Bürgerstiftung will nicht nur Defibrillatoren anschaffen

Bürgerstiftung will nicht nur Defibrillatoren anschaffen

Die Bürgerstiftung hat ihr Jubiläum nicht nur gefeiert. Selbstkritisch gesteht Initiator Ulf Hangert ein, dass die Öffentlichkeit bisher nicht genug in die Arbeiten eingebunden war und weniger Projekte zustande kamen als erhofft.

Bernkastel-Kues. Das Ziel war ehrgeizig. "Wir hoffen in einigen Jahren auf ein Stiftungsvermögen von 250 000 Euro", sagte Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, vor gut zehn Jahren im Gespräch mit dem TV. Gerade hatte er eine Bürgerstiftung ins Leben gerufen, die sieben Gründungsmitglieder mit einem Grundkapital von 87 000 Euro ausstatteten. Dazu gehören die Sparkasse Mittelmosel Eifel-Mosel-Hunsrück, die Raiffeisenbank Bernkastel-Wittlich und die VR Bank Hunsrück-Mosel. Auch ein Privatmann ist dabei.
Dieses Geld durfte und darf nicht ausgegeben werden. Es darf nur durch weitere sogenannte Zustiftungen vermehrt werden. Für Projekte und Aktionen eingesetzt werden dürfen nur die Zinserträge und Spenden.
Zehn Jahre später ist der Kontostand weit von der magischen 250 000 Euro-Marke entfernt. Und das liegt nicht nur an den historisch niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre. Hangert gesteht selbstkritisch ein, dass das Tun und die Absichten der Bürgerstiftung der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben sind. Dadurch sei weniger Geld reingekommen und es seien weniger Projekte gefördert worden als geplant.
"Die Katze hat sich in den Schwanz gebissen", sagt Hangert, der Vorsitzender der Bürgerstiftung ist. Der Vorstand habe auch den Zeitaufwand unterschätzt, der für eine erfolgreiche Arbeit notwendig sei.
Das Stiftungskapital belaufe sich derzeit auf etwa 165 000 Euro. Darin enthalten sind aber auch die 50 000 Euro der Jodocus-Prüm-Stiftung (Extra). Sie befindet sich seit etwa acht Jahren unter dem Dach der Bürgerstiftung. Ein großes Ziel der Bürgerstiftung: In jedem Ort der Verbandsgemeinde soll mindestens ein Defibrillator zur Verfügung stehen - und zwar an einem zentralen Port. Ein solches Gerät können auch Laien bedienen. Mit einem Defibrillator werden Menschen behandelt, die plötzlich über Herzrhythmusstörungen oder Kammerflimmern klagen. 22 jeweils etwa 1000 Euro teure Geräte gebe es bisher, berichtet Hangert, mehr als die Hälfte sei mit Mitteln aus der Bürgerstiftung bezahlt worden.
Grundsätzlich lautet das Ziel der Stiftung damals wie heute: Das Engagement der Bürger ist ein wichtiger Bestandteil für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Bürger können dabei Dinge selbst in die Hand nehmen. Dabei können sie von der Stiftung unterstützt werden.
Gut ein Jahr nach deren Gründung gab es ein öffentlichkeitswirksames Projekt. Die Bürgerstiftung initiierte den Ideenwettbewerb "Wir bewegen was!" Sie lobte Preise im Wert von 3000 Euro aus. 1000 Euro gingen an die Cusanus-Grundschule in Bernkastel-Kues. Das Geld wurde für die Schulsozialarbeit verwendet. Für das Projekt "Aufgeweckt und abgeschmeckt" bekam die Landjugendbewegung Erden 500 Euro. 250 Euro gingen an das Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage, das sich für das friedliche Zusammenleben von Menschen aller Nationalitäten einsetzt. Den Jugendsonderpreis (500 Euro) erhielt der Radsportverein Monzelfeld für den Bau einer Mountainbike-Strecke.
Die größte Einzelspende kam 2007 vom Hunsrückverein Bernkastel-Kues. Der hatte sich aufgelöst und musste sein Vermögen satzungsgemäß spenden. Er habe mit mehr Spenden gerechnet, gibt Ulf Hangert zu. Beispielsweise von Leuten, die bei Jubiläen auf Geschenke verzichten und lieber um Geld für den guten Zweck bitten. Die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit habe auch dies erschwert.
Die Bürgerstiftung werde nun einen neuen Anlauf nehmen. Der neue Vorstand werde sich öfter treffen, verspricht Hangert. "Vielleicht machen wir auch wieder einen Ideenwettbewerb, um ins Bewusstsein der Bürger zu kommen."
Um Projekte zu unterstützen, stehen nach Auskunft von Günter Wagner, der die Bücher führt, derzeit etwa 8000 Euro an Spenden und Zinserträgen zur Verfügung. Die Zinsen machen mit derzeit etwa 600 Euro nur einen kleinen Teil aus.Extra

Die Jodocus-Prüm-Stiftung wurde 2007 von Dr. Jost Prüm und Dr. Eckart Prüm gegründet. Die Brüder erinnern damit an ihren Vorfahren Jodocus Prüm, der 1807 in Wehlen geboren wurde. Sein Vermögen kam sozialen und kulturellen Zwecken zugute. Prüm ließ die Sonnenuhr in der gleichnamigen Wehlener Weinlage bauen. Er ließ das abgebrannte ehemalige Kapuzinerkloster "Zur heiligen Familie" in Bernkastel als Kranken- und Waisenhaus wiederaufbauen und legte den Grundstein für den Umbau der alten Wehlener Kirche in Wohnungen für arme Menschen. Die Erträge aus seiner Stiftung sollen unter anderem der Jugend und alten Menschen, der Kultur und der Kunst sowie dem Umwelt- und Naturschutz zugute kommen. cb