Bürgermeister Ulf Hangert nimmt Abschied

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach 20 Jahren : Mit durchgelaufenen Schuhen fing alles an: Bürgermeister Hangert nimmt Abschied

Ulf Hangert räumt zum Monatsende den Bürgermeisterstuhl der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Doch er hat in den 20 Jahren Wurzeln geschlagen und bleibt der Mosel treu. Im Gespräch mit dem TV erinnert er sich an Höhen und Tiefen und gibt auch Persönliches preis.

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Leute, die von sich sagen können, ein wunderschönes Zuhause und einen genauso attraktiven Arbeitsplatz zu haben. Ulf Hangert gehört zu dem Kreis. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues blickt von seinem Haus in Brauneberg auf die Mosel und die berühmte Weinlage Brauneberger Juffer. Von seinem Amtszimmer schaut er ebenfalls auf die Mosel und auf die Stadt Bernkastel-Kues – das Ziel unzähliger Urlauber und Tagestouristen.

Von letzterem Blick muss er bald Abschied nehmen. Ende des Monats geht der 68-Jährige nach 20 Jahren an der Verwaltungsspitze in den Ruhestand (der  TV berichtete).

Sein Zuhause in Brauneberg wird er dann auch tagsüber sehen. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner und seine Frau halten der Region die Treue. „Nirgends waren wir länger als hier“, sagt Hangert. Längst sei die Region zur Heimat geworden. Gattin Margreta, Lehrerin für blinde Kinder, wird noch für einige Zeit in Schulen in Rheinland-Pfalz unterwegs sein. Der eingespielte Ritus wird aufrecht erhalten.

Ab Februar wird allerdings Ehemann Ulf mit dem Essen warten – egal, wie spät es wird. Das gemeinsame Mahl mit einer Flasche Wein ist ein fester Bestandteil im Leben der beiden. „Es kann schon mal zwei Stunden dauern“, sagt Hangert. Das kinderlose Paar muss sich auch nicht hetzen lassen – beispielsweise vom Fernsehprogramm. Die Hangerts haben keinen Fernseher.

Am 23. Januar wird Hangert verabschiedet. Mehrere hundert Gäste werden in der Moseltalhalle in Pies­port erwartet. Apropos Piesport: Als Ulf Hangert im Jahr 2000 das Amt des Verwaltungschefs übernahm, war Piesport noch Teil der VG Neumagen-Dhron. Mehr als zehn Jahre später, am 1. Januar 2011, war das Geschichte. Piesport, Neumagen-Dhron und Minheim wechselten im Zuge der gerade erst anlaufenden Kommunalreform in die VG Bernkastel-Kues, Trittenheim entschied sich für die VG Schweich. Ulf Hangert war maßgeblich an diesem Prozess beteiligt.

Zwei Jahre habe der in Anspruch genommen. Viele hätten mitgeholfen. „Unter anderem die Bürgermeister der beteiligten Verbandsgemeinden und die Büroleiter“, sagt Hangert. Sein eigener Einfluss, unter anderem auf die damals 20 Orte in der VG Bernkastel-Kues, die der freiwilligen Fusion zustimmen mussten, dürfte aber ausschlaggebend gewesen sein. Anfangs habe es die Befürchtung gegeben, dass die VG eher draufzahle. Diese Angst habe er ausräumen können.

Die Fusion habe nur Vorteile gebracht. So habe das Land die „Hochzeitsprämie“ üppig  bemessen – mit überdurchschnittlich hohen Förderungen bei einigen Projekten. „Das dürften etwa zehn Millionen Euro gewesen sein“, berichtet der Bürgermeister. Und die Pläne, mit der Fusion Personal- und Sachkosten zu sparen, hätten sich früher als erwartet erfüllt. In der Verwaltung in Bernkastel-Kues arbeiten 93 Leute. Dazu kommen noch die Außendienstler der Werke.

