Chronist verzweifelt gesucht

MORBACH. Bischofsdhron hat eine. Haag hat eine. Elzerath ebenso. Gonzerath bekommt eine. Nur in Morbach fehlt sie. Die Rede ist von einer Chronik über das Dorf. Warum das so ist, das wollte der TV wissen.

"Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt", sagt Hans Jung offen. Liegt es etwa daran, dass die Morbacher Geschichte weniger interessant ist als die anderer Dörfer? Wohl kaum. "Es hat sich noch niemand so recht 'rangetraut", vermutet der Morbacher Ortsvorsteher eher als Ursache. Jedenfalls ist das Fehlen eines Morbacher Geschichtsbuchs kein Ausdruck mangelnden Interesses. Während eine Chronik anderswo häufig aus Kostengründen auf die lange Bank geschoben wird, ist das in Morbach nicht der Fall, versichert der Vorsteher. Das Hauptproblem ist wohl die Personalfrage. Niemand müsse das allein machen, versichert Jung, aber bei einer Person müssten die Fäden zusammenlaufen. Da in Morbach eine ganze Reihe von Heimatforschern aktiv ist, will Jung ungern einen völlig Fremden beauftragen. "Eine Chronik ist wichtig für unseren Ort", macht der ehemalige Lehrer deutlich, dass er selbst einem solchen Vorhaben positiv gegenüber steht. Gemeinsam mit seinen Beigeordneten Georg Schuh und Erwin Weber wollte er das Thema ohnehin in dieser Legislaturperiode aufgreifen. Die Anfrage des TV kommt ihm daher wie gerufen. Trotz fehlender Chronik liegt die Geschichte Morbachs nicht gerade im Dunkeln. Laut Berthold Staudt gibt es eine ganze Reihe von Werken, die Aufschluss über Teilbereiche der Morbacher Geschichte geben: von der Pfarrchronik über die Kreisjahrbücher bis zu vielen Aufsätzen in der "Hott", der Publikation des Morbacher Hunsrückvereins. Viele Aspekte seien schon sehr gut beleuchtet. So habe sich Klaus Peter Decker ausführlich mit der Geschichte der Gasthäuser im Ort beschäftigt. Auch die Historie der Bildhauerei sei gut aufgearbeitet. Und viel Wissenswertes hat Klemens Schell in einem Werk über die Ortskernsanierung zusammengetragen. Dennoch, eine einfache Angelegenheit werde das Realisieren eines solchen Werks nicht. "Das wird ein dickes Buch werden", ist sich Karl-Heinz Bernardy vom örtlichen Hunsrückverein sicher. Allein der Umfang schrecke ab. "Hauptsächlich müssen die Dinge, die bereits erarbeitet sind, zusammengetragen werden", hält Berthold Staudt dagegen. Der Kämmerer der Einheitsgemeinde liebt nicht nur Zahlen, sondern hat sehr gute Kenntnis über Morbachs Vergangenheit. "Morbach war früher ein Kuhdorf", sagt er ein wenig despektierlich, um dann in ein paar Details einzusteigen. Der Amtssitz war früher Merscheid, Bischofsdhron dagegen einer der ältesten Pfarrorte. Morbach wurde erst bedeutender, "als die Märkte nach Morbach kamen", blickt Hermann Bohn zurück. Marktrecht bekam der Ort im 17. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Ort sage und schreibe 18 Kram- und Viehmärkte. Auch die Bahnlinie habe eine wichtige Rolle gespielt. Denn mit den Gleisen kam die Holzindustrie nach Morbach. Wer im Hunsrück keine Arbeit fand, der pendelte mit der Bahn ins Saarland. Sommerfrischler eroberten Morbach per Schienenverkehr. Und die Schulkinder fuhren mit der Bahn zum Gymnasium nach Simmern. Zum Beispiel Edgar Reitz, der berühmteste Sohn des Ortes. Liebe Leser, wie wird Morbach im Jahr 2020 aussehen? Schicken Sie uns Ihre persönliche Vision (maximal 30 Zeilen á 32 Anschläge) per E-Mail an hunsrueck@volksfreund.de oder per Fax an 06503/981625.