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Concorde ließ den Hunsrück staunen

Geschichte : Die Concorde ließ den Hunsrück staunen

Am 2. März 1969, vor genau 50 Jahren, hob die Concorde zum Erstflug ab. Die überschallschnelle Maschine landete 1996 und 2000 am Hunsrück-Flughafen Hahn.

Wer kennt noch Peter Stuyvesant? Es ist eine Zigarettenmarke, deren imaginärer Namensgeber ein moderner, jetsettender Mann war. Nicht umsonst hieß der Slogan damals: “Der Duft der großen weiten Welt”. Der Protagonist dieser Werbung bewegt sich gern in mondänen Gefilden, also Monaco, Rio oder New York. Und wie reist ein Mann von Welt Mitte der 1970er Jahre dorthin? Natürlich mit der Concorde. Denn das Gemeinschaftsprojekt der französischen Aerospatiale und der britischen British Aircraft Corporation ist das schnellste und modernste Transportmittel seiner Zeit. Morgens in 3,5 Stunden von London oder Paris kurz nach New York zum Shoppen oder Geschäftstermin, gleich zurück und abends ist man schon wieder Zuhause.

Am Tag ihres Erstflugs im südfranzösischen Toulouse, dem 2. März 1969, geht es aber zunächst nur kurz in den Himmel. Gerade mal eine halbe Stunde dauert die Premiere am Himmel. Die Verantwortlichen wollen keinerlei Risiko eingehen.

Vier Wochen später hebt auch der britische Concorde-Prototyp zum Erstflug ab. Die französische und die britische Regierung hatten 1962 beschlossen, gemeinsam und mit je 50 Prozent Anteil das überschallschnelle Passagierflugzeug zu entwickeln. Dass es nach den Erstflügen 1969 noch weitere sieben Jahre dauert, bis die Concorde tatsächlich im Linendienst überschallschnell Metropolen der Welt verbindet, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

 Es dauert aber noch einige Zeit, bis der Donnervogel auch auf den Hahn kommt. Am 24. August 1996 schwebt eine Maschine der Air France am Hunsrück-Flughafen ein. Die Maschine sollte damals den Flughafen Hahn bekannter machen. Am Tag der Ankunft auf dem Hahn hatten sich viele Tausend Zuschauer aus dem Hunsrück gen Flughafen aufgemacht, um den Donnervogel einmal landen und wieder abheben zu sehen. Auch bei “Hahn in Motion” vier Jahre später gibt es eine Concorde zu bestaunen.

 Von Tausenden Zuschauern bewundert: Auf dem Flugplatz Hahn steht die Concorde, deren Absturz ein paar Wochen später 113 Menschen das Leben kostete.
Von Tausenden Zuschauern bewundert: Auf dem Flugplatz Hahn steht die Concorde, deren Absturz ein paar Wochen später 113 Menschen das Leben kostete. Foto: hoff ludwig

Die zur Landung um mehr als zehn Grad absenkbare Rumpfspitze der Concorde ist damals ein absolut ungewohnter Anblick. Aber ohne diese nach unten schwenkbare Nase könnten die Piloten die Runway gar nicht sehen. Diese technische Innovation gibt es bei keinem anderen Flugzeug, ausser bei der russischen Überschall-Verkehrsmaschine Tupolew Tu-144. Sie wird in der gleichen Ära entwickelt, fliegt einige Monate früher und ist vergleichbar schnell wie ihr britisch-französisches Pendant. Die auch optisch ähnlich aussehende Maschine sorgt im Westen unter dem Spitznamen “Concordski” für großes Aufsehen sowie wechselseitige Industriespionage-Vorwürfe.

Extrem beneidet werden die
Glücklichen, die an Bord dieses Flugzeugs zurück nach Paris gehen dürfen. Manch einer der Zaungäste auf dem Hahn würde sich aber vermutlich wundern, wie eng es an Bord zugeht, obwohl alle Plätze “First Class” sind. Vier schmale Sitze gibt es pro Reihe, durch einen kleinen Mittelgang getrennt, und alles in der Kabine ist ziemlich knapp bemessen. Die extreme Aerodynamik für doppelte Schallgeschwindigkeit fordert ihren Tribut in Form von Nehmerqualitäten bei den Passagieren. Auch die Sicht nach draußen ist nicht wirklich opulent, denn die Fenster sind aus Gründen der Hitzebeständigkeit deutlich kleiner als in heutigen Airlinern. Das ist den meisten aber egal – der Status zählt. Schließlich fliegen in der Concorde gerne Filmstars, Industrielle oder auch mal die britische Queen in Sitzreihe eins. Passagiere befinden sich also immer in illustrer, auf jeden Fall aber solventer Gesellschaft. Denn die Tickets sind sündhaft teuer. Etwa 20 Prozent höher als ein First-Class-Ticket in einer Unterschall-Verkehrsmaschine.

Trotzdem macht die Concorde, von der nur 16 Serienflugzeuge gebaut werden, angeblich kein Plus im Liniendienst, egal ob bei Air France oder British Airways. Was der Concorde neben ihrem extremen Spritverbrauch und den hohen Lärmwerten aber letztlich den Garaus macht ist auch fehlende Reichweite. Etwas über 6000 Kilometer sind es maximal. Das ist für viele populäre Strecken zu wenig, und Überschall darf wegen der Lärmbelastung für die Bevölkerung nur über Wasser geflogen werden. Doch es gibt Ausnahmen. Angeblich erlauben die DDR-Offiziellen beim ersten Abstecher einer Air-France-Concorde 1986 zur Messe nach Leipzig, dass die Maschine von der Ostsee her kommend über norddeutschem DDR-Territorium noch eine Weile Überschall mit Mach 1.5 fliegen darf. Der verblüffende Hintergrund – viele DDR-Jagdflugzeuge machen das dort wohl ebenfalls. Die ostdeutsche Bevölkerung ist daher den Überschallknall quasi gewöhnt.

Unweit des Pariser Flughafens Charles-de-Gaulle kommt es am 25. Juli 2000 zum tragischen Unfall einer Air-France-Concorde. Ein kurz zuvor gestarteter Airliner verliert ein Metallteil, das unbemerkt auf die Runway fällt. Dieses schlitzt kurz darauf beim Überrollen einen Reifen der startenden Concorde auf, dessen Bruchstücke in die Fläche hochschleudern und einen Tank beschädigen. Das anschließende Treibstoffleck lässt die Maschine Feuer fangen und zwei Triebwerke stark an Leistung verlieren. Das brennende Flugzeug wird daraufhin unkontrollierbar. Beim Absturz sterben 109 Menschen an Bord sowie vier weitere Opfer am Boden. Alle Concorde bekommen ihre Flugtauglichkeit entzogen.

Von Mitte September 2001 an brechen die Buchungszahlen nach den Anschlägen auf das World Trade Center in den USA durch verunsicherte Kunden drastisch ein. 2003 gehen die Concorde von British Airways und Air France aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit endgültig in den Ruhestand.

Mittlerweile sind alle übrig gebliebenen Maschinen auf Museen weltweit verteilt. Eine davon kann im südwestdeutschen Technikmuseum Sinsheim besichtigt werden.