Chinesen haben kein Interesse an Ex-Hela in Wittlich - Wer das Gelände kauft

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Chinesen haben kein Interesse an Ex-Hela in Wittlich - Wer das Gelände kauft

Der TV widerlegt das vermutlich letzte Gerücht um Verkaufsverhandlungen zum größten Leerstand Wittlichs. Jetzt steht fest, wer der Käufer des 35 000 Quadratmeter großen Areals am Rande des Stadtzentrums ist. Aber es gibt noch weitere Probleme.

Kein Leerstand beschäftigt die Wittlicher seit Jahren  derart intensiv wie der ehemalige Hela-Baumarkt am Rande des Stadtzentrums. Auf dem großflächigen Kundenparkplatz hinter dem Bauzaun, an dem über Jahre das Plakat eines Immobilienmaklers hing, wuchert das Unkraut hüfthoch. Das abgesperrte Areal, das seit dem Jahr 2012 brachliegt, war von November 2015 bis Juni 2016 kurzfristig als Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) genutzt worden. Seitdem herrscht wieder Leerstand. Aber Moment, so ganz stimmt das auch nicht. 2018 nahm die Polizei dort eine Frau und einen Mann fest, die sich im ehemaligen Baumarkt einquartiert hatten und von ihrem Unterschlupf aus mit Drogen handelten. Doch auch das war nur eine kurze Unterbrechung des Leerstandes seit der Schließung des Baumarktes im Jahre 2012.

Von Zeit zu Zeit kursieren Gerüchte, das Gelände sei verkauft worden. TV-Recherchen dazu belegten bislang jedoch stets das Gegenteil wie zuletzt auch im Februar 2019: Damals zeigten sich die Eigentümer des Bauzentrums Hieronimi gleich von nebenan an einem Kauf des 35 000 Quadratmeter großen Geländes interessiert. Eigentümer des ehemaligen Baumarktes ist die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone, deren Tochterfirma Multi Germany GmbH für den Verkauf des Geländes zuständig ist.

Doch Sabine Uhle von Hieronimi erklärte im vergangenen Jahr auf TV-Anfrage: „Wir haben das Gelände nicht gekauft.“ Die Sache sei vom Tisch, hieß es. Auf die Frage, ob denn noch Interesse an einem Kauf bestehe, gab es im vergangenen Jahr von Hieronimi keine Auskunft mehr.
Nun kursieren erneut Gerüchte: In der Stadt erzählt man sich, Chinesen hätten das Gelände gekauft – und das auch noch zu einem horrenden Preis. Hört, hört! Es erstaunt doch mal wieder, welche Details sich in der Gerüchteküche zu einem mutmaßlichen Verkauf erzählt werden. Der TV hakt nach und konfrontiert den Eigentümer mit dem Gerücht, demnach Chinesen das Areal gekauft hätten.

Daniel Frischkopf, Marketingleiter der Multi Germany GmbH, antwortet auf TV-Anfrage: „Bitte haben Sie Verständnis, dass Details zum Verkauf sowie der weiteren Nutzung eines Objektes während des Prozesses verständlicherweise der vertraglich festgelegten Vertraulichkeit unterliegen. Wir werden Sie aber natürlich zu gegebener Zeit gerne informieren.“

Von Seiten der Eigentümer gibt es also keine Auskunft. Aber warum nicht nochmal bei Hieronimi nachfragen? Vielleicht ist ja dort doch noch etwas Neues zu erfahren? Zum angeblichen Verkauf des Ex-Baumarktgeländes an chinesische Investoren sagt Hieronimi-Geschäftsführer Benedikt Uhle: „Der Verkauf an chinesische Investoren ist nur wieder ein weiteres Gerücht, welche fast monatlich auftauchen.“ Wie allerdings aus Uhles Schreiben hervorgeht, und das ist wohl die überraschendste Nachricht, sind die Verhandlungen zwischen Hieronimi und der Multi Germany GmbH gar nicht so tot, wie es die Stellungnahme des Unternehmens von Februar 2019 nahelegte.

Denn Uhle schreibt: „In dem von Ihnen angesprochenen Verkaufsprozess liegen sehr komplexe Rechtssituationen der Verkäuferseite vor, welche eine langwierige Abwicklung der notwendigen Schritte erfordern. Dies ist der einzige Grund für den für Außenstehende scheinbaren Stillstand in dieser Sache.“

Er sagt: „Die grundlegende Verkaufsvereinbarung besteht seit nunmehr über zwei Jahren.“ Demzufolge sind sich die Multi Germany GmbH und Hieronimi bereits seit zwei Jahren grundsätzlich über das Immobiliengeschäft einig. Die Abwicklung erfordert jedoch Zeit. Auf eine weitere  TV-Nachfrage konkretisiert Uhle seine Aussage: „Der notarielle Kaufvertrag ist unterzeichnet, jedoch benötigt die Umsetzung im Grundbuch etwas Zeit; behördlich sind alle wesentlichen Zustimmungen erfolgt.“ Hört, hört! Hieronimi hat den Ex-Hela-Baumarkt also gekauft. Zu Details wie dem Kaufpreis sowie zu dem, was Hieronimi auf dem Gelände vor hat, möchte Uhle noch nichts sagen.

„Weitere Informationen darf ich aktuell aufgrund der Vereinbarungen im laufenden Verfahren nicht erteilen; nach endgültigem Abschluss des Verfahrens ist das in unserem eigenen Ermessen gegeben und sinnvoll.“

Was weiß die Stadtverwaltung, der TV hat auch dort nachgefragt und Pressesprecher Rainer Stöckicht antwortet: „Wir bestätigen, dass die weitere Entwicklung des Hela-Geländes in enger und vertrauensvoller Abstimmung zwischen Herrn Uhle und der Stadtverwaltung erfolgt. Anderslautende Gerüchte können wir nicht bestätigen.“ Demnach steht der Käufer also fest. Die Übertragung des Eigentums im Grundbuch scheint jedoch vor einigen Problemen zu stehen. Welche das sind, dazu schweigen Eigentümer, Käufer und Stadtverwaltung.

Dennoch scheinen die Tage von Wittlichs größtem Leerstand nun also gezählt. Man darf gespannt sein, was die Baustoffhändler von Hieronimi mit dem Areal vorhaben.