Coronavirus : Klinikalltag in Bernkastel-Kues ändert sich gravierend

In den Median-Kliniken auf dem Kueser Plateau wird das Essen aufs Zimmer geliefert. Patienten beklagen mangelnde soziale Kontakte - der Konzern betont, wie wichtig es ist, jetzt die Schutzregeln einzuhalten.

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus treffen auch die Reha-Kliniken auf dem Bernkastel-Kueser Plateau, wo die Richtlinien der Regierung, Kontakte weitestgehend zu vermeiden, ebenfalls eingehalten werden müssen. Eine Patientin (Name der Redaktion bekannt) beklagt sich über einschneidende Maßnahmen im Klinikalltag.

So seien viele Vergünstigungen gestrichen worden, sagt sie. Man habe nur noch eine halbe Stunde Zeit zum Essen. Zudem werde das Essen zu unterschiedlichen Zeiten ausgegeben. Vor allem die älteren Patienten litten darunter. Das Essen werde aus Sicherheitsgründen nur noch auf das Zimmer gebracht, im schlimmsten Fall müsse man dreimal täglich 90 Minuten auf dem Zimmer ausharren, bis das Essen komme. Dadurch würden soziale Kontakte noch stärker eingeschränkt.

Magdalena Nitz, Pressesprecherin der Median-Kliniken in Berlin, nimmt dazu Stellung: „Oberste Priorität hat für uns der Schutz unserer Patienten und Mitarbeitenden vor einer Covid-19-Infektion. Diesem Ziel gelten all unsere Maßnahmen, mit denen wir bisher sehr erfolgreich sind.“

Noch in keiner der bundesweit rund 120 Reha-Kliniken und -Einrichtungen von Median seien bisher Patienten erkrankt. „Dabei überlegen wir gemeinsam mit unserem unternehmensinternen Hygieneboard und den zuständigen Gesundheitsämtern jeden Tag neu, wie wir die uns anvertrauten Menschen noch besser schützen und ihnen gleichzeitig die Fortführung ihrer Rehabilitation ermöglichen können“, sagt sie.

Das erkläre auch die Maßnahmen zur Reduzierung des Infektionsrisikos bei der Essenausgabe, die für sämtliche Median-Einrichtungen gelten.

Im Detail bedeute das, dass die Speisesäle in Abstimmung mit den Hygieneexperten und Gesundheitsämtern maximal zu 50 Prozent ausgelastet sein dürfen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Nitz: „Um dies zu gewährleisten, musste die Essensausgabe – je nach Räumlichkeiten - in zwei oder mehr Schichten erfolgen. Die Tische werden mit größtmöglichen Abständen zueinander angeordnet.“

Die Essensausgabe erfolge über die Ausgabestelle mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Patienten und Personal oder durch Service am Platz.

Die Buffetversorgung an offenen Theken habe man aufgrund des hohen Infektionsrisikos eingestellt. Nitz: „Stattdessen erhalten die Patienten vorportionierte Teller. Dass sich die Patientin über genau diese Maßnahmen unzufrieden zeigt verwundert sehr, da diese genau ihrem Schutz dienen.“ Salat und Buffetselbstbedienung sei aus hygienischen Gründen gar nicht mehr möglich.

In Zeiten in denen das Personal Extraschichten fahre – vor allem auch das Küchenpersonal - könne nicht mehr jeder Patient nach seinen individuellen Wünschen für morgens, mittags und abends befragt werden, fügt sie hinzu.

 Was den Standort Bernkastel-Kues betreffe, sei sogar auf Zimmerservice umgestellt worden. Bei aktuell rund 2 000 Mahlzeiten am Tag bedeute das einen „unglaublichen Mehraufwand, den unser Personal mit Bravour meistert.“

Die Pressesprecherin appelliert an die Patienten: „Das tut uns selbst sehr leid, aber dies ist in der Ausnahmesituation wohl auch das kleinste Übel - vor allem, wenn man nach Italien schaut. Jeder muss sich jetzt etwas zurücknehmen.“