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Corona: Die Wittlicher Brücke kann Senioren nicht mehr helfen

Ehrenamt : Die Wittlicher Brücke hat Probleme, den Senioren zu helfen

Viele Senioren können Alltagsaufgaben nicht mehr ohne fremde Hilfe bewältigen. Die  Wittlicher Brücke will helfen. Durch das Coronavirus ist das aktuell nicht mehr möglich. Für Senioren ist das problematisch.

Der Mensch ist keine Maschine die – bei richtiger Wartung– ewig läuft. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man nicht mehr alles allein schaffen kann und auf Hilfe angewiesen ist. Einkaufen oder eine Glühbirne wechseln: Wenn die eigene Familie das nicht übernehmen kann, etwa weil sie zu weit entfernt lebt, führt der Weg für ältere Menschen oft ins Altersheim. Um das zu verhindern, hat sich 2013 die freie Organisation Wittlicher Brücke gegründet. Man wolle Menschen ermöglichen, zuhause alt zu werden, sagt Wolfgang Schmitt-Kölzer, Sprecher und Vorstandsmitglied.

In den vergangenen sieben Jahren sei die Organisation stetig gewachsen, blickt Schmitt-Kölzer zurück. Heute hat die Wittlicher Brücke nach eigenen Angaben rund 150 Kunden und 25 bis 30 Helfer. Versorgt wird das ganze Gebiet von Wittlich-Stadt mit allen Stadtteilen, für die Kunden ist das kostenfrei, die Helfer arbeiten ehrenamtlich.

Wer Hilfe braucht bei kleineren handwerklichen Problemen oder für einen Fahrdienst, kann sich zunächst an einen der acht Koordinatoren wenden, diese vermitteln dann Helfer. Neben den Standardaufgaben wie die Fahrt zum Arzt oder Supermarkt – solche Dienste machen den Großteil der Hilfeleistungen aus –, gibt es immer wieder auch besondere Leistungen. Bei einer fast blinden Dame seien Helfer wöchentlich zum Vorlesen zu Besuch gewesen, erzählt Schmitt-Kölzer. 2015 wurde die Wittlicher Brücke von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich im Rahmen des Projekts „Zuhause alt werden“ als herausragendes Projekt ausgezeichnet. Außerdem arbeitet die Initiative eng mit der Wittlicher Stadtverwaltung zusammen, so können auch die Vorstandssitzungen und die wöchentlichen öffentlichen Sprechstunden im Rathaus stattfinden.

Das aktuelle Problem ist offensichtlich: Nahezu alle Kunden seien in der Risikogruppe, sagt Schmitt-Kölzer, wegen des Alters oder wegen Vorerkrankungen, oft auch beides zusammen. Die Wittlicher Brücke hat daher seit März ihren Dienst eingestellt.

Für die Senioren wird das natürlich zum Problem. Zum einen natürlich auf körperlicher Ebene, auch eigentlich notwendige Arzttermine müssten verschoben werden, so Schmitt-Kölzer. Aber auch auf sozialer Ebene kommt es zu erheblichen Einschränkungen. Vereinsamung sei ein großes Thema, sagt Schmitt-Kölzer. Er erzählt von zwei älteren Damen, diese seien jede Woche per Fahrdienst zu einem Altenheim gebracht worden, wo eine Freundin von ihnen lebt. Für alle drei sei der Wegfall dieser wöchentlichen Treffen ein großer Einschnitt. Dazu fehlen dann noch die sozialen Kontakte mit den Helfern. Immerhin: Die Apotheken böten Lieferdienste an, und fürs Einkaufen hätten sich in der Coronazeit Initiativen von hauptsächlich jungen, hilfsbereiten Menschen gegründet, erzählt Schmitt-Kölzer. Mit der Initiative „Wittlich-Land und Stadt hilft sich“ habe man auch zusammengearbeitet und Kunden weitervermittelt. Die Facebookgruppe, die der Initiative zugehörig ist, hat über 2300 Mitglieder. Über eine Website oder eine Telefonnummer können sich sowohl Helfer als auch Hilfesuchende melden.

Aber wie geht es nun mit der Wittlicher Brücke weiter? „Das Ziel ist es, auf den alten Status Quo zu kommen“, so Schmitt-Kölzer. Eine Zwischenlösung sei nicht vorgesehen. Das heißt aber auch, dass man auf einen Impfstoff warten müsse, vorher sieht Schmitt-Kölzer keine Möglichkeit für die Brücke, wieder aktiv zu werden. Bis dahin müssen Hilfsbedürftige auf andere Angebote zurückgreifen oder auf  nette Mitmenschen hoffen.