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Chemieunfall in Morbach: Bürger wollen endlich wissen, was passiert ist - Staatsanwaltschaft wartet auf Gutachten

Chemieunfall in Morbach: Bürger wollen endlich wissen, was passiert ist - Staatsanwaltschaft wartet auf Gutachten

Knapp drei Monate nach dem Austritt von Lösungsmitteln bei dem Unternehmen Schaeffler kritisieren Bürger, dass die Ursache für das Unglück immer noch nicht bekannt ist. Schaeffler verspricht Informationen, sobald die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen hat.

Morbach. Am 27. August war Morbach im Ausnahmezustand. Weil aus einem Betrieb des Automobilzulieferers Schaeffler größere Mengen des Lösungsmittels Toluol in die Kanalisation gelangt waren, waren die tiefer liegenden Ortsteile von Morbach für einen Tag evakuiert worden. Supermärkte mussten schließen und Bewohner der Bernkasteler Straße, der Bischofsdhroner Straße und weiterer Straßenzüge ihre Häuser verlassen. Erst abends ergaben Messungen der Feuerwehren, dass die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren konnten.
Doch bis heute ist unklar, wie es zu dem Austritt gekommen war, was die betroffenen Anwohner nach mehr als zwei Monaten heftig kritisieren. "Wir haben nie eine richtige Antwort auf unsere Fragen bekommen", sagt Gertrud Gellenberg aus der Bernkasteler Straße. Wie giftig ist das "Zeug" wirklich gewesen? Wie lange war das Lösungsmittel schon ausgelaufen? In einem Entschuldigungsschreiben vom 9. September, das Schaeffler an die betroffenen Haushalte in den evakuierten Straßenzügen verteilt hatte, spricht Werkleiter Lars Haufschild von einem Schadensereignis in den Morgenstunden des 27. August, einem Mittwoch. Doch Gellenberg sagt, sie habe den Geruch des Lösungsmittels bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag festgestellt.
Die Situation nennt Gellenberg daher unbefriedigend. Ihr Verdacht: "Da will man was unter den Tisch kehren, bis es sich erledigt hat, das finde ich nicht gut."
Auch Freddy und Ilka Gzyl aus der Bischofsdhroner Straße sind immer noch sichtlich aufgebracht. "Keiner fragt, wie es uns dabei ergangen ist", sagt Freddy Gzyl. "Wir hatten Ängste und waren einer hohen Nervenbelastung ausgesetzt." Montagabend seien die Wasserwerke bereits vor Ort gewesen, alarmiert von den Anwohnern. Die Entschuldigung von Schaeffler ist für ihn unzureichend. "Dreimal habe ich den Zettel in den Briefkasten bekommen", sagt Gzyl. Er vermisst die aufrichtige Anteilnahme am Schicksal der betroffenen Bewohner. Auch er vermutet, dass alles kleingetreten und verharmlost werden soll. Seine Nachbarin Gertrude Klein war sogar zwei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus gewesen. "Einmal soll das Lösungsmittel ungefährlich sein, dann gab es tote Fische in der Dhron", sagt sie.
Matthias Mederacke, Leiter der internen Kommunikation bei der Schaeffler AG, geht davon aus, dass die Anlagentechniker des Unternehmens inzwischen die Schadensursache gefunden haben, möchte diese aber derzeit nicht nennen, da die staatsanwaltlichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind.
Offiziell bestellte Gutachter würden dies überprüfen, aber das Gutachten liegt noch nicht vor, sagt er. Dies bestätigt auch Peter Fritzen, leitender Oberstaatsanwalt in Trier. Der zu beurteilende Sachverhalt sei technisch sehr komplex. Fritzen kann deshalb keine Angaben machen, bis wann mit Ergebnissen zu rechnen sei.
Schaeffler-Sprecher Mederacke: "Wir sind uns aber bewusst, dass wir noch in der Bringschuld stehen. Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, werden wir mit Detailinformationen zur Verfügung stehen - das ist ein Versprechen."
Zu den Vorwürfen einer unpersönlichen Entschuldigung meint er, dass eine große Zahl an Bürgern die Entschuldigung akzeptiert hätte. Mederacke: "Ich kann nur noch einmal wiederholen: Es tut der Werkleitung persönlich, als Industrieunternehmen und Arbeitgeber in Morbach aufrichtig leid, dass es zu dieser unangenehmen Belästigung gekommen ist."