Christen und Muslime treffen sich bei Pax Christi

Christen und Muslime treffen sich bei Pax Christi

Pax Christi ist deutschlandweit aktiv. Eine Gruppe ist in Wittlich. Sie besteht aus 20 Mitgliedern und hat in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt auf den Dialog zwischen Christen und Muslimen gelegt. Ein Vortrag über die Situation in Afghanistan findet am Dienstag, 27. September, statt.

Wittlich. Waffenexporte, Beratung von Wehrdienstverweigerern, Nachrüstung und Bundeswehreinsätze im Ausland waren die Themen, die Pax Christi in den 1980er Jahren in Wittlich sehr beschäftigten. Inzwischen sind Mitglieder der Gruppe Mitorganisator des Ostermarsches in Büchel und sie setzen sich seit Jahren für den Dialog von Christen und Muslimen ein. Wichtig ist ihnen dabei, dass sie langfristig im Dialog bleiben und dass sich die Religionen mit ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden kennen lernen. Begonnen haben diese Gespräche nach dem 11. September 2001, dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York. "Damals fühlten sich die Muslime unter Generalverdacht und mussten sich rechtfertigen. Mit Tahir Dogan, der damals Dialogbeauftragter der DITIB-Moscheengemeinde war, haben wir dann mit den Gesprächen begonnen", berichtet Rudi Kemmer. Themen sind beispielsweise gewesen: "Hiob in Bibel und Koran" oder "religiöse Überzeugungen im Krankenhaus". Dabei bekennt sich Pax Christi zum christlichen Glauben und orientiert sich am christlichen Evangelium.Zu diesen Veranstaltungen, kommen meist zwischen 20 und 30 Besucher. "Die Veranstaltungen sind öffentlich und wir wollen damit nachhaltig arbeiten, es können Fragen gestellt werden. Schade ist es, dass Menschen, die dem Islam gegenüber kritisch eingestellt sind, kaum noch kommen und das Gespräch suchen", sagt Joachim Willmann. Dass es gegen die Flüchtlingsunterkunft in Wittlich keine Einwände gab, führen sie auch ein wenig auf ihren langjährigen Dialog zurück.
In der Stadt Wittlich ist Pax Christi sehr gut vernetzt, mit den kommunalen Stellen, den Kirchen und anderen Organisationen. Als 2015 in Frankreich Anschläge verübt wurden, haben sie sich mit der Kirche, der jüdischen Gemeinde, den Kommunen und den Muslimen zu einem Teilnehmerkreis zusammengeschlossen, der sich gemeinsam gegen Gewalt im Namen Gottes ausgesprochen hat. Das wurde in verschiedenen Medien veröffentlicht und bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz in Wittlich vorgetragen. Zudem sind sie beim Runden Tisch "Integrationspartner", beim Friedensgebet und bei Veranstaltungen des Dekanats dabei. "Wir sind sehr aufmerksam und hellhörig wie sich die Stimmung zwischen den beiden Religionen entwickelt und merken, dass man momentan auf Distanz zueinander geht", so Kemmer. Joachim Willmann ergänzt: "Sollten wir spüren, dass von der Bevölkerung eine Aktion zu bestimmten Themen, wie im vergangenen Jahr zu "Wir sind Wittlich" gewünscht ist, haben wir die Kontakte, das zu organisieren. Aber momentan ist das nicht da."
Auf Bundesebene setzt sich Pax Christi unter anderem für eine neue Friedenspolitik ein, die keine vorwiegend militärische Sicherheitspolitik sein soll. In Wittlich wird am kommenden Dienstag Matin Baraki sprechen, der in Afghanistan geboren ist und als Politologe an der Universität Marburg lehrt. Durch Kontakte zu Pax Christi auf Bistumsebene konnte man diesen Referenten einladen. "Afghanistan rückt in der deutschen Öffentlichkeit nur noch in den Blick, wenn es dort einen Anschlag mit vielen Toten gibt oder um die Abschiebung von Flüchtlingen. Aber das Land hat immer noch sehr viele Probleme", erklärt Rudi Kemmer. Weiter sagt er: "Mit Herrn Baraki können wir uns jetzt genauer über die politische und soziale Situation informieren."
Der Vortrag findet, am 27. September, um 19.30 Uhr im Jugend- und Pfarrheim St. Bernhard statt. Der Eintritt ist frei. chb
Extra

Matin Baraki. Er ist Afghane und Politologe der Universität Marburg. Herr Baraki, wann waren Sie zuletzt in Afghanistan? Matin Baraki: Ich bin Ende März 2016 von einer sechswöchigen Reise aus Afghanistan zurückgekehrt. Wie ist die Situation dort derzeit? Baraki: Viele Menschen haben durch den 37-jährigen Krieg und seine Folgen jede Hoffnung verloren. Jeder, der kann, verlässt das Land. 47 Prozent der jugendlichen Flüchtlinge in Deutschland kommen aus Afghanistan. 40 Prozent der afghanischen Diplomaten, deren Amtszeit abläuft, gehen nicht nach Afghanistan zurück. Nach Angaben der Bundesregierung leben 80 Prozent der afghanischen Bevölkerung an der untersten Existenzgrenze. Menschen- und Frauenrechte werden eklatant verletzt. Afghanistan ist Weltmeister bei der Drogenproduktion und Vizeweltmeister bei der Korruption. Die Wirtschaft des Landes ist durch den Krieg fast völlig zerstört. 99 Prozent aller Waren, die auf dem afghanischen Markt zu kaufen sind, kommen aus dem Ausland. Was macht Ihnen Hoffnung? Baraki: Wenn die UNO dabei helfen würde, dass die Afghanen über ihre politische Repräsentanten und Strukturen selbst bestimmen könnten, gehe ich davon aus, dass das Land eine Perspektive bekommen würde. Meine Hoffnung basiert auf der Bevölkerung, die inzwischen genau weiß, was für sie gut und was schlecht ist. Zu dieser Meinung bin ich durch meine zahlreichen Gespräche vor Ort gekommen. chb

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