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Cordhosen und "rebresistente" Strickjacken

Cordhosen und "rebresistente" Strickjacken

Eine lange Tradition hat der Trarbacher Markt, der am kommenden Sonntag und Montag vermutlich wieder viele Besucher ins Städtchen locken wird. Die gebürtige Traben-Trarbacherin Madlen Roth aus Ediger Eller erzählt, wie es früher beim Markt zuging.

Traben-Trarbach. (GKB) Aus der 86-jährigen Madlen Roth sprudelt es nur so hervor. Bitterkalt sei es immer gewesen, wenn sie als Kind Mitte Dezember mit der Mutter zum Trarbacher Markt ging. Überall fanden sich Stände, am Rathaus wurden Töpfe, Krüge und Geschirr aus dem Westerwald verkauft, in der Grabenstraße gab es Spielzeug "und an Veldens Eck in der Brückenstraße stand der billige Jakob", erzählt Madlen Roth. "Leute kauft, Leute kauft, heute bin ich noch hier, morgen ist der Jakob schon wieder in Trier", habe er gerufen und seine Bananen unter die Leute geworfen. Auch in den Seitenstraßen und in der Enkircher Straße herrschte reges Treiben. "Hauptsächlich wurden damals Socken aus Schafwolle angeboten, Strickjacken, warme Kappen, Bett- und Unterwäsche sowie Gardinen." Das bestätigen auch Heinz Knod und Kunigunde Gollmann aus dem Altenzentrum Ida-Becker-Haus. "Die Händler kamen aus dem Hunsrück und der Eifel, und die besten Küchenmesser gab es auf dem Trarbacher Markt", erinnert sich Knod. Paula Heinz-Metzger hat in einem Gedicht beschrieben, wie es 1912 auf dem Markt zuging, und Madlen Roth zitiert: "Vom Hunsrück kamen die Bauersleut`, und nicht per Auto oder Bus wie heut! Sie kauften Wämmesch mit zwei Reihe Knäpp und warme Kappe für off ihre Köpp."

Kunigunde Gollmann schwärmt heute noch von Zuckerwatte, gebrannten Mandeln und Zuckeräpfeln. "Kullmers Sepp reiste als fahrender Händler aus Kövenig an und verkaufte den Winzern warme Cordhosen", erinnert sie sich. "Länge mal Breite — was der gesagt hat, das passte", lobt sie Sepp, der auch maschinell gestrickte Jacken anbot. "Damit blieben die Winzer nicht an den Reben hängen", weiß Gollmann.

Heinz Knod berichtet, dass es auch Spitzbuben gegeben habe. "Die kauften in den Fabriken Waren zweiter Wahl und wollten sie den Leuten hier andrehen." Als kleiner Junge machte er selbst einmal eine unliebsame Erfahrung. "Die Mutter hatte mich losgeschickt, um zehn Meter Durchzieh-Gummi zu kaufen, und als sie zu Hause nachgemessen hat, waren es nur sieben." Und: "Montag war der Haupttag", sagt Heinz Knod. "Dann war auch der Feuerwehr-Frühschoppen." Und Kunigunde Gollmann ergänzt, was die Trabener damals dabei gerne gesungen haben: "Trarbacher Markt, Kartoffelsalat, Essigessenz, Trarbacher Penz."

Extra Wie geht es weiter mit dem Markt? "Die Händler bevorzugen Weihnachtsmärkte, bei denen sie einige Wochen und nicht nur zwei Tage vertreten sind", sagt Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus im Gespräch mit dem TV. Dies könne Traben-Trarbach jedoch nicht bieten. Erwogen werde, den Markt im nächsten Jahr nur noch sonntags zu öffnen. "Wir werden die Aussteller fragen, wie die Resonanz war und dann entscheiden". Nichtsdestotrotz geht es in diesem Jahr rund um den Alten Stadtturm am Sonntag von 15 bis 17 Uhr so richtig rund. "Märchenhaftes Traben-Trarbach" lautet das Motto, zu dem alle Kinder eingeladen sind. (GKB)