahlreiche Wildvogelvorkommen wie Schwarzstorch, Milan, Haselhuhn und Wildkatzenkorridore.

Was sagen die anderen Beteiligten zu den Befürchtungen der BI? Das Unternehmen Fruytier, das in Hochscheid ein Sägewerk betreibt und dem Flächen gehören, auf denen drei Windräder gebaut werden sollen und weitere errichtet werden könnten, ließ eine Mail-Anfrage unbeantwortet.

Im Gegensatz zum Energiekonzern EnBW, der die beantragten fünf Anlagen in Kooperation mit dem Projektierer Gaia bauen will. Mit einem klaren „Nein“ beantwortet Unternehmenssprecher Jörg Busse die Frage, ob sein Unternehmen außer den bereits ins Auge gefassten fünf Anlagen den Bau weiterer Windräder am Idarwald plant. Im November 2019 sagte Busse, dass es zwar Planungen mit mehr Anlagen gegeben habe, diese Standorte aber wegen mangelnder Genehmigungsfähigkeit aufgegeben worden waren und dass derzeit keine Überlegungen bestehen, die Planungen wieder aufzunehmen. Diese Aussage sei nach wie vor aktuell.

Auch den Befürchtungen der BI, dass sich nach Koalitionsverhandlungen 2021 die Rahmenbedingungen ändern und entsprechende Pläne wieder aus der Schublade hervorgezogen werden könnten, erteilt Busse eine Absage.

„Dafür gibt es bei uns keine konkreten Planungen, und wir bereiten uns auch nicht aktiv auf dieses Szenario vor, weil wir es nicht für wahrscheinlich halten“, sagt er. Die Genehmigungen für die fünf beantragten Anlagen im Vierherrenwald verzögern sich allerdings weiter. Die Unterlagen würden aufgrund weiterer Nachforderungen immer noch vervollständigt, sagt Busse. EnBW erwartet einen Bescheid nicht vor Mitte des kommenden Jahres. Ein Baubeginn könne daher frühestens 2021 erfolgen.

Silke Haller, Pressesprecherin der Kreisverwaltung Birkenfeld, sagt, zurzeit werde geprüft, wann die öffentliche Bekanntmachung des Vorhabens mit Offenlage der Genehmigungsunterlagen erfolgen kann. Über die Genehmigungsfähigkeit der Anlagen könne noch keine Aussage getroffen werden, weil dafür auch das Ergebnis der Offenlage abzuwarten sei, in deren Rahmen Einwendungen vorgetragen werden können. Über weitere Absichten, in der Region rund um Hellertshausen und Hottenbach zusätzliche Windenergieanlagen zu errichten, sei der Kreisverwaltung nichts bekannt.