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CDU-Vorstand will Kriegsbeil begraben

CDU-Vorstand will Kriegsbeil begraben

"Es ist höchste Zeit für einen Erneuerungsprozess", sagt die neue Spitze des CDU-Stadtverbands Traben-Trarbach. Der TV traf sich mit Mitgliedern Vorstands und befragte sie nach ihren Plänen.

Traben-Trarbach. "Wir sind weder ein Römer- noch ein Holzmann-Fan-Club", stellt Hubertus Kesselheim klar. Der Polizeiseelsorger ist einer der mehr als 100 Neuzugänge der Traben-Trarbacher CDU und inzwischen Beisitzer im neu gewählten Stadtverbandsvorstand. Dessen Kernbotschaft lautet: Die CDU muss wieder miteinander reden. Niemand sollte sich Gesprächen verweigern.
Damit spielen Kesselheim, der zweite Vorsitzende Heinz Mayer und Beisitzerin Dorothee Götte im Gespräch mit dem TV auf die drei Mitglieder der Stadtratsfraktion und die beiden Beigeordneten an, die in der jüngsten Sitzung erklärt hatten, nicht mehr an den Fraktionssitzungen teilzunehmen (der TV berichtete).
Hintergrund des Streits sind zum einen die Übernahme der Fraktionsspitze durch Rudolf Müller, zum anderen die unterschiedlichen Meinungen innerhalb der CDU zum Prozess gegen den ehemaligen Leiter der Tourist-Info, Matthias Holzmann. Die Stadtspitze macht ihn für das hohe Defizit des ersten Wein-Nachts-Markts verantwortlich.
Zwist beiseitestellen


Der Vorstand der Stadt-CDU dagegen fordert, die Prozesse gegen ihn einzustellen. "Hier wird das Geld der Bürger zum Fenster rausgeschmissen", sagt Götte. Stattdessen solle Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus persönliche Animositäten beiseitestellen und klare Strukturen schaffen, mit denen eine Zusammenarbeit mit dem Touristiker wieder möglich wird.
Nach dem jüngsten Arbeitsgerichtsurteil ist Holzmann theoretisch wieder im Amt, durfte seinen Dienst in der Tourist-Info aber nicht antreten.
Auch der in der Stadtratssitzung von Jutta Schneider (CDU) geäußerte Vorwurf, Römer habe sich primär von Menschen zum Stadtverbandsvorsitzenden wählen lassen, die wirtschaftlich von ihm abhängig seien, stimme nicht, sagen die Vorstandsmitglieder. Götte beispielsweise ist Anwältin, Kesselheim und Mayer, Vermessungsingenieur im Katasteramt Bernkastel-Kues, sind Landesbeamte. Sie fordern, dass die Parteimitglieder wieder miteinander ins Gespräch kommen und "um Kompromisse ringen", wie Kesselheim sagt. "Es ist höchste Zeit für einen Erneuerungsprozess."
Und warum führt dann Jürgen Römer weiter den Gemeinde- und nun auch den Stadtverband an? Zum einen habe er bei der Wahl eine breite Mehrheit gefunden, zum anderen sei er der Erfahrenste und der mit den besten Beziehungen bis in die Parteispitze, erklärt Götte. Seine Aufgabe sei es aber nicht, die Linie zu bestimmen, sondern die Meinungen zusammenzuführen, sagt Kesselheim.
Im Vorstand fänden sich durchaus auch Mitglieder, die ihn kritisch sehen. Alle seien gleichberechtigt, Römer sei kein Patriarch.
Der Vorstand sei aber nicht angetreten, "um sich ständig mit Holzmann, Weisgeber & Co. zu beschäftigen", so Mayer im Hinblick auf Verbandsbürgermeister Ulrich K. Weisgeber als einen der größten Kritiker des Tourist-Info-Leiters sowie Römers. Der Tourismus-Streit sei ein "leidiges und trauriges Randthema." Der Stadtverband arbeitet an einem Positionspapier für Traben-Trarbach, das der Stadt den Weg in die Zukunft weisen soll. Dazu wolle man im Frühjahr in Klausur gehen - und nicht akzeptieren, dass "einige wenige die Arbeit im Stadtverband blockieren".Meinung

Eine Herkulesaufgabe
Man muss sich keine Illusionen machen. Die Lager innerhalb der Traben-Trarbacher CDU - auch wenn die Partei nicht von Lagerbildung sprechen will - werden nicht mehr zusammenfinden. Schon gar nicht unter der Führung von Jürgen Römer auf der einen und Ulrich K. Weisgeber auf der anderen Seite. Die Fronten sind verhärtet, alle Akteure fürchten den Gesichtsverlust. Es geht darum, recht zu haben um jeden Preis. Dabei ist es der CDU zu wünschen, dass sie ihren Frieden findet. Das geht nur mit intensiven, offenen, ehrlichen Gesprächen ohne Schuldzuweisungen - und neuen Gesichtern. Eine Herkulesaufgabe ist fast schon ein Klacks dagegen. u.quickert@volksfreund.de