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Christof Krieger hat sich mit jüdischen Vergangenheit in Traben-Trarbach beschäftigt

Historisches : Auf den Spuren der jüdischen Geschichte

Der Leiter des Mittelmosel-Museums, Christof Krieger, hat sich intensiv mit der jüdischen Vergangenheit in Traben-Trarbach beschäftigt und dabei einiges herausgefunden.

Christof Krieger, Leiter des Mittelmosel-Museums, hat zur jüdischen Geschichte in Traben-Trarbach einen umfangreichen Rundgang durch Trarbach erarbeitet.

Vor mehr als zehn Jahren gab es wegen einer Gedenktafel der ermordeten jüdischen Mitbürger Streit in Traben-Trarbach. Grund dafür war die Position, an welcher die Tafel angebracht werden sollte (der TV berichtete). Krieger nahm das als Anlass, über die jüdische Geschichte der Stadt aufzuklären.

Seine Erkenntnisse teilte er vor Kurzem mit Schülern des Gymnasiums Traben-Trarbach. Die Arbeitsgemeinschaft Schule-ohne-Rassismus veranstaltete mit seinen Informationen unter dem Namen „Jüdische Häuser in Traben-Trarbach“ ein Geocaching-Projekt. Geocaching ist eine Art Schnitzeljagd, mit der man über geografische Koordinaten zum Ziel gelangt.

Die Tour führt zu vielen Gebäuden in Trarbach, die eine wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte spielen. Krieger gab dem TV eine private Rundführung.

Gleich am Anfang erklärt der Museumsleiter: „Eine lange jüdische Geschichte gibt es gar nicht in Traben-Trarbach. Tatsächlich ist eine richtige Gemeinde erst nach der Jahrtausendwende um 1900 entstanden.“ Häufig erwähnt er den Namen Schoemann, der die jüdische Geschichte in Trarbach sehr geprägt habe. Insgesamt habe es zehn jüdische Familien gegeben, von denen ganze sechs diesen Namen getragen haben sollen.

Bei der ersten Station in der Brückenstraße zeigt Krieger das ehemalige Kaufhaus Schoemann. Dort habe Siegmund Schoemann ab dem Jahr 1905 Kleidungsstücke verkauft und das Geschäftshaus habe sich zu einem der bedeutendsten Kaufhäuser der Moselregion entwickelt. Wer zur NS-Zeit dort seine Einkäufe erledigen wollte, habe mit einem Drohbrief rechnen können. Dies sei unabhängig von der sozialen Stellung geschehen, sodass selbst Beamte diese Drohungen erhalten hätten.

An der nächsten Station in der Moselstraße befinden sich weitere drei ehemalige jüdische Geschäftshäuser. Zu den Geschichten kann der Museumsleiter einige Bilder und Dokumente zeigen, wie beispielsweise Geschäfts- oder aber auch Sterbeanzeigen. „Bis auf eine Familie waren alle jüdischen Familien im Stadtteil Trarbach ansässig, wo sie zumeist Einzelhandelsgeschäfte betrieben“, erklärt Krieger.

Am Rathaus erzählt der Museumsleiter von der Diskriminierung der Juden und der Machtergreifung im Jahr 1933. Es wirkt, als sei dies ein bedeutender Ort für die jüdische Geschichte in Traben-Trarbach gewesen. Die Aufhängung eines Stürmerkastens oder diverse Hetzartikel gegen ortsansässige Juden, die Krieger an der Station zeigt, veranschaulichen den negativen Einfluss der NS-Zeit. Anhand eines Bildes vom Rathaus aus den frühen 1930ern sieht man das nationalsozialistisch geprägte Traben-Trarbach. Dabei fällt auf, dass das damalige Gebäude noch fast genau wie heute aussieht.

Auf einem Schleichweg, den laut Krieger selbst viele Ortsansässige nicht kennen, führt der Weg an einem Betsaal vorbei. Diesen hätten die Trarbacher Juden für ihre täglichen Gebete genutzt.

 Christof Krieger macht in Traben-Trarbach einen Rundgang über die jüdische Geschichte in der Stadt.
Christof Krieger macht in Traben-Trarbach einen Rundgang über die jüdische Geschichte in der Stadt. Foto: TV/Angelina Burch
 Christof Krieger macht in Traben-Trarbach einen Rundgang über die jüdische Geschichte in der Stadt.
Christof Krieger macht in Traben-Trarbach einen Rundgang über die jüdische Geschichte in der Stadt. Foto: TV/Angelina Burch

Die Tour endet wieder am Mittelmosel-Museum, an dem die Tafel zum Gedenken der Opfer der NS-Zeit angebracht ist. Krieger erzählt, dass der Großteil der Traben-Trarbacher Juden diese Zeit nicht überlebt hätte. Siegmund Schoemann, der Inhaber des Kaufhauses, sei mit seiner Frau in Ausschwitz ermordet worden.