Chancen nicht vorschnell verspielen

Chancen nicht vorschnell verspielen

Ein Nationalpark Soonwald mitten im Naturpark Soonwald-Nahe. Geht das überhaupt? Von der geografischen Lage her betrachtet, wäre es kein Problem, sagt Naturpark-Geschäftsführer Marco Rohr, denn der Naturpark ist 74 000 Hektar groß, reicht von den Hunsrückhochflächen bis zum Weinbaugebiet.

Soonwald/Nahe. Ein Nationalpark Soonwald käme auf maximal 10 000 Hektar im Staatswald. Naturpark-Geschäftsführer MarcoRohr weiß von seinem Naturparkkollegen Jan Lembach (Eifel), dass dort der eingerichtete Nationalpark "keinen Schaden" angerichtet hat. Im Gegenteil: Die finanzielle Schlagkraft wurde durch staatlich geförderte Projekte deutlich erhöht.
Forstverwaltung als Träger


Diese Option sollte man in der derzeitigen Findungsphase im Soonwald nicht vorschnell aufgeben. Rohr: "Es geht noch nicht darum zu sagen, ob der Nationalpark in den Soonwald kommt oder nicht. Vielmehr will die Landesregierung wissen, ob wir bei der Auswahl der Flächen mit ins Boot wollen."
Erst sollten Modalitäten und Abgrenzung geklärt sein, ehe ein kategorisches Nein kommt. Rohr: "Das Land weiß es selbst noch nicht genau. Da kursieren viele Infos, die sich kaum bestätigen, wenn man nach der Quelle fragt." Als Naturpark-Geschäftsführer hat Rohr großes Interesse, über einen Park im Park informiert zu sein. Etwa bei der Frage der Trägerorganisation. Die liege bei Nationalparks klassisch bei der Forstverwaltung. Wer sich heute ausklinke, dürfe sich später nicht beschweren, wenn es sich anderswo positiv entwickelt, warnt Rohr vor Schnellschüssen.
Beim Naturpark habe es eine ähnliche Entwicklung gegeben. Viele waren dagegen, doch heute sind die Reaktionen positiv. Unter den 89 Mitgliedern des Naturparkvereins sind neben den beiden Landkreisen inzwischen alle Verbandsgemeinden und fast alle Ortsgemeinden vertreten. Die Schwarzmalerei vieler Kritiker habe sich nicht bestätigt.
Rohr: "Wir konnten viele Projekte realisieren. Wenn man heute fragt, wer eigentlich Nachteile hatte, dann ist die Antwort klar: niemand. Der Park hat sich gut entwickelt, das Potenzial mit nachhaltiger naturbezogener Nutzung wird zunehmend ausgeschöpft. Im Park gibt es seltene Orchideen, Trockenrasen, Fledermäuse, Wildkatzen, Biber, Schwarzstörche, Fossilien."
Allerdings ist Rohr weit davon entfernt, heute schon für einen Nationalpark "Hurra zu schreien". Dafür seien noch zu viele Fragen offen. Ein Nationalpark genieße nun einmal die höchste Schutzkategorie und damit die höchsten Restriktionen. Rohr: "Einen Nationalpark light wird es nicht geben. Den Wegfall der Holzproduktion in weiten Bereichen kann man nicht einfach schönreden." Dies zu kompensieren, sei eine schwierige Aufgabe, die die Forstverwaltung angehen müsse. Und: Die Landesregierung mit Staatssekretär Dr. Thomas Griese stehe im Wort, dass die Bürger in die Nationalparkentscheidung mit eingebunden werden. Der Trägerverein Naturpark Soonwald-Nahe wurde 2002 in Winterbach gegründet. Den Naturpark gibt es seit 5. März 2005. Informationen: www.soonwald-nahe.de

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