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Bürgermeister: Wirtgen-Bauprojekt in Wengerohr gesichert

Bürgermeister: Wirtgen-Bauprojekt in Wengerohr gesichert

Die Übernahme des Familienunternehmens soll die Fabrikpläne nicht behindern. Die Entwicklung überrascht die Entscheider vor Ort.

Erst Anfang April feierte Benninghoven als Teil der Wirtgen-Gruppe die Grundsteinlegung für das nach eigenen Angaben weltweit größte und modernste Werk für die Produktion von Asphaltmischanlagen in Wengerohr. Knapp zwei Monate später macht eine Übernahmenachricht die Runde: Der amerikanische Landwirtschafts- und Baumaschinenhersteller John Deere will 4,6 Milliarden Euro zahlen, um Wirtgen zu übernehmen (der TV berichtete). Damit ist die Ära eines Familienunternehmens besiegelt, das 1961 gegründet wurde. Wirtgen selbst hatte 2014 das in der Region mit Standorten in Mülheim und Wittlich ansässige Familienunternehmen Benninghoven übernommen, den Hersteller für Asphaltmischanlagen. Mit dem neuen Werk in Wengerohr-Süd sollten diese beiden Standorte zusammengeführt und weitaus größer aufgestellt werden.

Seit der Übernahmenachricht vom 1. Juli ist die Frage vor Ort: Bleibt es bei dem Mega-Bauprojekt?
Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagte jetzt im Wirtschaftsausschuss: "Die Investition ist gesichert, und die Fabrik kann entsprechend in Betrieb genommen werden." Er sagte weiter: "Sie haben ja alle vernommen, es geht wieder ein Familienunternehmen verloren und an einen großen Konzern. Es ging ja durch die Medien, man kann es im Internet nachlesen."

Rodenkirch hatte auch eine besondere Erklärung: "Herr Wirtgen rief mich am Freitag an. Seine Begründung war, dass die Familiennachfolge nicht gesichert sei, die nächste Generation ist noch relativ jung, acht Jahre. Insofern habe man sich nach einem Partner umgesehen, und John Deere wolle im Baumaschinensektor stärker werden." Der Bürgermeister versicherte: "Alles ist vertraglich geregelt. Die Baumaßnahme geht völlig normal weiter. Aber in einem Familienunternehmen ist immer eine andere Denke als in einem weltweiten Konzern." Laut Joachim Rodenkirch werde Wirtgen drei Geschäftsführer stellen, "die werden in Windhagen bleiben, aber der Chef sitzt dann in Amerika".
Die Stadtverwaltung hatte mit Unterstützung der Lokalpolitik in Rekordzeit die Riesen-Baumaßnahme im Industriegebiet Wengerohr-Süd direkt an der B 50 neu möglich gemacht. Auf dem 330 000 Quadratmeter großen Grundstück soll eine Produktions- und Logistikhalle von 60 000 Quadratmetern Fläche und ein 12 000 Quadratmeter-Verwaltungsgebäude mit fünf Etagen entstehen. Im Sommer 2018 will man fertig sein. Das Gesamtinvest ist mit 130 Millionen Euro angegeben worden. Dazu hieß es in einer Pressemitteilung im April: "Dieses Projekt ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Wirtgen Group und ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland, Rheinland-Pfalz, zur Region und zur Stadt Wittlich. Der Werksneubau ist eine logische und notwendige Konsequenz, um die Wettbewerbsfähigkeit weltweit auszubauen. Die steigende Nachfrage ist mit der jetzigen Produktionskapazität nicht mehr zu bedienen. Für das steigende Auftragsvolumen investiert die Wirtgen Group am Standort Wittlich in ein komplett neues Werk, mit der langfristigen Perspektive und dem Ziel, Benninghoven zu einem global führenden Unternehmen zu machen."

Das globale Unternehmen heißt jetzt John Deere. "Durch die Akquisition der Wirtgen Group erreichen wir mehr Kunden, Märkte und Regionen", zitiert Wirtgen Samuel R. Allen von Deere & Company.Extra: DIE WIRTGEN-GRUPPE UND IHRE MARKEN

Die Wirtgen Group deckt mit den Marken Wirtgen, Vögele, Hamm, Kleemann und Benninghoven den gesamten Prozesskreislauf im Straßenbau ab und beschäftigt mehr als 8000 Mitarbeiter.