Dass die Region zu Hangerts Heimat geworden ist, könnte daran liegen, dass er die VG besser kennt als viele Einheimische. Im Wahlkampf kam der bis dahin in den Orten vollkommen unbekannte Mann, der vorher in Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen) als Kurdirektor arbeitete, auch in den letzten Winkel. „Darauf werde ich noch oft angesprochen“, sagt er. Zwei Paar Schuhe lief der Hüne durch. Das Ergebnis ist bekannt. Der offizielle Kandidat der CDU ließ im ersten Wahlgang zwei andere CDU-Granden hinter sich und triumphierte in der Stichwahl gegen Otto Maria Bastgen, damals Bürgermeister der VG Kröv-Bausendorf.

Einen richtig harten Schlag musste Hangert aber auch hinnehmen. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes wurde angeklagt und verurteilt, sich über Jahre aus der von ihm geführten Gebührenkasse mit mehr als 100 000 Euro bedient zu haben. „So etwas wird sich nie ganz verhindern lassen“, sagt der Verwaltungschef. Beispiele aus der Region, bei denen noch viel höherer Schaden entstanden sei, bewiesen das.  Aber es gab damals auch Vorwürfe, die Verwaltung habe ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt und einen jahrelangen Rechtsstreit, der die VG in den Schlagzeilen hielt. Er sei besonders enttäuscht, „dass die gegnerische Anwältin eine Kampagne gegen mich schürte“.

Ulf Hangerts Nachfolger wird Leo Wächter, seit Herbst 2011 hauptamtlicher Beigeordneter. Seither hat es manchmal den Anschein, als sei er der erste Mann. Bei Sitzungen ist er oft der Vortragende der Verwaltung. Es gibt auch Stimmen, dass sich Hangert nicht so oft bei Sitzungen in den Ortsgemeinden blicken ließ.

Es gebe eine Aufgabenverteilung, sagt der Bürgermeister. Wächter sei für Energiepolitik und weitere Gewerbeansiedlungen zuständig. Er selbst habe sich verstärkt um den Tourismus und die Arbeit in verschiedenen regionalen und überregionalen Gremien gekümmert, zum Beispiel im Gemeinde- und Städtebund sowie in der Enquete-Kommission Tourismus in Rheinland-Pfalz. „Alles war mit Leo Wächter abgestimmt“, sagt er. Und ergänzt zur Kritik an seiner Präsenz: „Ich bin nicht eitel.“ Das wissen zum Beispiel die Möhnen aus Bernkastel-Kues und Wehlen. Bei der Rathauserstürmung am Weiberdonnerstag unterhielt sie Hangert jedes Jahr mit geschliffenen Vorträgen. Ein Weinfreund sei er schon immer gewesen, erzählt er. Seine Lieblingslage will er nicht verraten. „Es gibt an der Mosel viel Weltklasse“, sagt er. Einen Lieblingsplatz verrät er aber: Es ist der obere Teil des gegenüber seines Wohnortes liegenden Braunebergs. Von da schaue er auf die Mosel und sehe auch sein Haus. Um das alte Gemäuer und den dazugehörenden Garten wird  er sich in Zukunft mehr kümmern. Und seine Leidenschaft, das Lesen, wird auch verstärkt zum Zug kommen.

Beliebt bei den Möhnen: Celia Kerpen (links) und Christel Bergweiler nehmen Bürgermeister Ulf Hangert in die Mitte. Foto: Beckmann Clemens
Für Ulf Hangert haben die letzten Tage am Schreibtisch in der Verwaltung begonnen. Foto: TV/Clemens Beckmann

Sollte es ihm doch langweilig werden, kann er den Herd anschalten. Denn schließlich ist er gelernter Koch. Nach einem in Weinlaune abgegebenen Versprechen verzückten der Eisliebhaber und seine Frau im Jahr 2007 beim Wein- und Gourmetfestival im Weingut Stettler in Lieser die Gäste mit Dessertkreationen zum Wein. Dies sei eine einmalige Aktion gewesen, sagte er. Doch ab 1.Februar hat er ja Zeit.