Chef des Wirtschaftskreises sieht Hochmoselübergang positiv

Kostenpflichtiger Inhalt: Hochmoselübergang : Hochmoselübergang: Brücke kann neue Impulse für die Wirtschaft bringen

Serie Brückenschlag: Frank Weigelt vom Wirtschaftskreis Bernkastel-Wittlich sieht positive Effekte durch den Hochmoselübergang: – besonders in Hinblick auf die derzeit gesuchten Facharbeiter.

Welche Erwartungen, welche Ängste gibt es in Hinblick auf die Öffnung des Hochmoselübergangs, die in wenigen Monaten bevorsteht? Dann soll das größte europäische Brückenbauprojekt über das Moseltal beendet sein. Dann wird es nicht mehr nötig sein, durch das Moseltal zu fahren, um von der Eifel in den Hunsrück zu gelangen. Autofahrer werden Zeit und Benzin sparen können.

Der TV fragte in den vorangegangenen vier Teilen Politiker, Geschäftsleute und Experten aus Morbach, Bernkastel-Kues und Wittlich, welche Perspektiven sie in den Themenbereichen Wirtschaft, Einzelhandel, Tourismus und Pendler sehen. Schließlich wird sich der Verkehrsfluss dann gravierend verändern. Experten rechnen mit 20 bis 30 Prozent weniger Verkehr im Moseltal.

Grundsätzlich sehen die Experten den Hochmoselübergang positiv. Allerdings gibt es in Bernkastel-Kues und in Morbach bei den Einzelhändlern leichte Vorbehalte, dass Kaufkraft nach Wittlich abwandert. An der Mosel und im Hunsrück sind aber schon Gegenmaßnahmen im Gespräch und teilweise in der Realisierung, wie etwa Event-Shopping.

Wie ist nun die Sicht aus der Perspektive des Landkreises? Frank Weigelt ist Vorsitzender des Wirtschaftskreises Bernkastel-Wittlich mit Mitgliedern aus Eifel, Mosel und Hunsrück, einem Netzwerk von Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen und in unterschiedlichen Größen. Freilich: Die meisten Betriebe finden sich im Wittlicher Tal, da dort das flächenmäßig größte Industrie- und Gewerbegebiet liegt.

Wirtschaft/Gewerbe/Pendler: Auf den Hochmoselübergang und die B 50 neu angesprochen weist Weigelt auf ein Erlebnis aus seiner Jugend hin: „Ich bin in den 1970er Jahren in Daun aufgewachsen und habe dort Abitur gemacht. Damals hatte die eine Hälfte der Lehrerschaft einen grünen Aufkleber, die andere einen roten Aufkleber auf dem Auto. Auf den grünen Aufkleber stand „A 1 jetzt“, auf dem roten „A 1 nein danke“. Damals war der Bau der Eifelautobahn ein Politikum und spaltete die Gemüter. Weigelt: „Das war 1976. Das ist jetzt 43 Jahre her. Was ist passiert? Nicht viel. Der Lückenschluss ist immer noch nicht da. Das fand ich damals schon schlecht. Brücken verbinden Regionen. Deshalb sehe ich den Hochmoselübergang sehr positiv.“ Weigelt verweist auf eine außergewöhnliche Situation in Wittlich: „Die Stadt hat 20 000 Einwohner und bietet 18 000 Arbeitsplätze. Ich kann mir vorstellen, dass aus dem Hunsrück viele Fachkräfte nach Wittlich kommen. Die Zahl der Einpendler nach Wittlich wird sich in jedem Fall erhöhen“. Vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels erschließe der Hochmoselübergang dem Wittlicher Tal ein größeres Einzugsgebiet. Er könne sich sogar vorstellen, dass Arbeitnehmer dann auch aus Idar-Oberstein nach Wittlich pendeln würden, da sich die Fahrzeit deutlich verringert.

Tourismus: Weigelt rechnet nicht mit negativen Auswirkungen auf den Tourismus: „Wer zum Beispiel nach Bernkastel-Kues will, wird auch in Zukunft dorthin fahren. Es könnte aber eine Belebung des Tourismus im Hunsrück geben. So könnten Holländer und Belgier, die sonst nur bis in die Eifel fahren, sich dann ein paar Kilometer weiter Richtung Mosel und Hunsrück vorwagen.

Hochmoselübergang. Foto: Michael Conrad. Foto: TV/Michael Conrad

Einzelhandel: Ob sich die Kundenströme im Einzelhandel gravierend verschieben bezweifelt Weigelt. „Wer nach Wittlich zur Arbeit fährt, wird dort in vielen Fällen auch seinen Einkauf erledigen“, sagt Weigelt. Das sei aber nicht unbedingt beängstigend, da sowohl Morbach als auch Bernkastel-Kues über attraktive Einzelhandelsangebote verfügen.

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