Coole Hosen, aber unhygienisch

Sie sind meistens knallbunt, schlabberig und sehr lang: Wenn Mann heutzutage die Badehose einpackt, greift er gerne zu wadenlangen Badeshorts. Die Schwimmmeister sehen diese Mode weniger gern. Sie seien unhygienisch und belasteten das Badewasser. Die Stadt Wittlich gibt nun vor, welche Hosen getragen werden dürfen.

Wittlich. Die Stadt Wittlich sieht sich veranlasst, die Besucher des Vitelliusbades auf die "richtige" Badekleidung hinzuweisen. Grund: Viele Jungen und Männer bevorzugten lange Bermudashorts. Dieser XXL-Look sei unhygienisch. Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung Wittlich: "Bei solchen Hosen besteht eine größere Verkeimungsgefahr. Die Wasserqualität wird schlechter. Dann muss nachgechlort werden."
Mußweiler berichtet, dass manche Besucher unter den Badeshorts auch ihre Unterhose tragen. "Das geht ja wohl nicht", sagt er. Außerdem hätten viele Shorts Taschen, in denen sich oftmals Schmutz befinde - beispielsweise gebrauchte Papiertaschentücher. Diese würden aufgeweicht und die Flusen landeten im Wasser. Das belaste die Filteranlagen zusätzlich. Laut Badeordnung ist der Aufenthalt in den Schwimmbecken des Vitelliusbades nur "in üblicher Badekleidung" gestattet. Doch was ist üblich?
In Wittlich gilt: Die Badekleidung sollte in jedem Fall oberhalb des Knies enden und keine Taschen haben. In den Trierer Bädern an den Kaiserthermen und Trier-Süd lautet die Vorschrift: Die Badehosen dürfen maximal knielang sein und es ist nicht gestattet, mehrere Hosen übereinander zu tragen.
Letztlich entscheidet der Bademeister am Beckenrand, was erlaubt und was nicht erlaubt ist.
Mußweiler: "Der Bademeister hat das Hausrecht und kann im schlimmsten Fall einem Besucher Hausverbot erteilen."
Im Schwimmbad Kröv sieht man das Problem mit den extralangen Badehosen etwas gelassener. Schwimmmeister Udo Römer berichtet von einem Fall vor einigen Jahren. Ein Jugendlicher sei mit einer Dreiviertel-Badehose ins Wasser gesprungen. Römer: "Ich habe ihn aufgefordert, die Hose hochzukrempeln und beim nächsten Mal eine kürzere Hose anzuziehen. Ich konnte ihn doch bei 35 Grad nicht aus dem Wasser schmeißen."
Patrick Schneider, Schwimmmeister-Gehilfe im Freibad Bernkastel-Kues, hält es für schwierig, eine "erlaubte" von einer "unerlaubten Hose" zu unterscheiden. Die Bademode habe sich gewandelt, in den Fachgeschäften würden auch Schwimmshorts verkauft, die übers Knie reichen. Einschreiten müsse man aber, wenn es sich ganz offensichtlich um eine Alltagshose handele.
Neben der Hygiene gibt es noch ein weiteres Problem und auch darauf weist die Stadt Wittlich hin: Häufig seien die langen Shorts aus Baumwolle, die sich voll Wasser saugen. So werde viel Wasser aus dem Becken getragen, das dann wieder mit Warmwasser nachgefüllt werden müsste.
Übrigens: Lässige Surferhosen sind laut Modeexperten in diesem Sommer out. Angesagt sind enger geschnittene Shorts in allen möglichen Farben.Meinung

Es ist eine Zumutung
Es soll junge Leute geben, die kommen abends verschwitzt ins Schwimmbad, ziehen sich das T-Shirt aus und springen ungeduscht mit ihrer überlangen Badehose, die sie möglicherweise schon den ganzen Tag über getragen haben, ins Wasser. Pfui Deiwel. Das ist eine Zumutung für die anderen Badegäste. Gutes Zureden hilft meistens nicht. Viele haben die Einstellung: "Ich mach was ich will, die anderen können mich mal." Deshalb müssen Verbote her. Nur so lernen manche Anstand. w.simon@volksfreund.de Mit Sicherheit gibt es junge Leute, die abends verschwitzt ins Schwimmbad kommen und ungeduscht mit der langen Hose ins Becken hüpfen. Aber ist das Problem wirklich die lange Hose oder nicht viel mehr das fehlende Hygienebewusstsein von wenigen Badegästen? Viel ekelhafter sind doch die Beckenpinkler, deren Urin das Wasser erst nach Chlor riechen lässt. Das kann man natürlich nicht überprüfen. So scheint es, dass mit der Hose einfach ein anderer Sündenbock gefunden werden musste. s.klipp@volksfreund.de