Bus-Chaos in den Landkreisen: Schüler müssen Fußweg in Kauf nehmen

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Bus-Chaos in den Landkreisen - Schüler müssen Fußweg in Kauf nehmen

Eltern aus Hetzerath protestieren nach Einstellung einer Buslinie nach Schweich gegen langen Schulweg.

Die Busprobleme in den Landkreisen nehmen kein Ende. So klagen immer noch Eltern und Schüler aus Salmtal und Hetzerath über schlechte Verbindungen und überfüllte Busse. Eine Bürgerinitiative in Hetzerath hat inzwischen sogar einen eigenen Lösungsvorschlag entwickelt. Sie fordert, die Busverbindung Linie 271, die in Bekond (Landkreis Trier-Saarburg) endet, weiter bis Hetzerath fahren zu lassen, damit Hetzerather Schüler, die Schulen im nahe gelegenen Schweich besuchen, wieder ohne Umwege zeitig nach Hause kommen können. Vor der Fahrplanumstellung am 1. September fuhr die Linie 271 nämlich noch bis Hetzerath. Wie der Hetzerather Ortsbürgermeister Werner Monzel berichtet, habe der Landkreis Trier-Saarburg den Lösungsvorschlag mit der Nachbesserung abgelehnt. Monzel: „Wir werden uns trotzdem nicht geschlagen geben und überlegen uns nächste Schritte für die Zeit nach den Ferien.“ Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich verweist in ihrem Antwortschreiben an die Initiative darauf, dass es eine bestehende Bahnverbindung zwischen Schweich und Hetzerath gebe. Allerdings liegt der Hetzerather Bahnhof etwa zwei Kilometer entfernt. Der Fußweg sei jedoch zumutbar. Diese Einschätzung wird von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg geteilt, wie Sprecherin Martina Bosch bestätigt: „Das bisherige Angebot der Verlängerung der Buslinie bis nach Hetzerath ist gestrichen worden, da ein zumutbares und gutes Angebot (Busverbindung Schulzentrum – Bahnhof Schweich – Regionalbahn Schweich-Hetzerath – Fußweg unter zwei Kilometer) vorhanden ist. Grundlage des neuen ÖPNV-Konzeptes ist ein klar strukturierter Takt. Außerdem sollen parallele Angebote von Bus und Bahn im Sinne einer nachhaltigen Mobilität vermieden werden.“

Auch in Salmrohr gibt es Probleme. Hier konnten Schüler wegen Überfüllung eines Busses nicht mitgenommen werden (der TV berichtete am 13. September). Durch die Umstellung der Fahrpläne wurden nicht nur Linienführungen verändert, wie in Hetzerath, sondern auch wesentlich mehr Busverbindungen eingerichtet, was in diesem Fall zu zeitweisen Personalproblemen führte.

Der Öffentliche Personennahverkehr wurde in der Region grundlegend umstrukturiert. Mit den neuen Fahrplänen sollen auch Orte angeschlossen werden, die vorher weniger oft angefahren wurden. Ganz im Sinne der Verkehrswende soll damit ein Angebot geschaffen werden, damit die Bürger im ländlichen Raum das Auto öfter stehen lassen können, um das Klima zu schonen.

Das brachte die Busbetreiber aber auch an die Kapazitätsgrenze. Wie Rolf Tödtmann von der Geschäftsführung der Rhenus-Veniro-Gruppe, zu der auch die Moselbahn gehört, dem TV erklärt, sei es schwierig gewesen, genug Fahrer für die neuen, vom Verkehrsverband Region Trier vorgegebenen Fahrpläne zu finden (der TV berichtete mehrfach).

Und so richtig rund läuft es deshalb immer noch nicht. Die Moselbahn erklärte vor kurzem in ihrem Facebook-Auftritt die Problematik und warb um Verständnis. Demnach habe die Gewährleistung der Linienverkehre nach wie vor Priorität, aber in den vergangenen Wochen habe man dem gesetzten Anspruch „nicht vollumfänglich“ gerecht werden können. Zu den Gründen zählen Lieferschwierigkeiten mit 26 neu bestellten Bussen und die Verzögerung von Visa-Anträgen für neu eingestelltes ausländisches Fahrpersonal.

Tödtmann macht auf die angespannte Lage am Arbeitsmarkt aufmerksam. Demnach seien Busfahrerstellen kaum mehr zu besetzen, zumal in den betroffenen Landkreisen Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg nahezu Vollbeschäftigung herrsche. Der Markt sei zudem durch die Ausweitung des Öffentlichen Personennahverkehrs geradezu leer gefegt.

Da die Fahrpläne und Linienbündel vom Zweckverband Verkehrsverbund Region Trier (VRT) vorgegeben werden, könne auch an der Stelle nicht nachgebessert werden.

Wie sieht nun die Prognose für die Zeit nach den Herbstferien aus? Die Antwort des Zweckverbandes: „Nach Aussage des Verkehrsunternehmens können nach heutigen Kenntnis- und Sachstand nahezu alle Linienverkehre innerhalb der Woche fahrplanmäßig erbracht werden können. Dies gilt für diese und für die kommende Woche. An den Wochenenden ist hingegen wieder damit zu rechnen, dass es zu Fahrtausfällen kommen kann. Welche Linien an den Wochenenden betroffen sind, kann derzeit jedoch noch nicht gesagt werden.“

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