Chance für zielstrebige Bewerber
Die Agentur für Arbeit und die Deutsche Angestellten-Akademie bieten in der Hauptschule Bernkastel-Kues (ab Sommer Realschule plus) eine Berufseinstiegsbegleitung an. Das vor einem Jahr an vier Schulen des ehemaligen Regierungsbezirks Trier gestartete Berufsorientierungs- und Bewerbungs-Projekt kann erste Erfolge vorweisen.
Bernkastel-Kues. Die Ausbildung im Wunschberuf wird selten Wirklichkeit. Mal findet sich kein Ausbildungsbetrieb in der Nähe, mal sind die Anforderungen zu hoch. Umso erfreulicher sind jüngste Erfahrungen der Hauptschule Bernkastel-Kues, die seit einem Jahr eine "Berufseinstiegsbegleitung" anbietet.
Von der Kooperation mit der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) und der Agentur für Arbeit profitieren derzeit 35 Acht- und Neuntklässler, die sich teils erfolgreich vorgearbeitet haben in Richtung Traumberuf.
So etwa Marcel. Der Neuntklässler hatte von Anfang an eine Ausbildung als Koch machen wollen. Dass er nun in einem der besten Häuser der Stadt lernen wird, hätte er vor einem Jahr nicht zu hoffen gewagt. Ohne Sandy Wendel von der Deutschen Angestellten-Akademie hätte das nicht geklappt, ist er überzeugt: "Ich wusste nicht, wie man eine Bewerbung schreibt, hab einfach immer nur drauflos geschrieben." Allerdings hat er laut Wendel selbst zum Erfolg beigetragen: "Marcel ist zielstrebig - und wenn jemand motiviert ist, kann man da ansetzen."
Erstaunlich ist, dass sich die Begleitung meist auf wöchentlich 45 Minuten beschränkt. In einem eigens eingerichteten Klassenzimmerbüro suchen die Schüler via Internet nach Stellenangeboten und schreiben Bewerbungen. Dazwischen machen sie Konzentrationsübungen mit Wendel oder ihrer Kollegin Dorothee Schaal, die insgesamt wöchentlich 70 Stunden in der Schule sind, oder sie arbeiten ihre Stärken und Schwächen heraus.
Eine Mitschülerin von Marcel fand so heraus, dass der Beruf der Restaurantfachfrau für sie optimal wäre, was sie während eines Praktikums selbst testen kann. Der große Vorteil ist laut Wendel, dass Abgangsschüler die "Arbeitsweltklasse" besuchen können, die wöchentliches Hineinschnuppern in die Arbeitswelt ermöglicht. Der dadurch entfallende Unterricht wird an zwei Nachmittagen in der Woche aufgearbeitet.
Auch Sabrina weiß dank eines Praktikums nun, was ihr Traum ist. Sie will Floristin oder Gärtnerin werden. Achtklässlerin Nicole ist hingegen noch unschlüssig, ob sie lieber Hotelfachfrau oder Friseurin werden soll. Doch ein Praktikum hilft auch auf andere Weise. "Ich hatte Angst, mich telefonisch nach einem Praktikum zu erkundigen", erzählt Kevin, der glücklich ist, dass es kürzlich geklappt hat: "Ich bin über mich hinausgewachsen."
EXTRA Berufsbegleitung: Die Kosten für das bisher an vier Schulen des ehemaligen Regierungsbezirks Trier gestartete Projekt übernimmt die Agentur für Arbeit. Für 2010 sind laut Thomas Mares 331 200 Euro für dieses Projekt angesetzt. Der Angebotsumfang sei an den vier Standorten Bernkastel, Bitburg, Schweich und Wittlich in etwa gleich. Für die Berufsberater der Agenturen sei die in den Schulen angebotene Begleitung eine Entlastung. Das einzige Problem ist laut Lehrerin Ute Jungblut, dass die Nutzung des Angebots freiwillig ist. Manche Schüler, die angemeldet seien, würden ihre Chance nicht nutzen, jedoch anderen den Platz wegnehmen. Daher würde sie es begrüßen, wenn Schüler bei offensichtlichem Desinteresse ausgeschlossen werden könnten. Vor allem mit Blick auf die Engagierten, die einfach so vorbeischauten, ohne angemeldet zu sein. Laut Schulsozialarbeiterin Nadine Werner ist rund ein Viertel aller Schulabgänger im Projekt, was wegen des unterschiedlich langen Unterrichts viel Organisation verlange. (urs)